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Bischof Bonnemain predigte beim Großen Gebetstag in Marienfried

„Garantin für den Frieden“

MARIENFRIED – Zu einem würdevollen Prozessionsmarsch der Blaskapelle Beuren zogen die Zelebranten und einige Teilnehmer des Hauptgottesdienstes beim Großen Gebetstag in Marienfried (Kreis Neu-Ulm) vor den Freialtar. Vorausgetragen wurde die Madonnenstatue. 

Wallfahrtsdirektor Georg Alois Oblinger begrüßte den Bischof von Chur, Joseph Maria Bonnemain, als Zelebranten und Prediger. Zuvor sprach der Vorsitzende des Trägervereins, Wilhelm Haaga, ein Grußwort: „Wir beten heute stellvertretend für alle, die meinen, dass sie Gott nicht mehr brauchen und für die Politiker, die meinen, dass sie durch ihre Gesetze Gott abschaffen können.“ 

Der Bischof schlug eine Brücke zwischen der ersten Lesung aus dem Buch Zefanja („Juble Jerusalem!“) und dem Tagesevangelium nach Johannes mit der Mutter Jesu unter dem Kreuz. Bei Zefanja war viel von der Liebe Gottes die Rede. In dieser Liebe gebe es keine auf- und abflauenden Bewegungen, sie sei konstant, immer unverbraucht und frisch, sagte der Bischof. 

Auch das Leben Mariens sei von einer konstanten Liebe geprägt gewesen, zu ihrem Sohn und zu Gott, obwohl das nicht immer einfach war. Um das zu illustrieren, erinnerte Bonnemain an verschiedene Stationen der Biografie der Gottesmutter: Schon die Geburt Jesu in Bethlehem fand unter ungünstigen Umständen statt. Als er zwölf Jahre alt war, suchte sie ihn verzweifelt in Jerusalem. Im dortigen Tempel gab er ihr Worte auf den Weg, die nicht leicht zu verdauen waren.

Aber sie bewahrte diese Worte in ihrem Herzen. Das wiederholte sich später, als Jesus Personen als seine Familie bezeichnete, die nicht seine leiblichen Angehörigen waren. Und schließlich blieb sie bei ihrem Sohn bis zum Tod am Kreuz. Sie harrte so lange unter dem Kreuz aus, bis auch die beiden Männer getötet wurden, die neben ihrem Sohn gekreuzigt worden waren.

Paradies versprochen

Dadurch sei sie zu einer Garantin des Friedens geworden, sagte Bischof Bonnemain – zunächst für den guten Schächer, dem Jesus das Paradies versprochen hatte. Denn der, der ihm das versprochen hatte, war ja jetzt tot. Es sei sogar denkbar, dass sie darauf hoffte, dass Gott auch den linken Schächer zu sich nimmt. 

Bei den Fürbitten, vorgetragen von Markus Wieland, wurde um die Stärkung aller Friedensbemühungen weltweit gebetet sowie um Hilfe für diejenigen, die durch den Krieg in der Ukraine in Not geraten sind.

Bei Marienliedern und Teilen der deutschen Messe von Franz Schubert sangen die Gottesdienstbesucher kräftig mit. Begleitet wurden sie dabei von der Musikkapelle Beuren unter der Leitung von Franziska Span sowie der Organistin Marianne Jehle.

Nachdem der Gastprediger den Gottesdienstbesuchern den bischöflichen Segen erteilt hatte, verabschiedete er sich von ihnen mit einer Bitte: „Wenn Sie gelegentlich für mich beten, wäre ich sehr dankbar. Ein Brückenbauer braucht viele lebendige Bausteine.“

Das Programm des großen Gebetstags begann am Vorabend und setzte sich bis Sonntagabend fort. Dazu gehörten eine Lichterprozession, die ewige Anbetung, verschiedene Andachten und Predigten, ein Lobpreis sowie Messen in „usus antiquor“, also nach vorkonziliarem Ritus.

Martin Gah

24.07.2022 - Bistum Augsburg