Anzeige

Dreihostienfest

Älteste Wallfahrt in Bayern

ANDECHS – Ein strahlend blauer Himmel wölbte sich über dem Heiligen Berg und begrüßte die zahlreichen Menschen, die am Sonntagmorgen zum Dreihostienfest, zur ältesten Wallfahrt in Bayern, nach Andechs gekommen waren. 

Andechs mögen heute viele eher mit Bier als mit Beten verbinden. Doch die Wallfahrt folgt einer deutlich älteren Tradition als das Bier. Sie ist seit dem 12. Jahrhundert bezeugt. Grund dafür waren „Herrenreliquien“, also Gegenstände, die mit Jesus und seiner Passion in Zusammenhang stehen. Ergänzt wurden diese „Heiltümer“ durch drei Hostien, die durch ihre äußere Veränderung während der Wandlung die wirkliche Gegenwart Christi bezeugen sollen. Zurückgeführt auf die Päpste Gregor der Große († 604) und Leo IX. († 1054) kamen sie im 12. Jahrhundert von Rom über Bamberg nach Andechs, gingen verloren und wurden 1388 wieder gefunden, was der Wallfahrt gehörigen Auftrieb verschaffte. 

Die drei Hostien sind Zeichen einer Jahrhunderte alten Christusverehrung auf dem Heiligen Berg. Dementsprechend stellten Abt Johannes Eckert in seiner Begrüßung und Freiburgs Erzbischof Stephan Burger in seiner Predigt Christus und die Eucharistie in den Mittelpunkt. Erzbischof Burger beschrieb die Zerrissenheit in der Gesellschaft, aber auch in der Kirche. Am Beispiel des Synodalen Wegs, den Bischöfe und Laien gehen wollen, würden die Fliehkräfte sichtbar: die einen beklagten den fehlenden Mut der Bischöfe, die anderen sorgten sich um einen Verrat am Glauben. Tatsächlich erlebe man in der Kirche Versagen und Heiligkeit gleichermaßen. Die Heiligkeit allerdings komme allein von Christus, „von ihm geht die Kirche aus, ihre Herzmitte ist Christus selbst“. 

Um diese Mitte präsent zu halten, schenke Jesus das Sakrament der Eucharistie, „das ihn greifbar werden lässt, wo wir ihn uns einverleiben dürfen“, führte Burger aus. Christen könnten zur Monstranz werden, die ihn in die Welt
hineinträgt, sagte Burger. Theoretisch glaubten die Christen das, doch in der Praxis wirkten Fliehkräfte, Machtstreben und der Wunsch nach Selbstverwirklichung. 

Vielfalt in der Einheit

Die Menschen vor Augen, die die Klosterkirche füllten, betonte der Erzbischof, dass den Willen Christi erkennen Vielfalt in der Einheit nicht ausschließe. Unzählige Menschen hätten an diesem Ort in schweren Stunden erfahren, dass Christus sie auf ihrem Lebensweg begleite. Diese Erfahrung schließe den Nächsten nicht aus, sondern der Christ werde zum Werkzeug des Heilsdienstes.

Im Anschluss an die vom Vocalensemble St. Bonifaz musikalisch gestaltete Eucharistiefeier zog eine große Prozession mit der Dreihostienmonstranz um den Heiligen Berg.

Günther Gremp