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Seligsprechung von Pater Franziskus Jordan

Große Pläne mit Ludwig Auer in Donauwörth

DONAUWÖRTH – Diesen Samstag, 15. Mai, wird in Rom Pater Franziskus Jordan (1848 bis 1918) seliggesprochen, der Gründer des Salvatorianerordens. Die Anfänge der „Societas Divini Salvatoris – Gesellschaft des Göttlichen Heilandes“ liegen auch in Donauwörth, wie der Historiker des Ordens, Pater Josef Brauchle SDS, 2001 für den Historischen Verein der Stadt festgehalten hat.

Der Freiburger Priester Johann Baptist Jordan trug sich mit Gründungsgedanken einer Apostolischen Lehrgesellschaft „zur Beförderung der Erziehung und des Unterrichtes unter allen Völkern“ und hatte dafür die zentrale Bedeutung der Presse erkannt. Auf dem Konstanzer Katholikentag Mitte September 1880 machte er Bekanntschaft mit Ludwig Auer, der als Vorstand des Katholischen Erziehungsvereins das Cassianeum gegründet hatte und in Donauwörth eine ganze Reihe von Schriften zur christlichen Volkserziehung herausgab. 

Einen Monat später saßen Jordan und Auer im Donauwörther Cassianeum bereits am gemeinsamen Plan, „alle einschlägigen Unternehmungen auf der ganzen Erde zu konzentrieren und zu kräftigen“. Auer erklärte, sich „mit seiner ganzen Anstalt und all seinen Bestrebungen der Apostolischen Lehrgesellschaft freudig“ anzuschließen. Im Gegenzug versprach Jordan, das Cassianeum international zu unterstützen. 

Donauwörth sollte Sitz der Apostolischen Lehrgesellschaft für den deutschsprachigen Raum werden. Die von Jordan und Auer entworfenen Statuten der Apostolischen Lehrgesellschaft tragen auf ihrem Titelblatt den leicht abgewandelten Leitspruch des Cassianeums „Alles mit Gott und für Gott zum Besten des Nächsten“. Die Satzungen sahen drei Mitgliedsgrade vor; für den dritten – Eltern, Lehrer und Erzieher im priesterlichen Stand – sollte in Donauwörth nach dem Modell der Auerschen Frauenzeitschrift „Monika“ ein Lehrorgan für Erziehung und Unterricht entstehen und in allen Nationen in der jeweiligen Landessprache erscheinen.

Ende der Gemeinsamkeit

Von Rom wurden die Statuten der Apostolischen Lehrgesellschaft Ende 1880 allerdings als überbordend verworfen. Jordan beschied sich darauf mit Geringerem, orientierte sich bei der Veröffentlichung einer italienischen Kinderzeitschrift an Auers „Schutzengelbriefchen“ und rief weitere Presseorgane ins Leben.

In der Folge zog sich Auer mehr und mehr vom gemeinsamen Vorhaben zurück. Jordan reiste im Verlauf des Jahres 1881 mehrere Male nach Deutschland, unter anderem, um eine Druckerei für seine Unternehmungen in Rom zu besorgen, und nach Donauwörth, um das abgekühlte Verhältnis zu Auer wieder zu verbessern. Jordan hatte allerdings Vorstellungen zur Übernahme der „Monika“, mit denen sich Auer als Publizist nicht anfreuden konnte.

Im Juli 1881 traf Jordan persönlich mit dem Priester Bernhard Lüthen zusammen, dem Redakteur der Auerschen Priesterzeitschrift „Ambrosius“ und der „Schutzengelbriefe“. Dieser fand Jordan nicht sonderlich sympathisch, ließ sich aber von seinen Plänen begeistern und schloss sich ihm an, was Ludwig Auer schwer traf. Bis zu seinem endgültigen Abschied aus der Redaktion verfasste Lüthen für den „Ambrosius“ auch Beiträge über die Apostolische Lehrgesellschaft, von denen Auer jedoch einige zurückhielt. Im Juni 1882 verabschiedete sich Jordan mit einem Schlussbrief an Auer von den gemeinsamen Plänen.

Die Apostolische Lehrgesellschaft änderte im Oktober 1882 ihren Namen in „Katholische Lehrgesellschaft“ und wurde in der Fastenzeit 1883 in eine Ordensgemeinschaft umgestaltet. Aus Johann Baptist Jordan wurde Pater Franziskus, Lüthen erhielt den Namen Bonaventura. Peter Paul Bornhausen