Anzeige

Dominikanerinnen in Wettenhausen haben eine neue Novizin

Den Ruf des Herrn verspürt

WETTENHAUSEN – Ein klassisches Berufungserlebnis gab es bei ihr nicht, sondern es war ein längerer Weg: Schwester Johanna Prestel (29) wuchs mit zwei Brüdern in Regen im Bayerischen Wald auf einem Bauernhof auf. In ihrer Heimatpfarrei St. Michael war sie zunächst Ministrantin, später Oberministrantin, Organistin und Leiterin eines Gebetskreises. 

Was sie einmal beruflich machen wollte, wusste sie sehr früh: „Schon in der ersten Klasse war mir klar, dass ich Lehrerin werden will, und in der siebten Klasse begeisterte mich der Französischunterricht so sehr, dass ich später in Regensburg Lehramt mit den Fächern Französisch, Spanisch und Religionslehre studierte.“ 

Zuletzt war sie als Lehrerin in Waldkraiburg tätig. Während des vergangenen Jahres reifte mehr und mehr der Entschluss, in einen Orden zu gehen, bis sie im September 2021 im Kloster Wettenhausen eintrat. 

Auf dem Weg hin zu diesem Schritt gab es drei entscheidende Momente: Der eine war ein Heilungsgebet bei der Geistlichen Familie vom Heiligen Blut in Aufhausen Anfang des letzten Jahres. Der andere waren Berufungsexerzitien in den Pfingstferien bei den Schulschwestern in Auerbach. 

Auf der Suche nach dem richtigen Ort zog es Schwester Johanna dann ganz schnell und unverhofft nach Wettenhausen. Eine Freundin hatte vom Berufungswochenende für junge Frauen gehört und sie dazu eingeladen. Dort verspürte sie in der Anbetung den Ruf des Herrn. Von der dominikanischen Spiritualität fühlte sie sich sofort angezogen. Und dann wusste sie wieder schnell, was sie wollte: „Am Freitag startete das Wochenende, am Sonntag stand für mich fest, dass ich hier eintreten will.“

Also ging sie zunächst ins Postulat. Dort wuchs sie in das Gebetsleben hinein, lernte die dominikanische Spiritualität besser kennen und vertiefte im Postulatsunterricht ihr Wissen über Glauben, Bibel und Kirche. Ihre praktischen Aufgaben waren daneben breit gefächert. Dazu gehörten der Pfortendienst, Gartenarbeit, Blumenschmuck, Dienste im Haus und die Mitwirkung bei religiösen Veranstaltungen wie Firmlingstagen und Gebetsabenden im Kloster. 

Anfangs sei es ihr nicht so leichtgefallen, sich in eine Gemeinschaft einzufügen. Je mehr sie sich aber einlebte, fand sie den schon ergangenen Ruf bestätigt. So fiel an Weihnachten 2021 die Entscheidung, um Aufnahme in das Noviziat zu bitten. 

Ihr Ordensname Johanna bedeutet „Gott ist gnädig“. Das ist für die Novizin Herausforderung und Ermutigung zugleich. Bei ihren Einzelexerzitien im Februar 2022 im Kloster Heiligkreuztal entwickelte sie durch die dortige Skulptur der Johannesminne eine besondere Liebe zum Evangelisten und Lieblingsjünger Johannes, der nun ihr Namenspatron ist. Ihre Einkleidung war ein großer Fest- und Freudentag für sie selbst, ihre Familie und Freunde und natürlich für ihre Mitschwestern. Von der Gemeinschaft fühlt sie sich reich beschenkt.

Das nächste Berufungstreffen bei den Dominikanerinnen von der heiligen Rosenkranzkönigin in Wettenhausen findet vom 8. bis 10. Juli statt. Eingeladen sind alle junge Frauen, die sich für das Ordensleben interessieren beziehungsweise auf der Suche nach ihrer Berufung sind. Die geistliche Begleitung des Berufungswochenendes liegt bei Jugendseelsorger Pfarrer Daniel Rietzler. 

Martin Gah

29.05.2022 - Bistum Augsburg , Orden