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Kreatives Handwerk

Die Patronin als Meisterstück

Kathrin Meyer aus Deiningen (Kreis Donau-Ries) hat die vielseitige Ausbildung zur Kirchenmalermeisterin erfolgreich abgeschlossen. Als Meisterstück fertigte sie eine Figur ihrer Namenspatronin Katharina von Siena. Sie besuchte in München die einzige Schule in Europa, die diesen Abschluss anbietet. Pro Jahr werden dort acht bis zehn Schüler unterrichtet. 

Für Kathrin Meyer stand nach ihrer Ausbildung zur Malerin und Lackiererin fest, dass sie „in Richtung Restaurierung“ gehen möchte. Die 25-Jährige hat eine starke Verbindung zur katholischen Gemeinde in Deiningen. Zusammen mit drei älteren Geschwistern ist sie nur einen Steinwurf von der imposanten Martinskirche entfernt aufgewachsen, war Ministrantin und gestaltete mit ihrer Schwester schon viele Hochzeiten und festliche Anlässe als Sängerin. „Die katholische Kirche fördert seit vielen Jahrhunderten die Kunst“, sagt Kathrin Meyer. Hier sieht sie in Zukunft ihr Tätigkeitsfeld, aber auch bei privaten Bauprojekten. 

Das Jahr in der Meisterschule war sehr intensiv: Fachtechnologie, Kunstgeschichte und sehr viel Praxis mit verschiedenen Materialien standen auf dem Stundenplan. „Interessant ist vor allem, dass man nur Materialien aus den jeweiligen Epochen verwendet“, erklärt Meyer. Sie hat in der Küche ihrer Oma Leim und Farbpigmente gekocht und angemischt. „Ich kann nicht einfach eine Tube Farbe kaufen“, sagt die frischgebackene Meisterin. 

Ein betriebswirtschaftlicher Teil und der Ausbilderschein sowie der Umgang mit Grafik-Software gehörten ebenso zur Ausbildung. Das Meisterstück aber ist die „Katharina“. Zu ihrer Namenspatronin hat sie eine besondere Verbindung, ist sie doch auch die Patronin des Frauenbundes. Dort ist ihre Mutter schon lange aktiv. Außerdem hat Kathrin Meyer wie Katharina von Siena am 25. März Geburtstag.

Die Figur der Heiligen ist rund 50 Zentimeter hoch und zieht den Betrachter wegen ihrer Schlichtheit sofort in den Bann. Im Internet hat Kathrin Meyer eine frühbarocke Natursteinfigur der Katharina entdeckt. Das Original ist eineinhalb Meter hoch und steht als Nischenfigur in der Kirche Santa Maria Della Pace in Rom. Ein Holzbildhauermeister hat nach Fotos einen Korpus aus Lindenholz geschnitzt. Zunächst brachte Kathrin Meyer das Blattgold in mehreren Schichten auf, wobei sich das Gold mit der obersten Schicht einer Erdpigment-Mischung verbindet. 

Das Skapulier, ein in Falten gelegter Überwurf der Ordenstracht Katharinas, glänzt golden, die Haube der Nonne ist in mattem Gold gehalten. In Schichten wurde die Figur dann „gefasst“, wie der Fachausdruck heißt. Verschiedene wäss-

rige und öligere Farbschichten werden dabei übereinander aufgetragen. Der Natur-Beige-Ton ergänzt die Goldtöne optimal. Die Ordenstracht wirkt wie aus Leinen. Details wie der Rosenkranz und die Lilien als Beigaben beeindrucken durch ihre präzise Ausarbeitung. Die Dornenkrone schimmert je nach Lichteinfall rötlich oder grünlich. 

Rund 80 Stunden hat Kathrin Meyer an ihrem Meisterstück gearbeitet. Unter den Augen der Prüfungskommission ging es an die Gestaltung des Gesichts, der Hände und der Augen. „Man muss die Wölbung des Augapfels beachten, damit die Figur nicht schielt“, erklärt sie. 

Einen besonderen Wunsch hat sie, bevor sie als nächstes den Masterabschluss als Restauratorin im Handwerk anstrebt: Sie möchte nach Rom reisen, und „ihre Katharina“ im Original sehen.

Christina Zuber

24.10.2021 - Bistum Augsburg , Kunst