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Chor Camerata Vocale erntete Jubel und Bravorufe

Musikalischer Totentanz

LEIPHEIM – Am Volkstrauertag gab der Chor Camerata Vocale aus Günzburg unter der Leitung von Jürgen Rettenmaier in der Kirche St. Paulus in Leipheim ein Konzert mit dem Titel „Gesänge zu Leben und Tod“. 

Einen Vers aus der Offenbarung des Johannes (14,13) vertonte Hugo Distler (1908 bis 1942) in seinem Stück „Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben“. Passend zum Textfragment „Sie ruhen von ihrer Arbeit“ hat dieses Stück eine empfindsame, langsame Melodie mit vielen Fermaten. Eine Alt-Solostimme und der Rest des Chores traten dabei miteinander in Dialog. 

Der halbstündige „Totentanz“ desselben Komponisten ist inspiriert von vielen verschiedenen Formen dieser traditionellen Spielform. Darin bittet der Tod verschiedene Stände (zum Beispiel Kaiser, Bischof, Edelmann), Berufe (zum Beispiel Arzt, Kaufmann, Landsknecht) und Altersstufen (zum Beispiel Jungfrau, Greis und Kind) zum Tanz. 

Er macht keinen Unterschied zwischen Stand und Alter, er holt letztlich alle Seelen zu sich. In seinem Werk verbindet Distler gesprochene Passagen aus einem Lübecker Totentanzspiel von 1463 mit Vertonungen von Sprüchen aus dem „Cherubinischen Wandersmann“ des Angelus Silesius. 

Der fünfte Gesang wechselt zwischen pastos und einem stampfenden Tanzrhythmus, ähnlich wie ein Kasatschok. Der Gesang vom Landsknecht hat viele Taktwechsel. Bei diesem Stück waren die Sänger und Sängerinnen auch als Sprecher tätig. In eindringlichen Reimen trafen mit dem Schicksal hadernde Menschen auf einen Tod, der sich zwischen weisheitlich, bedrohlich und fröhlich bewegte. 

Nach diesem Stück wechselten die Sänger vom Chorraum auf die Empore, denn es folgten Werke mit Instrumentalbegleitung. Dabei kam die Organistin Iris Werdich ins Spiel. Bei der Motette über den Erzengel Michael von Bengt Ham­braeus (1928 bis 2000) wechselte sie dissonante und konsonante Passagen effektvoll ab.

Beim Requiem von Maurice Duruflé (1902 bis 1986) wurde der Chor begleitet von der Orgel und einem kleinen Orchester, bestehend aus einem Streichquartett, einer Trompete und Pauken. In diesem Werk ging es von einem sphärischen Kyrie über in ein majestätisches „Domine Jesu Christe“, dessen letzter Teil zart verschwebte. 

Das Sopran-Solo im Satz „Pie Jesu“ ist gestaltet wie ein Langsamer Walzer in Moll mit großen Tonsprüngen. Dieses übernahm Alexandra Untiedt, die aus dem Landkreis Günzburg stammt und in Köln und Amsterdam Musik studierte. Sie begann mit einem leichten, wohldosierten Vibrato und ließ das Flehen stufenweise dramatisch ansteigen. Wie ein würdevoller Prozessionsmarsch mutete der Satz „Lux Aeternum“ an.

Ein Finale mit eindrucksvollen Tontrauben gestaltet der Chor mit einem Auszug aus den Magnificat-Antiphonen von Arvo Pärt (*1935). Am Ende des Konzerts ernteten alle Musiker großen Applaus, Jubel und Bravorufe.

Martin Gah

20.11.2022 - Bistum Augsburg