Bischof als Nudelmacher (Donnerstag, 17. Januar 2019 16:27:00) / Bistum Augsburg / Katholische Sonntagszeitung

Ein Bischof als Nudelmacher

Der Oberhirte von Makurdi arbeitete in der Nudelmanufaktur von Gerhard Feigl

KARLSHULD – Seine erste, noch mechanische Nudelmaschine hatte Gerhard Feigl zu Weihnachten geschenkt bekommen, seine zweite elektrische Nudelmaschine hat er im September von Aichach aus auf große Reise nach Makurdi im Bundesstaat Benue im mittleren Gürtel von Nigeria geschickt. Allerdings steht der Container immer noch hier, teilt Fundraiser Ulrich Schwarzenberger vom Caritasverband Augsburg mit, der seither mit der nigerianischen Bürokratie kämpft. 

Wann der Container mit Krankenhauswäsche und Geräten ankommen wird, darüber will er nicht spekulieren. Auf jeden Fall wird die Nudelmaschine schon sehnsüchtig von Bischof Wilfred Anagbe erwartet. Dieser war im Frühjahr in Karlshuld zu Besuch und mehrmals mit Pfarrgemeinderatsmitglied Feigl unterwegs war, wenn Pfarrer Paul Igbo als Seelsorger gefordert war. Während der Ausflug auf die Zugspitze für den nicht schwindelfreien Bischof nicht unbedingt der Renner war – wovon der ehrenamtliche Reiseleiter aber erst später erfuhr –, konnte er sich von Feigls Nudelmanufaktur kaum losreißen. „Der Bischof wollte gar nicht mitgehen, als Pfarrer Paul kam, um ihn abzuholen“, erzählt der Karlshulder. 

Das Interesse von Bischof Wilfred hat einen ernsten Hintergrund. Er betreibt in der Diözese Makurdi neben Fischerei und Landwirtschaft mit 300 Hektar Fläche, Hühnern, Rindern, Reis- und Gemüseanbau auch eine Näherei. Sie beliefert seine Schulen und Kindergärten und seine sechs Krankenhäuser mit Wäsche und Uniformen, stellt aber auch Alltagskleidung her. In Zukunft soll es auch noch eine Nudelmanufaktur geben. Für den Bischof ist das eine ausgezeichnete Möglichkeit, die Eier seiner 1000 Hühner zu verwerten.

„Nudeln machen heißt, Eier haltbar machen und ihnen noch mehr Nährwert zuzuführen“, sagt Feigl, der seit letztem Jahr aus seinem Hobby einen kleinen Nebenerwerb gemacht hat. Etwa einmal im Monat stellt er sich in den Keller, wo er einen von der Lebensmittelkontrolle abgenommenen, neun Quadratmeter großen Raum eingerichtet hat. Dort produziert er jeweils circa 45 Kilogramm Nudeln. Und zwar in rund 20 verschiedenen Sorten von Suppennudeln über Spaghetti, Bandnudeln, Spirelli und Rigatoni, bis zu Muscheln, von Dinkel- über Dinkelvollkorn- bis hin zu grünen Spinatnudeln. Einen ganzen Tag lang hat Bischof Wilfred mitproduziert und ließ sich in alle Geheimnisse einführen.

„Nudeln machen hat mit Tüfteln und Technik zu tun“, sagt der Bauingenieur Feigl, der hauptberuflich als Kalkulator bei einer Ausbaufirma arbeitet. Mit der Maschine allein sei es nicht getan. Diverse Zusatzteile hat Feigl sich eigens anfertigen lassen und seine Abläufe optimier. Natürlich gehört auch eine gewisse Erfahrung dazu, bis die Rezepte so weiterentwickelt sind, dass der optimale Teig entsteht. Ist er beispielsweise zu trocken, sind die Nudeln nicht schön ausgeformt, werden brüchig und reißen. 

Nudeln aus Yam-Mehl

Feigl sieht es den ersten Nudeln, die aus der Maschine kommen an, ob sie gut geworden sind. Haben sie eine raue Oberfläche, fügt er vorsichtig Wasser hinzu. Auch der Bischof wird eigene Erfahrungen sammeln müssen, denn er will versuchen, Nudeln aus heimischem Yam-Mehl herzustellen und die Eier seiner eigenen Hühner verwenden. Feigl arbeitet dagegen mit pasteurisiertem Vollei, wie ihm die Lebensmittelkontrolle geraten hat, da er für Frischei zusätzliche Auflagen und Zertifizierungen auf sich nehmen müsste. Die werden Anagbe in Nigeria wohl erspart bleiben. Nach seinem Arbeitstag in der Nudelmanufaktur bat der Bischof Feigl, ihm auf Kosten der Diözese dieselbe Maschine zu besorgen. Im Sommer baute der Bischof bereits den Raum dafür und Feigl entschloss sich, Bischof Wilfred seine eigene Maschine zu schenken und sich selbst eine neue zu kaufen. 

„Ich freue mich, damit Arbeitsplätze zu schaffen und zur Selbstversorgung der Menschen beizutragen“, erklärt er. Diese Maschine soll erst der Auftakt sein. Wenn es gut läuft, sei es durchaus denkbar, dass weitere Maschinen folgen werden und der Bischof sich eine richtige Manufaktur aufbaut. Seine Mitarbeiter wird Bischof Anagbe höchstpersönlich einarbeiten, schließlich hat er das Nudelmachen in Karlshuld gelernt. Andrea Hammerl

17.01.2019 - Afrika , Bistum Augsburg