Anzeige

Bistum Augsburg beim Umweltschutz

Keine Angst vor Neuem

Wer wohl bekannter ist? Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg oder Papst Franziskus? Jedenfalls machen sich beide vehement für den Schutz der Schöpfung stark,  so dass auch in der Kirche niemanden das Klima kalt lassen kann. Das gilt nicht nur weltweit, sondern auch für die einzelnen Diözesen. Die Katholische SonntagsZeitung fragte bei Finanzdirektor Jérôme-Oliver Quella nach, wo und wie sich das Bistum Augsburg im Umweltschutz engagiert.  

Herr Finanzdirektor, 2015 hat Papst Franziskus die Umwelt­enzyklika „Laudato si“ vorgestellt. Mittlerweile gibt es in vielen deutschen Großstädten „Fridays for Future“. Hat die Umweltbewegung auch die Diözese Augsburg erreicht?

Die Diözese Augsburg hat dieses Thema lange vor „Fridays for Future“ in Anspruch genommen. Auch partizipiert das Bistum nicht erst in den letzten paar Jahren, sondern schon seit Jahrzehnten an innovativen Lösungen zum Erhalt der Schöpfung. Bevor ich dieses Amt übernommen habe, war ich kaufmännischer Leiter in einem Solar­unternehmen und habe Großanlagenbau betrieben. Auch in diesem Zusammenhang – das ist nun zehn Jahre her – hat sich das Bistum engagiert und ist immer noch engagiert. 

In der Tat ist das Thema durch „Fridays for Future“ noch einmal präsent geworden und in den Fokus gerückt, wie wir es der heutigen Generation wünschen. Für die Diözese selbst war das keine Initialzündung. Vielleicht geht man jetzt noch strukturierter an die Fragestellung heran, auch um zu sehen: Wie gut sind wir denn wirklich? Derzeit bin ich voller Hoffnung, dass wir uns hier sehr gut positionieren.

Zahlreiche Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften in der Diözese renovieren jedes Jahr viele Pfarrhäuser, Gemeindezentren und Kirchen. Inwieweit wird da auf Klimaneutralität, Energieeinsparung und Wärmedämmung geachtet?  

Dass man klimaoptimiert baut, ist allein schon dem gesetzlichen Prozess geschuldet. Die zitierten Bautätigkeiten, alles was nicht sak­ral ist, werden im Wesentlichen über unser Sankt-Ulrichs-Werk gesteuert. Dort bin ich ja bekanntlich auch als Gesellschafter, nämlich des Bischöflichen Stuhls, vertreten. Einer unserer Gesellschaftsaufträge an das Sankt-Ulrichs-Werk lautet im weitesten Sinn, möglichst nachhaltig, energieeffizient und vor allem barrierefrei zu bauen. 

Bezüglich der Energieverordnungen sind wir immer auf dem neuesten Stand. In der Selbstverpflichtung gehen wir sogar noch einen Schritt weiter und nehmen auch solche Verordnungen, die erst noch auf uns zukommen, entsprechend in die Bauprojekte auf.

Vor 20 Jahren wurden Solarzellen auf Kirchendächern aus ästhetischen und theologischen Gründen abgelehnt. Mittlerweile liest man öfter, dass Kirchendächer zur Stromgewinnung herangezogen werden sollen. Inwiefern hat hier ein Umdenken eingesetzt?

Hier hat sich im Rahmen der Klimadiskussion eine größere Öffnung ergeben. Das heißt aber nicht, dass die damaligen Kriterien wie Ästhetik oder Verträglichkeit mit dem Kirchengebäude als geweihtem Ort unterschiedlich gesehen werden. Vielmehr hat man die Grenze neu definiert und nun heißt es: Welches kirchliche Gebäude verträgt ein Solardach? 

Wir reden ja oftmals nicht nur über die Kirche als solche, also das Hauptschiff mit den hohen Dächern, sondern wir haben oftmals noch die Immobilien links und rechts daneben. Das ist früher als ein Ensemble verstanden worden. Hier ist man in Bewegung gekommen und sieht durchaus die Möglichkeit, stärker in den regenerativen Bereich einzutreten. Oftmals mit dem Gedanken, die Eigenversorgung zu erhöhen und so auch eine größere Unabhängigkeit zu erzielen. 

Man darf auch nicht vergessen: Das alles hat vor 20 Jahren angefangen, als die Technologie weniger effizient war. Da war der Flächenverbrauch viel größer und letztendlich wurde auch die Optik oft erheblich beschädigt. Heute ist man im solaren Bereich leistungsfähiger. Dadurch ist die optische Beeinträchtigung wesentlich geringer. Zudem gibt es natürlich auch eine Vielzahl von neuen Produkten wie zum Beispiel Folien. Wir scheuen uns nicht, Neues auszuprobieren.

Gibt es im Fuhrpark für den Bischof und die Weihbischöfe schon Fahrzeuge mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb?

In der Tat! Das Bistum Augsburg ist schon immer sehr innovationsfreudig. Wir haben seit mehreren Jahren ein Elektrofahrzeug in unserem Fuhrpark, der im Haus Sankt Ulrich untergebracht ist. Weihbischof Losinger hat vor kurzem ein Hybridfahrzeug erhalten. Selbstverständlich ist die Elektrifizierung auch für uns ein Thema. Besonders in der Stadt sind Elektrofahrzeuge eine gute Alternative. Die Diskussionen gehen bei uns in die Richtung, dass die Elektrifizierung eine Übergangstechnologie darstellt, nachdem die Verbrenner, obwohl sie eine an sich hocheffiziente Energiegewinnung ermöglichen, vielfach verteufelt wurden. 

Aus dem gleichen Grund sind wir dabei, grünes Gas der Stadtwerke Augsburg zu verwenden: Wir haben hierfür zwei Fahrzeuge in unserem Fuhrpark. Wir wollen herausbekommen, wie weit man damit kommt. 

Bei allen Vorteilen der Elektrifizierung gilt: Man muss auch die Ladebuchsen haben! Und die werden in der Stadt langsam knapp. Gut, dass unsere Kollegen im Fuhrpark sehr autoaffin sind und offen für mögliche Antriebsformen. 

Der Diözesanadministrator und künftige Bischof Bertram Meier hat Ende 2019 angekündigt, dass ein Umweltmanager angestellt werden soll. Was wird er für eine Aufgabe haben, und wie sieht das Zusammenspiel mit der Umweltbeauftragten aus?

Die Umweltbeauftragte ist ja vor einigen Jahren etabliert worden, weil es für die Diözese selbstverständlich war, für Umweltfragen nicht nur Ansprechpartner zu haben, sondern auch eine zentrale Station, um die Informationen zu sammeln. Zum Beispiel: Wie viele Solaranlagen haben wir? Welche Möglichkeiten der Förderung bestehen? Wie sieht es mit der Ästhetik aus? 

Nichtsdestotrotz sind wir offen für neue Entwicklungen. Beispielsweise beim Thema Klimaschutz, das sehr en vogue ist und wo es durch die Vorgaben für 2020 oder 2050 auch entsprechende Programme der Bundes- und Landesregierung gibt, um die nötigen Anreize zu schaffen. Dem wollen wir uns nicht verschließen, ganz im Gegenteil. Der Klimamanager ist in der Funktion eines Projektmanagers zu sehen. 

Das bedeutet, er zieht interdiszi­plinär in verschiedenen Hauptabteilungen die Fäden – etwa durch die Entwicklung eines sogenannten Klimaschutzkonzepts. Das ist ein langfristiger Plan, um den derzeitigen Kohlendioxid-Verbrauch zu reduzieren und die langfristigen Ziele zu erreichen. Zum einen aus einer Vorbildfunktion für die Gesellschaft, zum anderen aus dem Selbstanspruch und Selbstverständnis heraus, dass die Schöpfung erhalten werden soll. 

Dieses Klimaschutzkonzept beginnt mit einer Inventur – Wo sind die großen Energiefresser? – und der anschließenden Optimierung der CO2-Bilanz. In einem Bistum wie dem unseren, das nicht nur flächenmäßig groß, sondern auch durch extrem viele Immobilien geprägt ist, haben wir klassisch drei Themen, die in den Fokus geraten. Zwei haben Sie schon genannt, den Gebäudesektor und die Mobilität.  

Und das dritte Thema?

Es fällt in den Bereich der Beschaffung – wir nützen beispielsweise schon seit Jahren grünen Strom – und führt über in den Digitalisierungsprozess, den wir im Bistum gerade durchmachen. Wir wollen möglichst wenig Papier nutzen. Und damit haben wir einen doppelten Effekt: Es müssen keine Bäume gefällt werden, um das Papier herzustellen, das dann wiederum teuer an unsere Standorte geliefert und dort bedruckt, abgelegt oder sogar vernichtet wird. Der Papierverbrauch soll deutlich reduziert werden. 

Sie sehen das auch an meinem Arbeitsplatz, ich arbeite immer mit zwei Bildschirmen: Der eine dient zum Betrachten der digitalen PDFs. Der andere ist dazu da, um klassisch wie auf einer Schreibmaschine zu arbeiten. Das ist die Arbeitswelt von heute. Die jüngere Generation ist dafür schon geschult und die älteren Kollegen erkennen auf die Dauer mit entsprechender Motivation auch, dass es das einfachere Arbeiten darstellt. 

Weil jeder so seine eigene Ablage hat, muss man im Digitalisierungsprozess viel suchen. Eine Standardisierung würde in Zukunft den Zugriff für jeden erleichtern. Dann verbrauchen wir auch in dieser Hinsicht weniger Energie. 

Der Klimaschutzmanager stellt hier die große Klammer dar, die langfristig funktionieren muss, denn es handelt sich um ein langfristiges Projekt und ein langfristiges Konzept der Kohlendioxid-Reduzierung. Meines Wissens kommt die Stelle jetzt zur Ausschreibung. Ich bin mal gespannt, wer sich darauf bewirbt – da wird vieles abverlangt: Knowhow im Umweltmanagement und im Projektmanagement. Wir holen damit Erfahrungen ins Haus, die auch für andere Dinge nicht von Nachteil sein werden. 

2021 legen erstmals Sie den neuen Doppelhaushalt des Bistums vor. Wie wird sich das Umweltengagement in den verschiedenen Posten spiegeln?

Der eine Teil ist ja schon, dass die Hauptabteilung „Wirtschaftliche Angelegenheiten, Recht und Bauwesen“ an den Hafnerberg umzieht und wir deutlich weniger Papier verwenden wollen. Das Haus selber ist ein extrem modernes Gebäude, obwohl wir es mit Altsubstanz zu tun hatten. Energetisch wurde hier am Optimum gearbeitet, und das wird auch zertifiziert. Darauf sind wir sehr stolz. Das betrifft die Heizungs-, Licht- und Klimatechnik sowie die Umluft. 

Auch stellen wir uns die Frage, wie wir den Kohlendioxid-Fußabdruck, den wir auch in den nächsten Jahren hinterlassen, kompensieren können. Wir spielen gerade mit dem Gedanken, uns sozusagen eine Selbstverpflichtung aufzuerlegen: das Ziel zu erreichen oder eventuell auch einen gewissen Schmerz zu erleiden, wenn wir es nicht schaffen. 

Wir wollen natürlich vermeiden, zur Kompensation von Kohlendioxid Kirchensteuer-Mittel einzusetzen, das ist nicht Sinn und Zweck. Dieses Bistum hat zum Beispiel einen Waldbestand von 4000 Hektar. Erträge daraus könnten wir für Kompensationszahlungen unseres Verbrauchs verwenden. Wir wollen uns nicht 2050 als Ziel der Kohlendioxid-Neutralität auf die Agenda schreiben, sondern einen deutlich früheren Zeitpunkt. Die Diözese Augsburg hat hierzu sehr gute Rahmenbedingungen.

Auch ein Finanzdirektor darf mal Urlaub machen. Welche Rolle spielt für Sie dabei das Klima?  

Meine Frau und ich fahren gerne nach Italien. Wenn wir in den Süden fahren, dann auf jeden Fall mit dem Auto. Am Urlaubsort verzichten wir, soweit dies möglich ist, auf Einwegflaschen und -tüten. Geht es aber in den Norden, also wenn ich zum Beispiel meine Mutter besuche, bin ich Bahn-Fan. 

Sobald ich so im innerdeutschen Bereich auf Geschäftsreisen unterwegs bin, versuche ich, möglichst viel mit dem Zug zu fahren. Nicht nur, weil es die bequemste Reise-Form ist, wenn man nicht oft umsteigen muss. Man ist im Trockenen und man kann die Zeit effektiver nutzen. Mit dem Auto durch Deutschland zu fahren ist mittlerweile fast absurd, weil der Verkehr so dicht ist und man viel Zeit verschwendet. Wenn wir einen Städteurlaub machen, dann parken wir am Stadtrand und nutzen den Nahverkehr.

Interview: Gerhard Buck, Johannes Müller

11.03.2020 - Bistum Augsburg , Klimawandel