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Russisch-orthodoxe Kirche: Kein Papstbesuch in naher Zukunft

Nach Angaben des Außenamtschefs der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Hilarion, ist ein baldiger Russland-Besuch von Papst Franziskus nicht zu erwarten. In naher Zukunft stehe weder ein Besuch des Papstes in Moskau noch ein Besuch des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. im Vatikan an, sagte Hilarion laut Radio Vatikan (Mittwoch).

Er äußerte sich im Anschluss an ein privates Treffen mit Papst Franziskus am Dienstag. Bereits am Montag hatte er, ebenfalls privat, den emeritierten Papst Benedikt XVI. (2005-2013) im Vatikan besucht.

Der Metropolit hatte jüngst eine Einladung an das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, ausgesprochen. Im Namen von Patriarch Kyrill I. wurde er für die erste Dezemberwoche zur 100-Jahr-Feier der Wiedererrichtung des Moskauer Patriarchats nach Russland eingeladen.

Bei seinem Treffen mit Franziskus dankte der Patriarchatsvertreter für die Leihgabe der Reliquien des heiligen Nikolaus. Die sterblichen Überreste des in Russland sehr verehrten Heiligen, die in der Adria-Stadt Bari aufbewahrt werden, waren im Sommer erstmals in Russland zu sehen. Dies sei „wirklich ein außergewöhnliches Ereignis“ gewesen, und habe auch in der Bevölkerung viel Aufmerksamkeit erregt, so Hilarion. Diese „kirchendiplomatische Aktion“ habe wie keine andere der Annäherung der Kirchen des Ostens und des Westens genutzt, betonte der Metropolit nach Angaben seines Außenamts (Mittwoch). Insgesamt 2,3 Millionen Pilger hatten die Nikolaus-Reliquien von Mai bis Juli in den orthodoxen Kathedralen von Moskau und Sankt Petersburg aufgesucht.

Die Beziehungen zwischen russisch-orthodoxer und katholischer Kirche hätten sich viele Jahrzehnte lang ohne größere Wahrnehmung durch die Gläubigen entwickelt. Das habe sich durch das Treffen von Papst Franziskus mit Patriarch Kyrill I. im Februar 2016 auf Kuba geändert. „Das erste Ereignis, an dem das Volk wirklich Teil hatte, war jedoch die Ausleihe der Reliquien des Heiligen Nikolaus.“

Der Außenamtschef der russisch-orthodoxen Kirche kritisierte bei der Begegnung mit Franziskus eine Diskriminierung seiner Kirche in der Ukraine. Zwei ins Parlament eingebrachte Gesetzentwürfe stigmatisierten die zum Moskauer Patriarchat gehörende ukrainisch-orthodoxe Kirche als ausländische Religionsgemeinschaft, sagte Metropolit Hilarion nach Moskauer Kirchenangaben. Ziel beider Gesetzentwürfe seien höhere Auflagen für seine Kirche als für andere Konfessionen. Mit einer dritten Gesetzesinitiative wollten Abgeordnete die Eroberung von mehr als 40 ukrainischen Gotteshäusern des Moskauer Patriarchats durch das orthodoxe Kiewer Patriarchat legitimieren.

Dem emeritierten Papst berichtete Hilarion nach Angaben seines Außenamts über die Begegnung von Franziskus und Kyrill I. sowie über die Zusammenarbeit zwischen den beiden Kirchen. Als Geschenk hatte Hilarion eine russische Ausgabe von Ratzingers „Theologie der Liturgie“ dabei. Dem Bericht zufolge dankte Benedikt mit den Worten, er hoffe, das Buch möge zu einem besseren Verständnis der Liturgie beitragen.  KNA

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