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Theologe Schockenhoff: Sterbewünschen nicht zu schnell nachgeben

Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff hat einen differenzierten Umgang mit Sterbewünschen von Patienten gefordert. „Wenn Menschen sagen, dass sie sterben möchten, bedeutet das nicht immer, dass der Lebenswunsch vollständig erloschen ist“, sagte Schockenhoff am Mittwochabend in Leipzig.

Er verwies auf medizinische Studien, wonach Schwerkranke häufig dann Sterbewünsche äußerten, wenn ihre palliative Versorgung unzureichend sei. „Wird daraufhin die palliative Sedierung nachgebessert, verschwinden oft die Sterbewünsche wieder.“

Schockenhoff erläuterte, Sterbewünsche und -gedanken könnten in wellenförmigen Bewegungen kommen und wieder gehen: „Sie sind ein labiles, flüchtiges Phänomen, das genau geklärt werden muss.“ Nicht immer seien Sterbewünsche von Patienten ein „Indiz für eine wohlerwogene Entscheidung“, wie die medizinische Praxis zeige, so Schockenhoff, der Mitglied des Deutschen Ethikrates war.

Der katholische Priester kritisierte, dass qualvolles Sterben häufig als einzige Alternative zur Sterbehilfe dargestellt werde: „Es ist ein Zerrbild, dass medizinische Vorgänge nur das Leiden eines Sterbenden verlängern.“ Jeder Sterbende habe Anspruch auf eine palliativ-medizinische Versorgung, die seine Symptome lindere. „Von medizinischer Seite kann man ein menschenwürdiges Sterben ermöglichen“, erklärte Schockenhoff.     KNA

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