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Architekt Thomas Wechs errichtete fortschrittliche Bauten

Wegbereiter der Moderne

Thomas Wechs (1893 bis 1970) war einer der bedeutendsten Kirchenbaumeister in Bayerisch-Schwaben, ein Vertreter des Neuen Bauens. Er hat hier markante Kirchen, aber auch bedeutende Profanbauten geschaffen. Sein 50. Todestag ist am 21. Juli.

Geboren wurde Wechs in Bad Oberdorf im Allgäu. In der alteingesessenen Familie gab es mehrere Bau- und Zimmerermeister. So absolvierte er bei seinem Vater eine Zimmermannslehre und besuchte anschließend bis 1913 die Bauschule in Augsburg. Dann begann er ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule München, das von seinem Militärdienst im Ersten Weltkrieg unterbrochen wurde. Im Krieg wurde Wechs schwer verwundet. Diese Erfahrungen riefen sein lebenslanges Interesse an Soldatengedenkstätten hervor.

Zweckmäßiges Material

Das Studium schloss er 1921 ab. Besonderen Einfluss hatte sein Lehrer Theodor Fischer auf ihn, der sich für ein Zusammenspiel von Tradition und Fortschritt in der Baukunst einsetzte. „Durch seinen Handwerkshintergrund brachte Wechs außerdem eine Vorliebe für zweckmäßige Baumaterialien wie etwa Holz in seine künftige Arbeit ein“, hebt der Konservator der Diözese Augsburg, Michael Schmid, hervor.

Wechs gehörte zu einer internationalen Bewegung, die ab etwa 1900 mit allen Architektur-Traditionen brach, erklärt Schmid. Hatte man im 19. Jahrhundert, der Zeit des Historismus, neo-gotisch, neo-
romanisch oder neo-barock gebaut, so wurde nun auf allen Zierrat verzichtet. Es gab keine Zitate alter Baustile mehr, vielmehr wurden neue Baustoffe wie Beton offen verwendet, und maßgebend sollte nur die Funktionalität von Gebäuden sein. Man spricht vom „Neuen Stil“ oder „Neuen Bauen“. Aus ihm gingen nach dem Ersten Weltkrieg die Neue Sachlichkeit und das Bauhaus hervor.

Wechs war während seines Studiums Mitarbeiter des Augsburger Architekten Julius Theodor Schweighart. Dann nahm er eine Stelle bei der Reichspost München an, wo er Zweckbauten entwarf. 1923 eröffnete er sein eigenes Architekturbüro in Augsburg. Sein erster Aufsehen erregender Bau war 1928 bis 1930 der Schuberthof an der Rosenau-
straße im Augsburger Thelottviertel. Vorgabe der Stadt war, dass möglichst viele preiswerte Wohnungen entstehen sollten, ansonsten hatte Wechs Gestaltungsfreiheit. Das völlig schmucklose Flachdachgebäude wirkte damals noch so fremd, dass Spötter von „Beduinenarchitektur“ sprachen.

Auch Stadtplanung war Wechs ein großes Anliegen. Er sagte eine große Zunahme des Straßenverkehrs voraus und forderte, dass der Städtebau darauf mit großzügigen Umgehungsstraßen reagieren müsse. Das rief in den 1920er-Jahren in der Stadt Kopfschütteln hervor. Erst nach den Kriegszerstörungen 1944/45 wurden diese Ideen wieder aufgegriffen. 

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, die laut Wechs einen „Hass gegen das Moderne“ hatten, bekam er immer weniger Arbeit. Aufträge erteilte hauptsächlich noch die katholische Kirche. Nach Einschätzung von Schmid plante Wechs jedoch nun nicht mehr so avantgardistisch. 1939 wurde er erneut zum Wehrdienst einberufen und geriet bei Kriegsende in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Nachdem er im Juli 1945 freigelassen worden war, musste er sein Büro wieder aufbauen. Sein Haus war ausgebombt, er hatte weder Zirkel noch Zeichenmaterial. Nach schwierigen Jahren erwies sich die Berufung von Josef Freundorfer zum Augsburger Bischof für Wechs als Glücksfall. Zwischen ihnen bestand ein Vertrauensverhältnis. Wechs, der sich schon vor dem Zweiten Weltkrieg sehr für christliche Kunst interessiert hatte, baute nun unter anderem die Pfarrkirche Maria Königin des Friedens in Lindau-Zech, St. Ulrich in Kaufbeuren, Mariä Himmelfahrt in Memmingen und Heiligstes Herz Jesu in Neugablonz. 

Dass er seine Ideen und Bauprinzipien nun wieder klar umsetzen konnte, zeigen auch die Pfarrkirche Don Bosco (1959/60) im Augsburger Herrenbachviertel und das Exerzitienhaus St. Paulus (1957 bis 1969) in Leitershofen. Don Bosco ist durch eine große Stahlbeton-Kuppel sowie zwei große Türme aus Stahlbeton-Gitterwerk gekennzeichnet. 

In Don Bosco, das als Teil eines Jugend- und Seelsorgezentrums konzipiert ist, hat Wechs einen modernen Kirchenraum geschaffen. Die Kirchenbänke sind im Halbkreis angeordnet. Nach Aussage von Schmid gab es schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts liturgische Reformbestrebungen. Nach den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde in der Kirche Don Bosco noch der Altar von der Wand abgerückt und ins Halbrund gestellt. 

Weil Wechs fast ausschließlich in Augsburg und Schwaben tätig war, erlangte er keinen überregionalen Ruf. Kurz vor seinem Tod 1970 wurde er mit dem Bayerischen Verdienstorden und mit dem päpstlichen Sylvesterorden ausgezeichnet. Seit 20 Jahren verleiht der Bund Deutscher Architekten, Kreisverband Augsburg-Schwaben, alle drei Jahre den Thomas-Wechs-Preis an Architekten und die Bauherren, die sie beauftragen.

Andreas Alt