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75 Jahre lang Mesner

Herbert Stechele hat auf dem Auerberg viel erlebt

BERBEUREN (jj) – Dass er sich mit elf Jahren das erste Mal als Mesner betätigte, dass er mit 87 Jahren noch aushilft, dass einmal in einem Jahr 32 Hochzeiten in der Europakirche gehalten wurden, dass der Mesnerdienst seit dem Jahr 1601 über 13 Generationen hinweg in der gleichen Familie gewesen ist und dass er in der höchstgelegenen Kirche in der Diözese gedient hat: Herbert Stechele aus Bernbeuren kann aus seiner Zeit an der Georgikirche auf dem Auerberg jede Menge zu erzählen.

Es ist schon ein ganz besonderes Jubiläum: 75 Jahre in diesem Dienst. Das betonten auch Pfarrer Thaddäus Biernacki von der Pfarreiengemeinschaft Auerberg und Diözesanleiter Klaus Probst vom Mesnerverband, als sie die Ehrung vornahmen. Dies geschah bei der Josefi-Messe, die früher immer in der Georgskirche auf dem Auerberg stattfand, aber heuer wegen Corona in der großen Bernbeurener Pfarrkirche St. Nikolaus gehalten wurde.

Dort ist seit Mitte der 1990er Jahre Werner Maier (52), ein Oldtimer-Liebhaber, Mesner. Er hat 2007 zudem dieses Amt für die Georgskirche auf dem Auerberg übernommen, nachdem Herbert Stechele wegen seines Alters kürzer treten wollte. Und trotzdem hilft der Senior aus, wenn Maier mal keine Zeit hat. Zuletzt war das im Jahr 2020 bei zwei Hochzeiten der Fall. 

Werner Maier und Herbert Stechele verstehen sich bestens, auch wenn sie im Alter 35 Jahre auseinander sind. Beide sind im Goggomobil schon zum Mesnertreffen in der Wies vorgefahren. 

Herbert Stechele, Jahrgang 1934, ist in Rückholz im südlichen Ostallgäu aufgewachsen, wo er schon kurze Zeit Ministrant war, ehe er als Neunjähriger nach Bernbeuren kam. Seine Mutter hatte beim Stechele-Wirt auf dem Auerberg eingeheiratet. Herbert war der älteste von drei Buben. Er half in der Gastronomie und in der Landwirtschaft. Er könne gut kochen, aber das habe er schließlich „lang gnua gmacht“, bekundet der Senior, der im hohen Alter noch am Herd steht und täglich das Essen für seine Frau und sich zubereitet. 

Sein Vater war ebenso Mesner. Er hatte Asthma und konnte bei Nebelwetter den kurzen, aber steilen Anstieg vom Hof hinauf zur Kirche nicht mehr bewältigen. Da habe ihn der damalige Pfarrer Josef Bauer spontan aufgefordert, dass er mit hinauf gehen und beim Mesnerdienst einspringen solle. Das war der Anfang einer Ära, die über 75 Jahre gegangen ist.

Einmal habe ein Pfarrer eine Hochzeit vergessen.Da sei dann der frühere Pfarrer aus dem benachbarten Burggen kurzerhand eingesprungen. Die meisten Brautpaare seien aus dem Schongauer Land und aus dem Ostallgäu gekommen, erinnert sich Stechele. Doch sei in dem Gotteshaus mit dem Titel der Europakirche einmal sogar ein Brautpaar aus Barcelona vermählt worden. Die Verständigung habe mit Händen und Füßen durchaus geklappt, schmunzelt der Mesner-Jubilar. Stechele heiratete 1976. Er zog hinunter nach Bernbeuren auf den Hof seiner Frau Maria, mit der er einen Sohn und eine Tochter hat. Der Auerberg, bekennt Stechele, sei für ihn „die Vorstufe zum Paradies“. Johannes Jais

22.04.2021 - Bistum Augsburg