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Schwester Mechthild legt die ewige Profess ab

„Das ist mein Leben!“

WETTENHAUSEN – „Berufung ist der Ruf Gottes zu einer bestimmten Lebensweise oder Aufgabe.“ Das sagt eine junge Frau, die an einer wichtigen Station ihrer Berufungsgeschichte angekommen ist und den nächsten Schritt aus voller Überzeugung gehen will: Drei Jahre nach der zeitlichen Profess bei den Dominikanerinnen legt Schwester Mechthild Steiner aus dem Kloster Wettenhausen im Herbst dieses Jahres ihre ewige Profess ab. 

Damit bindet sie sich für immer an den Orden und an den Ort, an dem sie ansässig ist. „Das Kloster Wettenhausen ist ein wunderschönes Kloster. Aber viel wichtiger als das Gebäude ist die Gemeinschaft. Die Mitschwestern sind total nett und liebenswürdig, wir sind füreinander da und haben gerade an unserer Priorin Schwester Amanda einen Riesenschatz“, erzählt sie.

Schwester Mechthild wuchs in der Nähe von Siegen in Nordrhein-Westfalen auf. Der Glaube spielte in ihrem Familienleben eine große Rolle. Gemeinsame Tischgebete sind in ihrer Familie bis heute üblich. In der Kindheit gingen ihre Eltern und Großeltern fast jeden Sonntag mit ihr in den Gottesdienst. 

Dennoch wandte sie sich in der Pubertät von der Kirche ab, fand aber dann durch die Firmung wieder zurück. Im Alter von 17 Jahren spürte sie zum ersten Mal den Ruf zum Ordensleben. Aber damals hatte sie noch Zweifel, ob es lohnenswert sei, sein ganzes Leben für die Kirche einzusetzen. 

Fünf Jahre später verbrachte sie während ihres Mathematik-Studiums ein Auslandssemester in Neuseeland. „Dort erlebte ich Kirche ganz anders als in Deutschland: jung, dynamisch, begeisternd, offen und einfach“, erzählt Schwester Mechthild. Von dieser Begeisterung angesteckt, intensivierte sich Mechthilds Glaubensleben.

Doch zunächst schloss sie in Deutschland ihr Studium ab. Denn sie hatte in einem Vortrag von Pater Hans Buob gehört, dass Gott einen in der Regel nicht dazu beruft, eine Ausbildung abzubrechen. 

Nach Abschluss des Studiums im Jahr 2009 suchte Schwester Mechthild nach einem für sie geeigneten Kloster. Sie entschied sich für den Dominikanerorden, da sie in Neuseeland Dominikaner kennengelernt hatte. An deren Spiritualität schätzte sie zwei Pole, nämlich den missionarischen Eifer und die tiefe Verbundenheit mit Gott im Gebet. 

So trat sie im Jahr 2010 in das Dominikanerinnen-Kloster Maria Rosenberg im Bistum Speyer ein. Dieses lag in der Nähe ihres Studienortes Kaiserslautern. Da sie dort nur noch zwei Mitschwestern hatte, entschlossen sich die drei im Jahr 2015, ins Kloster Wettenhausen im Bistum Augsburg zu wechseln.

Dass das Ordensleben das richtige für sie ist, merkt sie bei Familienbesuchen: „Meine ältere Schwester ist verheiratet und hat zwei Kinder, und das ist wirklich schön. Aber ich merke jedes Mal, wenn ich bei ihr bin, dass ich so nicht leben könnte, dass das nicht mein Leben wäre.“

Im Kloster ist sie mit Schwester Lucia zuständig für die „Tage mit Gott“, wo sich Erstkommunionkinder und Firmlinge auf den Empfang der Sakramente vorbereiten. Außerdem unterrichtet sie Mathematik am St. Thomas-Gymnasium, das von ihrem Kloster vor über 60 Jahren gegründet wurde. 

Durch die ewige Profess wird sich an ihren Aufgaben zunächst nichts ändern, meint Schwester Mechthild. Aber ihre Rechte werden zunehmen. Nur Schwestern mit ewiger Profess dürfen die Oberin wählen oder selbst gewählt werden. Auch Novizenmeisterin oder Ökonomin können nur Schwestern sein, die sich auf ewig an den Orden gebunden haben. 

Da sie mit 32 Jahren zur Zeit die jüngste Schwester in Wettenhausen ist, könnten solche Aufgaben in Zukunft auf sie zukommen. „Ich bin bereit, mich solchen Herausforderungen zu stellen. Aber lieber wäre es mir, wenn es bald weitere junge Schwestern gäbe, die diese Ämter irgendwann übernehmen können“, sagt die Ordensfrau.

Martin Gah

01.03.2018 - Bistum Augsburg