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Adelheid Riolini-Unger erforschte das Werk der Bildhauerfamilie Öberl

Schöpfer der großen Nasen

FRIEDBERG – So mancher Kirchenbesucher mag schon versonnen eine Heiligenfigur, einen Putto, eine Madonna oder ein Kruzifix betrachtet und sich dabei gefragt haben, wer die Skulptur geschaffen hat. Adelheid Riolini-
Unger, langjährige Leiterin des Museums im Friedberger Schloss, ist dieser Frage nachgegangen: Sie folgte den Spuren der Bildhauerfamilie Öberl, die in Fried-
berg ansässig war. 

Das Ergebnis ihrer Forschungen hat sie in einem neu erschienenen, reich bebilderten Buch zusammengefasst. Die Fotos zu dem Bildband hat Norbert Liesz beigesteuert.

Die geschnitzten Figuren der Öberls schmücken Kirchen, Kapellen, Klöster und Brücken. Auch in mancher Kunstsammlung befinden sich ihre Arbeiten. 77 noch erhaltene Werke hat Adelheid Riolini-Unger ausgemacht – in und um Augsburg sowie in den Kreisen Aichach-Friedberg, Dachau, Dillingen, Donau-Ries, Fürstenfeldbruck und Landsberg. Sie wurden geschaffen von Bartholomäus Öberl (1660 bis 1742) sowie dessen Söhnen Georg Anton (1693 bis 1746), Johann Kaspar (1700 bis 1767) und Joseph Karl (1712 bis 1777). 

Von Bartholomäus sind nur wenige Arbeiten erhalten, von Johann Kaspar dagegen zahlreiche Figuren. Das Werk der beiden Brüder Georg Anton und Joseph Karl will Adelheid Riolini-Unger künftig noch eingehend erforschen. 

Das Haus der Familie Öberl in Friedberg Unterm Berg 21 steht noch heute. Ein Inschrift dort besagt: „Anno 1703 den 18. Septe: bin ich Bartholomeus Oberle Bildhauer von den Keisl: abgebrent und erbaut anno 1705“. 

Friedberg wurde im 30-jährigen Krieg sowie im Spanischen und Österreichischen Erbfolgekrieg zerstört. Danach erholte sich die Stadt allmählich. Kirchen und Kapellen wurden errichtet und an die Bildhauer gingen Aufträge zu deren Ausschmückung. Das kam den Öberls zugute: Über einen Zeitraum von 80 Jahren waren sie die Lokalmeister und führenden Barockbildhauer in Friedberg und Umgebung. Zu großem Wohlstand brachten sie es dennoch nicht. Georg Anton und Joseph Karl wanderten sogar nach Kuttenberg (Tschechien) aus. 

Bartholomäus Öberl schuf Figuren mit meist runden, fast pausbäckigen Gesichtern. Dagegen fallen die Statuen von Johann Kaspar Öberl durch ihre oft sehr langen, schmalen Gesichter mit ungewöhnlich großen Nasen auf. Seine Werke „repräsentieren, was gemeinhin unter Öberlschen Skulpturen verstanden wird: Heiligenfiguren, die in der Regel leicht an der Physiognomie mit einer charakteristischen Nasenform als Arbeiten aus der Werkstatt zu erkennen sind“, erklärt Adelheid Riolini-Unger. 

In der Werkstatt arbeiteten auch andere Schnitzer, neben den Meistern Lehrlinge und Gesellen. So erklärt sich, dass die Skulpturen große Unterschiede in der künstlerischen Darstellung und handwerklichen Qualität aufweisen.

Barbara Lang

Information: 

Das Buch „Die Bildhauerfamilie Öberl in Friedberg“ von Adelheid Riolini-Unger ist im Likias-Verlag erschienen und kostet 29,80 Euro. ISBN: 978-3-949257-07-0.

22.01.2023 - Bistum Augsburg