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Diözesanmuseum präsentiert Ausstellung parallel zum 500. Fuggerei-Jubiläum

Die Welt war im Umbruch

AUGSBURG – Vor 500 Jahren wurde die Stiftungsurkunde für die Fuggerei in Augsburg unterzeichnet. Das Jahr 1521, in dem die Sozialsiedlung gegründet wurde, war allerdings nicht nur deshalb bemerkenswert. Es war ein Jahr weltgeschichtlicher Ereignisse. 

Das Diözesanmuseum St. Afra in Augsburg will das Fuggerei-Jubiläum durch eine eigene Ausstellung flankieren. Sie solle zeigen, in welcher historischen Kulisse die Fuggerei entstanden ist, erklärt Museumsleiterin Melanie Thierbach.

Auf vier Themen will sich das Diözesanmuseum mit etwa 150 Exponaten, verteilt auf sämtliche fünf Räume, konzentrieren: Die erste Weltumsegelung, die mit dem Namen des Seefahrers Ferdinand Magellan verbunden ist, die Zerstörung des Aztekenreichs in Mexiko durch den Konquistador Hernan Cortez, die Verhängung der Reichsacht über Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms und seine Übersetzung des Neuen Testaments auf der Wartburg sowie die Eroberung Belgrads durch die Osmanen unter Sultan Süleyman dem Prächtigen.

Diese vier Weltereignisse zeigen laut Thierbach eindrucksvoll, wie sehr die damalige Welt im Umbruch war. Religionsfragen wurden neu gestellt und anders als im Mittelalter beantwortet. Der Handel wurde weltumspannend ausgedehnt und brachte manchem einen bis dahin unvorstellbaren Reichtum. Es kam zu verstärktem Kulturaustausch mit der Neuen Welt und Fernost. All das wurde von der großen Politik – es war die Zeit Kaiser Karls V. – beeinflusst.

Es ist ein Blick über den Augsburger Tellerrand. Wechselwirkungen mit der einstigen Handelsmetropole gibt es aber durchaus. Die Welser ermöglichten mit ihrem Geld dem Königreich Portugal, Expeditionen in die Länder der exotischen Gewürze (Pfeffer, Nelken, Muskat) auszurüsten. Die Fugger versorgten die Welt mit dem damals nur in Europa gewonnenen Kupfer. Luther kritisierte die großen Handelsgesellschaften. Seine Einmischung wurde nur durch die Erfindung des Buchdrucks wirkmächtig. 

Flugschriften wurden nicht nur von der armen Bevölkerung gelesen, sondern auch von den Handelsherren, die sich informierten, wie sicher die Handelswege waren. Die Osmanen bedrohten damals nach Aussage von Thierbach die alten Landrouten. Prinzipiell waren die wertvollen Gewürze schon seit der Antike bekannt und kamen etwa über die Seidenstraße nach Venedig. Die Osmanengefahr war auch dafür verantwortlich, dass das Reich gegen die Reformation erst spät entschieden vorging.

Die Erkenntnis setzte sich durch, dass die Erde rund und nicht flach ist. Die Begegnung der Entdecker mit den indigenen Völkern Südamerikas war anfangs von gegenseitigem Respekt und dem Lernen voneinander geprägt. Ausbeutung und Sklavenhandel kamen erst etwas später auf. Auch das Verhältnis zur islamischen Welt war zwiespältig. So wurden die Osmanen mit europäischen Waffen beliefert. 

Melanie Thierbach will auch verdeutlichen, dass es Luther um eine Reform der katholischen Kirche ging. Es gab zahlreiche Missstände, die er anprangerte. Die Trennung der Konfessionen war eine Nebenwirkung, die das Gesicht Europas und die politischen Verhältnisse wiederum völlig veränderte.

Die Ausstellung soll, wenn die Corona-Lage es zulässt, am 28. August eröffnet werden und bis 28. November dauern.

Andreas Alt