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Dreihostienfest 2021 in Andechs

Bischof Bertram: Kirche ist „lebensrelevant“

ANDECHS – Ein prachtvoller Bilderbuch-Sonntag, kein Wölkchen am Himmel, erwartungvolle Stimmung, sonores Kirchengeläut: Das bildete den rechten Hintergrund zum diesjährigen Dreihostienfest, bei dem Bischof Bertram Meier die Festpredigt hielt. 

Das Dreihostienfest ist eng mit der seit 1128 bezeugten Andechser Wallfahrt verknüpft und wird am Tag des alten Kirchweihfests, dem letzten Sonntag im September, begangen. Mit zahlreichen Pilgern aller Altersstufen freute sich der Oberhirte, dass aufgrund des milden Herbstwetters dieses bedeutende Fest vor der Wallfahrtskirche abgehalten werden konnte. Abt Johannes Eckert hieß den Gast mit herzlichen Worten willkommen. 

Wer die Festpredigt sitzend hören wollte, musste sich um seine Sitzgelegenheit selbst kümmern und diese sodann auf der Wiese vor dem großen Kreuz platzieren. Festlich gestimmt waren die Bläser und die zahlreichen Fahnenabordnungen, die stehend der Messe unweit des eigens für dieses Fest aufgerichteten Altars beiwohnten. 

Bischof Bertram, ein gern gesehener Gast auf dem Heiligen Berg, hatte für diese sogleich eine Begebenheit aus seinem Leben parat: „Als ich 1985 in Kaufering meine Primiz feierte, durfte ich ein eigenes Fahnenband befestigen, das inzwischen 36 Jahre überdauert hat. Bei gewissen Anlässen sehe ich es dann immer wieder.“ Er nannte die Fahnenabordnungen, denen er fürs Mitfeiern dankte, eine Klammer zwischen der Kommune und der Kirche.

In Kontakt geblieben

Für die Wallfahrer hatte Bertram Meier einen Imperativ aus dem Buch Deuteronomium (8,10) ausgesucht: „Vergiss den Herrn, deinen Gott, nicht!“ Es sei damals eine Mahnung und gleichermaßen eine Forderung an das Volk Israel gewesen und sei es bis heute geblieben. Wie sich herausgestellt habe, so der Bischof zufrieden, sei der Kontakt zu Gott, selbst in Zeiten, als coronabedingt keine öffentlichen Gottesdienste möglich waren, bei vielen nicht abgebrochen. „Wir haben unsere Familie, so sagen einige, unseren Konvent, unser Miteinander wieder mehr als geistliche Gemeinschaft entdeckt und sogar Hauskirche praktiziert.“

Andere hingegen, sogar altgediente Kirchenleute, beklagten, „dass in unser Gesellschaft, vor allem in der abendländischen Kultur, die Gottvergessenheit um sich greift“. Im Fortgang seiner Predigt fragte sich Bischof Bertram, ob die Kirche in der heutigen Zeit noch systemrelevant sei? Seine Antwort lautete: „Ja, sie ist nicht nur das, sondern durchaus lebensrelevant.“ Deshalb forderte er die Gläubigen dazu auf, einen ehrlichen Kassensturz zu machen und „ihren Herrn, ihren Gott, dabei nicht zu vergessen“. Dass die Kirche die Weite sucht und nicht als Schmalspurkirche verharrt, ist des Bischofs inniger Wunsch.

Die Kirche dürfe nicht fahnenflüchtig werden, wenn Probleme und Streitigkeiten auftauchten, sondern müsse nach dem Psalmwort handeln: „Du führst mich hinaus ins Weite.“ 

Wegen der immer noch grassierenden Pandemie musste die sonst übliche Prozession heuer ausfallen, was von vielen Pilgern zutiefst bedauert wurde. Der Bischof rief dazu auf, keine Angst vor Veränderungen zu haben und auf den Heiligen Geist und dessen Phantasie zu vertrauen. „Jesus will keinen sauertöpfischen Verein, sondern eine lebendige und liebenswerte Gemeinschaft mit Esprit“, erklärte der Bischof.

Am Ende der Messe segnete Abt Johannes die Gläubigen mit der prächtigen Dreihostien-Monstranz aus dem Jahr 1435. Auf Vermittlung der Andechs-Meranier waren die drei Hostien im zwölften Jahrhundert aus Rom auf die Andechser Burg gekommen. Nach der Zerstörung der Burg um 1248 galt sie rund 140 Jahre als verschollen. Ihre Wiederauffindung 1388 erregte großes Aufsehen und belebte die Andechser Wallfahrt neu. Renate Reitzig

Information

Die ganze Predigt ist auf der Homepage www.katholische-sonntagszeitung unter dem Stichwort „Dokumentation“ nachzulesen. 

30.09.2021 - Gottesdienst