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Advent im Kloster

Fastenzeit mit Tannengrün

GESSERTSHAUSEN – „Das Backen der Lebkuchenmänner hat bei uns Tradition. Damit wird hier in der Abtei der Advent eingeläutet“, erzählt Äbtissin Gertrud Pesch aus der Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld nahe Augsburg.

Die Klostervorsteherin arbeitete selbst lange in Küche und Backstube und hat das Rezept von älteren Mitschwestern übernommen. „Die Schwestern hatten wenig Geld, und Schokolade war früher sehr teuer. Schokoladennikoläuse konnten sie sich nicht leisten“, berichtet Äbtissin Gertrud. So kreierten die Ordensschwestern früherer Generationen ein Rezept aus Zutaten, die im Kloster immer vorhanden und nicht kostspielig waren. Die Lebkuchenmänner hatten zudem den Vorteil, dass sie haltbar waren und auch noch zum Ende der Weihnachtszeit schmeckten.

Kurz vor Beginn der Adventszeit werden in Oberschönenfeld aus dem Lebkuchenteig Sterne gebacken. Sie kommen am ersten Adventssonntag zum Frühstück auf den Tisch. Am Abend stimmen sich die Schwestern auf den Advent ein, mit weiteren Lebkuchensternen, Glühwein, adventlichen Liedern und Geschichten. Ein alter Brauch hat sich an diesem Abend bis heute erhalten: der geistliche Krippenbau. Eine Schwester bereitet Zettel vor, auf jedem von ihnen ist ein Bestandteil einer typischen Krippe notiert, gemeinsam mit einer Eigenschaft, die mit diesem Krippenbestandteil in Beziehung steht. 

Auf einem der Zettel stehen beispielsweise der Begriff „Stroh“ und die dazu passende Eigenschaft „hilfsbereit sein“. Auf einem anderen steht „Stall“ und „offen sein für Überraschungen“. Auf dem nächsten „Stern“ und „Güte und Liebe weiterschenken“ oder „Ochs“ mit der Eigenschaft „fest im Glauben stehen“. Jede der Schwestern zieht einen Zettel. Die Begriffe, die sie darauf findet, sollen ihr ein Leitfaden für das ganze nächste Jahr sein. 

Ein weiterer Brauch hat sich an diesem Abend etabliert: Ein kleines Gefäß mit weiteren Zetteln macht die Runde. Auf jedem von ihnen steht der Name einer Schwester. Nun zieht jede Ordensfrau des Konvents den Namen einer Mitschwester. Ihr soll sie das ganze Jahr über besondere Aufmerksamkeit schenken – zum Beispiel in Form von Gesprächen, Gebeten, besonderer Hilfsbereitschaft. Dies alles sind sehr schöne Gesten, die durchaus auch in den Alltag außerhalb der Klöster übernommen werden können.

Wenn der Nikolausabend naht, warten bis zu 80 Lebkuchenmänner darauf, verschenkt zu werden. Am Vorabend von Nikolaus erhalten alle Schwestern und Klostergäste einen Lebkuchenmann sowie Mandarinen und Nüsse. Am Nikolaustag selbst werden Mitarbeiter und dem Kloster besonders verbundene Menschen damit beschenkt. Verkauft werden die Lebkuchenmänner nicht.

Die klösterliche Adventsdekoration ist sehr schlicht: Kerzen, ein Adventskranz und Tannengrün. Die Adventszeit gehört in den Klöstern zu den traditionellen Fastenphasen. Das Essen ist einfacher als sonst. In dieser Zeit herrscht viel Stille in der Abtei. Vier Abende verbringen die Schwestern in völligem Schweigen. Äbtissin Gertrud veranstaltet an einem Abend im Advent eine Gebetszeit für Außenstehende, eine Mitschwester einen Oasentag mit adventlichem Charakter. In dieser Zeit verzichten die Schwestern auch auf persönliche Besucher. Päckchen für ehrenamtliche Unterstützer werden vorbereitet und Weihnachtskorrespondenzen erledigt. Die Liturgie, die immer an erster Stelle steht, führt auf Weihnachten hin.

Am Donnerstag vor Heiligabend ist „Klopfestag“ in Oberschönenfeld. Die beiden jüngsten Schwestern klopfen als Maria und Josef auf der Herbergssuche an alle Türen der Abtei, singen ein Lied und bitten um eine milde Gabe, beispielsweise in Form einer Süßigkeit. Die Gaben, die zusammenkommen, werden in der abendlichen Rekreation geteilt. Auch die Vorbereitung der Christmette ist eine gemeinschaftliche Aktion, für die sich die Schwestern viel Zeit nehmen. Schließlich ist Christi Geburt ein hoher Feiertag für die Ordensfrauen wie für alle Christen.

Petra Altmann

Information:

Petra Altmann hat gemeinsam mit Äbtissin Gertrud Pesch das Buch „Backen in der Klostertradition“ mit 85 Rezepten und einer Backzutaten-Scheibe herausgebracht. Paulinus Verlag, Trier 2017. Preis: 17,90 Euro. 

13.12.2020 - Advent , Orden