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Seenotrettung im Mittelmeer - Italien ermittelt gegen Priester

Bei Ermittlungen gegen Seenotretter von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer ist nun auch ein katholischer Priester ins Visier der italienischen Justiz gerückt. Die Staatsanwaltschaft von Trapani ermittele gegen den aus Eritrea stammenden Pater Mussie Zerai wegen möglicher Beihilfe zur Förderung illegaler Einwanderung, berichten italienische Medien (Donnerstag).

Der Ordensmann wies die Anschuldigungen zurück. Er helfe lediglich Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Folter auf der Flucht seien. "Das ist meine Aufgabe als Mensch und als Priester. Was für ein Verbrechen soll das sein?", so Zerai, der sich seit 20 Jahren für die Rettung von Flüchtlingen aus Seenot engagiert.
Mit der deutschen Hilfsorganisation Jugend Rettet, gegen die die Staatsanwaltschaft Trapani wegen möglicher Beihilfe zu illegaler Einwanderung ermittelt, habe er "nie zu tun gehabt", so der Pater. Seine Telefonnummer sei vielen Menschen bekannt. Hilferufe von Booten leite er stets an die Küstenwache in Rom oder Malta weiter. Zudem habe er Kontakt mit Nichtregierungsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Sea Watch, Moas und der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR.
Die Anschuldigungen gegen ihn sieht der Priester als Teil einer Kampagne gegen die Seenotrettung von Flüchtlingen. "Es gibt da eine Hexenjagd; die Solidarität für Flüchtlinge und Vertriebene wird kriminalisiert", sagte das Mitglied der Scalabrini-Missionare dem "Corriere della Sera".
Zerai kam selbst im Alter von 17 Jahren als Flüchtling nach Italien. In Rom gründete er die Hilfsorganisation "Agenzia Habeshia" für die Rettung von Flüchtlingen aus Seenot. 2015 wurde er aufgrund seines Engagements für die Rechte von Asylsuchenden und Flüchtlingen für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen; 2016 zeichnete ihn die Stiftung Pro Asyl mit einem Menschenrechtspreis aus. Nach Angaben der Stiftung schätzt Italiens Küstenwache, dass der Priester mehreren tausend Menschen das Leben rettete.
Seit Monaten gibt es in Italien den Vorwurf der Beihilfe zu illegaler Migration bis hin zum Menschenschmuggel gegen private Seenotretter auf dem Mittelmeer. Italien führte jüngst einen Verhaltenskodex ein, den jedoch nicht alle Organisationen unterzeichneten. Bislang lehnten Ärzte ohne Grenzen, Jugend Rettet, Sea Watch und SOS mediterranee die Selbstverpflichtung ab. Der Kodex sieht unter anderem eine verpflichtende Polizeipräsenz an Bord, Offenlegung der Finanzierung und strengere Regeln für die Bergungsoperationen vor.

KNA

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