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Der Kasperlgraf

Die vielseitigen Talente des Franz von Pocci

AUGSBURG – Franz von Poccis Eltern bestanden einst auf einem Jurastudium, um ihrem Filius eine Beamtenlaufbahn zu ermöglichen. Das hielt den vielbegabten Sprößling aber nicht davon ab, zu komponieren, zu dichten und zu zeichnen. Sein Dienst als Beamter bescherte ihm Stoff für seine Karikaturen, denn er spießte gerne seine Kollegen und ihre Schwächen auf. So erfand er für „Die Fliegenden Blätter“ die viel belächelte Figur des „Staatshämorrhoidarius“.

Ende Oktober wurde im Maierhof des Klosters Benediktbeuern die Ausstellung „Franz von Pocci und der Humor“ eröffnet. Sie zeigt in Bildern, Texten, Büchern und Figuren das vielseitige Talent des hohen Beamten Franz von Pocci, der am Hof von drei bayerischen Königen wirkte: Ludwig I., Max II. und Ludwig II. 1807 wurde Pocci in München geboren. „Mit etwa acht, neun Jahren bereits zeichnete und karikierte der Junge im Haus seiner Eltern zwanghaft die Gäste. 14-jährig entdeckte er die Liebe zur Musik und begann zu komponieren“, erzählt der Erste Vorsitzende der Franz-Graf-von-Pocci-Gesellschaft, Michael Köhle. 

Neben seinem Beamtendasein lebte Pocci sein Multitalent in vollen Zügen aus. Etwa 600 Musikstücke komponierte er, wovon die Melodie „Wenn ich ein Vöglein wär“ noch heute populär ist. Erfolgreich illustrierte er zahlreiche Kinder- und Liederbücher, Märchen und vieles andere mehr. In zwei Münchner intellektuellen Zirkeln, den „Zwanglosen“ und der „Altanglia“, verkehrte eine bunte Mischung aus der honorigen Gesellschaft, wie der Schriftsteller Franz von Kobell oder der Maler Moritz von Schwind, die Pocci gern mit spitzer Feder ins Bild brachte. Von ihm sind rund 4000 Karikaturen bekannt. Auch sich selbst nahm er aufs Korn. Eines seiner zahlreichen ironischen Selbstbildnisse zeigt ihn auf einem Sockel stehend als Denkmal: Lorbeerkranz auf dem Kopf, Lendenschurz aus Fell um den mageren Körper geschlungen, das Anglia-Album in der einen, die Feder in der anderen Hand. 

Berühmt wurde er als „Kasperl­graf“. Bis zu seinem Tod erfand er für seinen knollennasigen Larifari mehr als 40 Komödien, malte Kulissen und entwarf Kostüme. Sein Kasperl ist kein Grobian, er ist ein Schlendrian und taugt zum „Privatier, Rentier, Bankier oder so was G’scheits“, doch nicht zur Arbeit. Sein liebster Aufenthaltsort ist das Wirtshaus. „Drum weil ich Mensch aus Staub bestehe, ist’s Pflicht, dass ich ins Wirtshaus gehe. Den Staub zu löschen und die Aschen, so nacheinander aus den Flaschen.“ 

Professor Hans Maier, vormals bayerischer Kultusminister, urteilte über Franz von Pocci: „Als Karikaturist gehört er ohnehin in die Reihe der ersten Meister im 19. Jahrhundert und darf einen Platz neben Honoré Daumier und Wilhelm Busch beanspruchen.“ In der Ausstellung sind der Larifari, viele Zeichnungen, historische Schriften, Karikaturen und persönliche Gegenstände des „Kasperlgrafen“ zu sehen. Sie ist bis zum 16. Dezember dienstags bis samstags von 13 bis 16 Uhr, am Sonntag von 11 bis 16 Uhr zu sehen. Ingrid Paulus

15.11.2018 - Bistum Augsburg , Historisches