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Beschlüsse der Diözesansynode

Der Bischof macht ernst

AUGSBURG (jm) – Seit Montag steht fest, dass Corona auch Gutes bewirken kann. Ohne die nötige Verschiebung wäre die Chrisammesse kurz vor Ostern wohl viel weniger beachtet worden. Nun wurde der neu angesetzte Termin zur Grundsatz­erklärung von Bischof Bertram. Frisch aus dem Urlaub und vom Besuch bei Papst Franziskus zurückgekommen, machte er vor seinen Priestern und Diakonen gewaltig Tempo.

Sogar den Maria-Theresia-Orden, mit dem die Habsburger Kaiserin einst Offiziere auszeichnete, die sich mutig und schlachtentscheidend über Befehle hinwegsetzten, brachte der Bischof ins Spiel. Der Orden sei „Zeichen dafür, dass eindeutige Direktiven in der Hitze des Gefechts obsolet werden können und es Entscheidungen in Echtzeit braucht“. 

Vom Schlachtfeld zur Diözese: Nicht nur, aber auch angesichts der Corona-Krise sieht der Bischof großen Handlungsbedarf und zwei Haupt-Prio­ritäten. Erstens: „Die Zeit ist mehr wert als der Raum“, zitierte er aus dem Papst-Schreiben „Evangelii gaudium“. Nicht auf das Gebäude, sondern auf die Qualität der darin verbrachten Zeit komme es an – auch bei kirchlichen Räumen. „Wir müssen sie füllen, damit sie gastfreundlich werden, heilsam, tröstlich und vor allem geistlich.“ 

Dringend bat der Bischof die Priester, nicht immobil, sondern mobil zu sein. „Macht Eure Räume auf mit Zeit für die Menschen!“ Gerade in der Corona-Krise warteten die Menschen darauf, „dass wir ihnen unsere Zeit schenken. Verschenkte Zeit ist verschenkte Liebe“.

Zweites zentrales Anliegen war dem Bischof die Verbindung von Wort Gottes und Sakrament, besonders auch am Sonntag: „Ihn jeden Sonntag gebührend zu feiern, das ist mein Anliegen! Wir wollen Jesus Christus hochleben lassen. Sein Lob soll nicht verstummen.“

Es sei „keineswegs ein Schritt zur Protestantisierung der katholischen Kirche“, wenn Wort und Sakrament gleichwertig gesehen werden, sagte der Bischof. Bereits vor 30 Jahren habe die Diözesansynode beschlossen, zur Heiligung des Sonntags dort, wo wegen des Priestermangels keine Eucharistiefeier möglich ist, Wortgottesdienste anzubieten, damit Pfarrgemeinde und Dorf liturgisch und pastoral nicht ausbluten. Die Beschlüsse seien 30 Jahre alt und „die Zeit ist reif, sie endlich umzusetzen“.

Ohne dies ausdrücklich anzusprechen, schlägt Bischof Bertram damit einen bewusst konträren Kurs zu seinem Vorgänger ein. Er bat alle Mitarbeiter und diözesanen Gremien, sich Gedanken zu machen und Vorschläge einzubringen, um gemeinsam in die Zukunft zu gehen. 

Bei der Chrisammesse werden die heiligen Öle geweiht, die das Kirchenjahr über im Gebrauch sind, etwa bei der Taufe, Krankensalbung oder Priesterweihe. Außerdem erneuern die Priester das Versprechen, das sie dem Bischof bei der Weihe gegeben haben. Normalerweise wird die Chrisammesse in der Woche vor Ostern gefeiert, was dieses Jahr wegen Corona aber nicht möglich war. 

15.09.2020 - Bistum Augsburg , Seelsorge