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Heftige Kritik an ARD-Doku zur Sterbehilfe

Heftige Kritik an einer ARD-Dokumentation über Suizidbeihilfe haben der Vorstandsvorsitzende der Deutschen PalliativStiftung, Thomas Sitte, und der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand geäußert. Der SWR-Film "Frau S. will sterben", der am Montag im Rahmen des Themenabends "Selbstbestimmtes Sterben" im Ersten zu sehen ist, informiere falsch. Es handele sich um Stimmungsmache für organisierte Sterbehilfe.

"Da wurden Fast-Wahrheiten mit Halb-Wahrheiten und eindeutig nachprüfbaren Falschaussagen von den Experten wie auch vom Kommentator munter vermengt", sagte Sitte am Montag der "Fuldaer Zeitung" und der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Im Film kämen zudem nur Experten zu Wort, die das Ende 2015 vom Bundestag verabschiedete Verbot der organisierten Suizidbeihilfe ablehnten. Brand, der führend an dem Gesetz mitwirkte, sagte, der Film unterschlage, dass der Bundestag 2015 auch einen starken Ausbau der Hospizversorgung und der Palliativmedizin beschlossen habe. "Verzweifelten Menschen sollte man die Verzweiflung nehmen, nicht das Leben."

Sitte betonte, dass die im Film vorgestellte Patientin, deren Sohn ihr einen Giftcocktail verschafft, nach keinem der im Bundestag diskutierten Gesetzentwürfe Beihilfe zur Selbsttötung hätte erhalten können. "Denn Frau S. war ja eben nicht in Todesnähe, sie hat kein unbehandelbares körperliches Leiden. Wohl aber war sie verständlich lebenssatt, ihr ging die Kraft zu kämpfen aus, sie schien zu vereinsamen und perspektivlos", sagte Sitte.

Der Palliativmediziner weist zudem darauf hin, dass die Patientin gar keiner Beihilfe zum Suizid bedurft hätte. "Frau S. hätte es ebenso gut selber machen können, lebte sie doch, zwar deutlich bewegungseingeschränkt, aber doch alleine in ihrer Wohnung." Sitte verwies auf weitreichende Möglichkeiten von Hospizarbeit und Palliativmedizin: "Niemand muss sich aus Angst vor späterem Leiden frühzeitig das Leben nehmen", sagte er. "Sterben in schwerer Krankheit dürfen und müssen wir zulassen, wenn der Patient nicht behandelt werden will." Darüber hinaus aber gelte, dass "niemand, wirklich niemand unter Atemnot leiden muss, wenn er sich ausreichend behandeln lässt. Niemand muss ersticken. Schmerzen, Atemnot und anderes mehr am Lebensende können von einem erfahrenen Team gut ausgebildeten Experten viel besser und einfacher behandelt werden, als die meisten anderen es sich vorstellen können."

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