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Bruder Martin betreibt Landwirtschaft der Herz-Jesu-Missionare

Alles streng biologisch

HOHENWART – Religion, Politik, Weltanschauungen – dafür hat sich Bruder Martin Wembacher schon immer interessiert. Seine Leidenschaft aber gehört der Landwirtschaft. Als Herz-Jesu-Missionar hat er im Klostergut der Oase Steinerskirchen in Hohenwart (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) seinen Platz und seine Berufung gefunden. 

Der 60-Jährige ist für die Landwirtschaft der Oase Steinerskirchen mit rund 20 Färsen und 40 Hektar Ackerbau zuständig, alles streng biologisch nach Bioland-Standard. Die Herz-Jesu-Missionare entschieden sich für Bioland, weil deren Gründer Hans Müller ein christlicher Mensch war. 

Ackerbau betreibt Bruder Martin in sechsgliedriger Fruchtfolge, beginnend mit zweimal Kleegras, um Unkraut zu bekämpfen und Humus zu mehren. Im dritten Jahr wird Dinkel oder Weizen angebaut, anschließend Hafer oder Buchweizen, je nach Bodenbeschaffenheit. Im fünften Jahr wachsen Ackerbohnen oder Erbsen. Der Zyklus endet mit Roggenanbau. 

„Mais baue ich überhaupt nicht an, weil er sehr viel Stickstoff braucht“, sagt Bruder Martin. „Den müsste ich also direkt nach Kleegras anbauen. Aber diese Flächen brauche ich für Weizen und Dinkel für den Bäcker, der uns mit Backwaren versorgt.“ Es gibt sogar ein eigenes Klosterbrot in der Reichertshofener Bäckerei, für das nur Steinerskirchener Weizen und Roggen verwendet wird. 

Eine ähnliche Kooperation unterhält der Orden mit einem Metzger. „Geschäft und Gegengeschäft“, nennt das Bruder Martin, der die Oasen-Landwirtschaft seit 1998 weitgehend allein betreibt – von Erntehelfern mal abgesehen. Ein externer Forstbetrieb bewirtschaftet die 67 Hektar Wald der Oase. 

Bruder Martin stammt aus der Landwirtschaft. Er wuchs in der Gemeinde Tittmoning im Landkreis Traunstein auf, absolvierte von 1973 bis 1976 eine Landwirtschaftslehre und sollte den elterlichen Hof übernehmen. „Aber ich wusste, dass Familie nichts für mich ist“, erzählt er. Er überließ den Hof seinem jüngeren Bruder, ging seinen eigenen Weg und schaute sich verschiedene Orden an. 

Bei den Salesianern in Waldkraiburg gefiel es ihm gut. Eineinhalb Jahre lebte er dort, dann ging er mit 35 Jahren ins Noviziat. Schwerpunkt seiner Arbeit für die Salesianer war jedoch die Jugenderziehung. „Ich habe gemerkt, dass ich zurück in die Landwirtschaft muss“, erinnert er sich. 

Er erkundigte sich nach Alternativen und wurde auf die Herz-Jesu-Missionare aufmerksam, die zwei Landwirtschaftsbetriebe führen. Zunächst sah sich Bruder Martin deren Betrieb in Hallbergmoos an, doch die konventionelle Landwirtschaft dort sagte ihm nicht zu. Dann erfuhr er, es gebe auch noch eine biologische Landwirtschaft der Herz-Jesu-Missionare. Dort bot ihm der damalige Superior Manfred Laschinger ein Praktikum an. Es gefiel Bruder Martin, und er ging ins Noviziat nach Stuttgart.

Schon in der Heimat hatte er Kontakt zu einem Bio-Landwirt. Seine Eltern betrieben noch Anbindehaltung. Eines Tages schaute ein Urlauber in den Stall und sagte: „Ich möchte nicht mein Leben lang angekettet sein.“ Das ließ Bruder Martin nicht mehr los. „Ich kam immer mehr zu der Überzeugung, dass die Bioland-Wirtschaft die nachhaltigste Form der Landwirtschaft ist und zugleich die tiergerechteste.“

Natürlich sei die ökologische Landwirtschaft weniger ertragssicher, das Risiko von Missernten höher, das Getreide müsse besser gereinigt und stärker getrocknet werden. „Aber wir haben alles im Griff“, sagt Bruder Martin. Obwohl in der Oase „gar nichts wachsen dürfte, weil wir nicht düngen“, jedenfalls wenn es nach dem ginge, was er einst in der Landwirtschaftsschule lernte.

Extensive Mast

Die Herz-Jesu-Missionare betreiben eine extensive Färsenmast mit bis zu 20 Tieren. Die Jungrinder bekommen alles, „was nicht ackerfähig ist“, sie weiden also auf den Wiesen in Hanglage rund um die Oase. Zwei bis drei Färsen werden jährlich für den Eigenbedarf benötigt. „Alles, was bei uns an Rindfleisch auf den Tisch kommt, ist aus eigener Produktion“, erklärt Bruder Martin stolz. 

Die übrigen Tiere werden an einen Bio-Metzger verkauft. Neben den Rindern gibt es noch drei Oasen-Katzen, die als Mäusepolizei dienen. Die schwarze Katze hat einen Hang zur Kirche, darf aber natürlich nicht hinein. Was sie jedoch nicht davon abhielt, einen Gottesdienst mit Pater Norbert Becker zu stören und ihm während der Gabenbereitung eine Maus zu bringen. Ein andermal lugte sie bei einer Hochzeit unter dem Brautkleid hervor.

Fürs Obst ist Bruder Martin nicht zuständig. Um Apfelbäume,
Zwetschgen, Birn- und Kirschbäume kümmert sich Bruder Rupert Laner (85) mit seinen Helfern. Obst wird zum Eigenbedarf angebaut und an Oasengäste verkauft, zum Teil auch gekeltert.

Andrea Hammerl

07.02.2019 - Bistum Augsburg , Orden , Umwelt