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150 Jahre Sternschwestern in Nördlingen

Eine Erfolgsgeschichte

NÖRDLINGEN – Die Franziskanerinnen von Maria Stern feiern ihr 150-jähriges Bestehen in Nördlingen. Das Kloster Maria Stern, mitten in der Altstadt in unmittelbarer Nähe zur Pfarrkirche St. Salvator gelegen, ist im evangelisch geprägten Nördlingen ein auffälliges Gebäude. Vor allem aber durch ihr Wirken in der Erzieher-Ausbildung, in der Realschule und im Kindergarten haben die „Sternschwestern“ in all den Jahren Spuren in der Stadt und im ganzen Ries hinterlassen. 

Heute leben zwölf Schwestern in einem „Ruhestandskonvent“ im Nördlinger Kloster. Schwester Sigrid Ritzer kam im Jahr 1966 nach Nördlingen, seit 2001 ist sie Oberin. Über die vergangenen 50 Jahre kann sie also aus der eigenen Erinnerung erzählen. Und über die 100 Jahre davor weiß sie sehr gut Bescheid – nicht zuletzt, weil unter ihrer Leitung die Chronik „150 Jahre in Nördlingen“ entstanden ist.

Angefangen hat alles im Jahr 1868, als der damalige Stadtpfarrer Michael Wildegger sich zum Ziel setzte, die Bildung für Mädchen zu verbessern und in dieser Angelegenheit an die Generaloberin M. Salesia Ellersdorfer schrieb. Die wenigen Sternschwestern, die nach der Säkularisation noch übrig waren, nahmen die Aufgabe an. Die Filiale in Nördlingen wurde gegründet. 

Anfangs kamen vier Schwestern nach Nördlingen. Eine war Lehrerin, eine Kindergärtnerin und eine Handarbeitslehrerin. Die Oberin selbst unterrichtete Musik und Französisch. Die Schule hatte rasch großen Zulauf. Ein Haus in der Nachbarschaft wurde erworben, so dass es mehr Platz für die Mädchenschule gab.

Prälat Bertram Meier hielt die Festpredigt beim Jubiläumsgottesdienst. „Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören“, zitierte er aus der Bibel. Es gehe dabei um das Horchen auf die leise Stimme im Lärm der Welt. Nur wer sich darin übe, sehe und höre wirklich – wie die Schwestern von Maria Stern in Nördlingen. Der Einsatz so vieler evangeliumstreuer Zeuginnen habe sich gelohnt, sagte Prälat Meier. 

Maria Stern in Nördlingen war eine der ersten Ausbildungsstätten für Kindergärtnerinnen in Bayern. Im angegliederten Kindergarten und Hort wurde das erworbene Wissen sofort angewendet. 1914 bauten die Schwestern mit ihrer Oberin Schwester Gervasia Kächelein eine Turnhalle für Mädchen, ebenfalls ein Novum in der Stadt. Im Ersten Weltkrieg wurde die Turnhalle zum Lazarett umfunktioniert. 

Während der NS-Zeit waren die katholischen Bildungseinrichtungen staatlichen Repressionen ausgesetzt. Das Regime begann, klösterliche Anstalten aufzulösen. In dieser Zeit gingen viele Stern-Schwestern nach Brasilien und gründeten dort Filialen. In Nördlingen wurden wieder zahllose Kriegsverletzte aufgenommen und gepflegt. Am 17. November 1945 erlaubten die amerikanischen Besatzer, das Kindergärtnerinnenseminar wieder zu eröffnen.

Berühmte Krippe

Schülerinnen aus der Zeit nach 1945 erinnern sich gerne an das Theaterspiel. Bis heute haben Bühnenauftritte, Theater und Musical eine große Tradition in der Schule. Auch die Jahreskrippe von Maria Stern ist weit über die Kloster- und Stadtmauern hinaus bekannt. Die Fachakademie kam 1975 zum Schulwerk der Diözese Augsburg, die Realschule Maria Stern folgte 2003.

In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde der Zulauf immer größer, eine Pausenhalle und neue Räume wurden benötigt. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde die Knabenrealschule in der Nördlinger Innenstadt geschlossen. Man entschied sich, auch Buben aufzunehmen. Damit war klar: Ein kompletter Neubau sollte entstehen. 

Eine Entscheidung, die nicht nur innerhalb des Konvents, sondern in der gesamten Stadt kontrovers diskutiert wurde. Schließlich ging es um einen historisch wertvollen Gebäudekomplex. „Das Herz sagte nein, der Kopf ja“, erinnert sich Schwester Sigrid. Schließlich wurden 1980 die Turnhalle und weitere Altbauten abgebrochen. Heute füge sich das neue Kloster Maria Stern sogar besser ins Stadtbild ein, findet die Oberin. 1987 segnete Bischof Josef Stimpfle das neue Schulzentrum. 

Ein geistiges Zentrum ist die Klosterkapelle mit ihrem Türmchen. Mittelpunkt ist der Tabernakel, der den Erdball symbolisiert. Alte Fenster wurden mit neuen Fenstern aus der Werkstatt von Professor Georg Bernhard aus Augsburg ergänzt. Am Franziskustag 1989 wurde die Bauperiode mit einem markanten Schluss-Stein beendet: Eine sechs Meter hohe Stele in Form des griechischen Buchstabens „Tau“ aus Muschelkalk von Friedrich Koller steht vor dem Schuleingang.

Christina Zuber

01.08.2018 - Bistum Augsburg , Orden