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Bertram Meiers Schul- und Ministrantenzeit

„Bischof schnuppert Höhenluft“

KAUFERING – Der Werdegang des neuen Bischofs von Augsburg, Bertram Meier, ist hinlänglich bekannt: Er begann in Kaufering, das mit seinen 10 000 Einwohnern die drittgrößte Gemeinde im Landkreis Landsberg ist. Wie waren Bertram Meiers Kinder- und Jugendjahre in der Marktgemeinde? 

Mariä Himmelfahrt, seine Heimatpfarrei, gehört heute zur Pfarreiengemeinschaft Kaufering mit ihrem Pfarrer Helmut Friedl. Unter dem damaligen Pfarrer Ludwig Epp begann für den kleinen Bertram 1966 die Schul- und 1968 die Ministrantenzeit. 

Früher Dienst am Altar

Alois Jäger war von der ersten  bis zur vierten Klasse sein Klassenkamerad und auch sein Ministrantenkollege. Er erinnert sich noch gut an die gemeinsame Zeit, die Ausflüge, die Sternsingeraktionen und die Dienste am Altar, die der spätere Bischof schon damals mit voller Ernsthaftigkeit wahrnahm. Als Bert­ram immer wieder den Auftrag bekam, die Altarleuchter zu tragen, veranlasste ihn das aber einmal zu dem Ausspruch: „Ich möchte nicht ein Armleuchter sein!“ 

Im Gedächtnis geblieben ist ­Alois Jäger auch Bertrams Zielstrebigkeit und der Wille, aus allem das Beste zu machen: „Obwohl Sport nicht unbedingt sein Lieblingsfach und seine Stärke war, nahm er doch mit uns immer an den Fußballspielen auf der Wiese teil und trug natürlich auch mal die eine oder andere Blessur davon. Das hielt ihn aber nie davon ab, weiterzumachen!“ 

Magdalena Meister, seine Klassenlehrerin in der dritten Klasse, die ihn auch in Religion unterrichtete, erzählt, dass sie den Schüler Bertram schon damals immer den „kleinen Professor“ nannten. „Sein Wissensdurst war immens, er saugte alles auf, wie ein Schwamm. Und auf seine spitzbübische und charmante Art zerpflückte er in diesem Alter schon so manche Bibelstelle, manche Predigt und manches Hirtenwort. Er war immer sehr gut vorbereitet, fragte lebhaft nach und hinterfragte vieles.“ 

Gegen Ungerechtigkeit

Überhaupt nicht ausstehen konnte er Ungerechtigkeit – ganz besonders seinen Klassenkameraden gegenüber, berichtet Mitschülerin Ingrid Jäger. Sein Gerechtigkeitssinn trieb ihn auf die Barrikaden, und er setzte sich vehement dafür ein, Unrecht aus der Welt zu schaffen. 

Nicht immer und überall war seine Wissbegierde willkommen. Vielleicht hielten ihn manche Menschen für neunmalklug – zu Unrecht. Einmal, erzählt Ingrid Jäger, ging Bertram offensichtlich den größeren Ministranten ein klein wenig auf die Nerven. Schließlich wussten sie sich nicht mehr anders zu helfen, als ihn auf den obersten Schrank in der Sakristei zu setzen. „Ein Bischof schnuppert Höhenluft“, sagt Ingrid Jäger heute zu dieser Begebenheit und lacht. 

Als sie ihm vor Jahren schon einmal prophezeite, er würde eines Tages doch noch Bischof werden, veranlasste dies Bertram Meier nur zu dem trockenen Spruch: „Das kann ich mir nicht vorstellen, dazu bin ich zu klein.“ Heute freut sich die ehemalige Mitschülerin darüber, dass sie mit ihrer Vermutung richtig lag. 

Die Verbindung zu seiner Heimatgemeinde, zu seinen ehemaligen Mitschülern und zu seinen Freunden war und ist dem Priester, Prälaten und nun Bischof immer noch enorm wichtig: Seine Primiz feierte er 1985 in Mariä Himmelfahrt, ebenso sein 30-jähriges Priesterjubiläum. 

Wenn es seine Zeit zulässt, kommt er bis heute nach Kaufering, feiert Gottesdienste und auch besondere Jubi­läen. Er erinnert sich an die Geburtstage seiner Freunde und Bekannten und nimmt Anteil an ihrem Leben. So motivierte er etwa seinen Schulfreund Alois Jäger, Neues zu beginnen und die Meisterschule zu besuchen. „Du schaffst das“, bestärkte er ihn.

„Einer von uns“

Immer wieder betonen seine ehemalige Lehrerin, seine früheren Mitschüler und Pfarrer Helmut Friedl: „Er ist einer von uns, bodenständig, motivierend und mitreißend. Er kann überzeugen, aber nicht auf schulmeisterliche Art, sondern immer mit stichhaltigen Argumenten, liebenswert und charmant.“

Gabriele Rabl

06.06.2020 - Bischöfe , Bistum , Bistum Augsburg