JAHR DES GLAUBENS

Jahr des Glaubens: Kurzkatechese von Bischof Rudolf Voderholzer

Im „Jahr des Glaubens“ hat Papst Benedikt XVI. die Bischöfe in aller Welt aufgerufen, Katechesen zu den wesentlichen Inhalten unseres Glaubens zu geben. Wir haben Bischöfe aus dem gesamten deutschen Sprachraum eingeladen, unseren Lesern ein Bekenntnis ihres Glaubens zu schenken.

38. Ich glaube an den Heiligen Geist, der gesprochen hat durch die Propheten

Ist der Heilige Geist ein „Etwas“ oder ein „Jemand“? Und: Gehört er zum Bereich der Geschöpfe oder gehört er mit dem Vater und dem Sohn zur schöpferischen Wirklichkeit Gottes selbst? Mit diesen Fragen hatte sich die Kirche in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts besonders auseinanderzusetzen. Die Frage nach der Göttlichkeit des Geistes war mit Hinweis auf die Taufe überzeugend beantwortet: Wenn der Getaufte „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ in die Gemeinschaft mit Gott aufgenommen wird, kann dies nicht durch eine nur endliche Ursache bewirkt werden.

Aber woran zeigt sich, dass der Heilige Geist ein Jemand ist, eine göttliche Person? Die Konzilsväter von Konstantinopel 381 beantworteten diese Frage zuletzt auch mit dem ins Credo aufgenommen Satz: „qui locutus est per prophetas – der gesprochen hat durch die Propheten“. Damit ist zunächst die Einheit von Altem und Neuem Testament, die Einheit der Heilsgeschichte angesprochen. Der Heilige Geist, der am Pfingsttag die Kirche mit seiner Feuer-Kraft belebt, ist derselbe, der schon im Alten Bund die Propheten inspirierte, nicht nur, um Gottes Weisung für das Hier und Jetzt anzusagen, sondern auch die zukünftige Zuwendung Gottes zu seinem Volk und zum Heil der ganzen Welt in Christus Jesus vorherzusagen.

In diesem Sinne heißt es im Ersten Petrusbrief: „Sie [die Propheten] haben nachgeforscht, auf welche Zeit und welche Umstände der in ihnen wirkende Geist Christi hindeute, der die Leiden Christi und die darauf folgende Herrlichkeit im Voraus bezeugte“ (1 Petr 1,11). Und im Zweiten Petrusbrief heißt es: „Niemals wurde eine Weissagung ausgesprochen, weil ein Mensch es wollte, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben Menschen im Auftrag Gottes geredet“ (2 Petr 1,21). Das bedeutet theologisch ein Mehrfaches: Die Heilige Schrift (zunächst des Alten Testaments) kann nur in dem Geist wirklich verstanden werden, in dem sie verfasst wurde, nämlich im Geist Christi: Das Alte Testament ist also als Ganzes eine Christusprophetie. Die Tradition spricht vom „geistigen Sinn der Schrift“. Auch das Neue Testament, das letztlich das auf das Christuszeugnis hin konzentrierte neu gelesene Alte Testament ist, verdankt sich dem Wirken des Heiligen Geistes, ist also inspiriert.

„Inspiration“ selbst schließlich ist nicht so zu verstehen, als wirke der Heilige Geist in Gestalt einer Taube als „göttliche Diktiermaschine“ (wie in manchen Bildern etwas missverständlich dargestellt), sondern als in den Propheten und Heiligen Schriftstellern wirkende Kraft. Sie nimmt alle menschlichen Fähigkeiten in Anspruch und befähigt, Gottes Willen und seine Heilswahrheit zu erkennen und in Wort und Schrift treu zu bezeugen (vgl. die Offenbarungskonstitution des II. Vatikanischen Konzils „Dei Verbum“).

Rudolf Voderholzer,
Bischof von Regensburg

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