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Psychologische Beratungsstelle in Neu-Ulm hilft Menschen seit 40 Jahren

„Manche hadern mit Gott“

NEU-ULM – Vor 40 Jahren hat die Psychologische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (EFL) der Diözese Augsburg in Neu-Ulm ihre Arbeit aufgenommen. Die Zahl der Mitarbeiter stieg seither von ursprünglich vier auf heute 22, die Menge der Ratsuchenden von 223 auf nunmehr jährlich rund 1500. 

„Ihr Dienst ist mit Geld allein nicht zu bezahlen“, sagte der Leiter des Seelsorgeamtes im Bistum Augsburg, Bischofsvikar Prälat Bertram Meier, zum Jubiläum, an das mit einer kleinen Feier erinnert wurde: „Ihr Tun ist Gold wert.“

„Unsere Beratungsstelle ist dem Seelsorgeamt der Diözese Augsburg zugeordnet“, erklärte die Leiterin der Neu-Ulmer EFL-Beratungsstelle, Diplom-Psychologin Elisabeth Kohn. Aufgabe sei es, Menschen in seelischen Nöten, vor allem in Beziehungsproblemen, beizustehen und ihre Eigenständigkeit zu fördern. Dies alles geschehe vor dem Hintergrund des christlichen Menschenbildes.

 Prälat Meier verwies auf den Jesuitenpater Alfred Delp, der schon vor 70 Jahren „die Rückkehr der Kirchen in die Diakonie, in den Dienst der Menschheit“ gefordert habe. Kein Mensch werde an die Botschaft vom Heil und vom Heiland glauben, solange die Kirchen sich nicht im Dienst des physisch, psychisch, sozial, wirtschaftlich, sittlich oder sonst kranken Menschen geschunden hätten. „Delps Worte haben nichts von ihrer Aktualität eingebüßt“, sagte Meier. 

Die Neu-Ulmer Beratungsstelle hebt ihren katholischen Ansatz laut Stellenleiterin Kohn „durchaus sehr deutlich hervor“. Manche folgen dem eigenen Antrieb, weil sie sich nicht mehr zu helfen wissen. Anderen wird von Bekannten, Ärzten oder anderen Helfern nahegelegt, die Berater aufzusuchen. 

Manchen führt der Weg auch erst mal ins Internet. „Aber die mehr oder weniger anonyme Antwort auf eine komplexe Fragestellung löst das Problem meist nicht“, sagt Elisabeth Kohn. Sie und ihre 21 Mitarbeiter, die etwa zur Hälfte in Teilzeit beschäftigt sind, nehmen sich viel Zeit für jeden Ratsuchenden, häufig auch in den Abendstunden. 

Zerbrochenes heilen

Alle Mitarbeiter haben eine vierjährige Ausbildung im Bundesverband Katholischer Ehe-, Familien- und Lebensberater abgeschlossen. Sie haben gelernt, Zerbrechlichkeit und Gebrochenheit in den Beziehungen zu heilen.

Verlorene Verbindungen sind ein großer Problemkreis unter den Ratsuchenden. Eine Beziehung geht in die Brüche – wie geht es nun weiter mit Kindern, Wohnen und dem ganzen Drumherum? Auch der Auszug der Kinder, der die Eltern alleine zurücklässt, erzeugt oft Sorgen und Unsicherheit. 

Sogar der Hilferuf „Ich habe Angst“, kommt vor. Betroffen vom Verlust der Gemeinsamkeit sind vor allem Menschen zwischen 27 und 40 Jahren, Frauen etwas häufiger als Männer. Aber auch Einzelpersonen klagen über Beziehungskrisen, über Einsamkeit. Schicksalsschläge wie plötzlich eintretende Arbeitslosigkeit, schwere Krankheit, der Tod des Partners, eines Freundes oder eines nahen Verwandten können oft nur mit psychologischer Hilfe gemeistert werden. 

„Manche hadern in dieser Situation mit Gott“, sagt Kohn. Gemeinsam wird nach Lösungen gesucht. Ziel ist, einen Weg aus der Negativschleife zu finden, das Gedankenkarussell zu verlassen. Wichtig ist, die Betroffenen selbst Lösungen entwickeln zu lassen. Was war früher gut? Was hat mich getragen? Es gilt, Kontakte wiederzubeleben oder neu aufzubauen. 

Die Hilfe kommt übers Gespräch, in dem erst einmal herausgearbeitet wird, was der Besucher überhaupt will, welche Hilfe er sucht. Es folgt die Entscheidung, wer helfen kann – in der Beratungsstelle selbst oder in einer anderen Einrichtung in der Stadt. Gespräche dauern in der Regel eine Stunde, für Paare anderthalb. Mancher Fall ist nach dem ersten Besuch gelöst, andere erstrecken sich über Jahre. 

Gerrit-R. Ranft 

02.05.2018 - Bistum Augsburg