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Fürstenhochzeiten Oettingen (Mittwoch, 30. Mai 2018 12:00:00)

Prinzessinnen-Kleider und Eheverträge

Hochzeiten wie im Märchen

OETTINGEN – Mit viel Pomp und Prominenz haben kürzlich Prinz Harry von Wales und die US-Amerikanerin und ehemalige Schauspielerin Meghan Markle auf Schloss Windsor geheiratet. Auch Erbprinzessin Cleopatra und Erpbrinz Franz-Albrecht zu Oettingen-Spielberg waren als Gäste geladen. 

Fürstenhochzeiten werden von der Öffentlichkeit mit großem Interesse verfolgt. In Oettingen (Kreis Donau-Ries) gab es in den vergangenen Jahren gleich drei davon. Eine Sonderausstellung gewährt dazu private Einblicke. 

Bei einer Führung durch die Ausstellung im Residenzschloss Oettingen sehen Besucher Prinzessinnen-Kleider und riesige Eheverträge. Wenn gleich drei Kinder einer Familie innerhalb von drei Jahren heiraten, dann kann man schon von einem „Boom“ sprechen. So geschehen in Oettingen in der Familie von Albrecht Fürst zu Oettingen-Spielberg: 2014 heiratete seine Tochter Teresa, 2016 der Sohn, Erbprinz Franz Albrecht, und 2017 die Tochter Nora. Gefeiert wurde jeweils im Residenzschloss im kleinen Städtchen an der Wörnitz.  

Das Fürstliche Haus hat die Hochzeiten zum Anlass genommen, einen Blick in die Familiengeschichte und frühere Fürstenhochzeiten zu werfen. In der Sonderausstellung „Fürstenhochzeiten“ in den Räumen des Oettinger Residenzschlosses wird Historisches rund um Hochzeiten aus drei Jahrhunderten gezeigt. 

1689 fand die erste Hochzeit im damals noch neuen Residenzschloss in Oettingen statt. Johanna von Schwendi und Reichsfürst Franz Albrecht feierten ihre Vermählung. Das Paar hatte zusammen 16 Kinder, drei Söhne erreichten das Erwachsenenalter. Auf dem großen Stammbaum erhält der Besucher den Überblick über die Familie. Von dieser ersten „Traumhochzeit“ bis ins Jahr 2017 führt die Ausstellung durch drei Jahrhunderte Familiengeschichte. Mit den Jahren änderte sich vieles: So waren in früheren Jahrhunderten die Ehen selten Liebesheiraten. Vielmehr galt es, den Fortgang der Dynastie zu sichern. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von unter 40 Jahren war das oberste Ziel, möglichst viele Nachkommen zu zeugen, um einen Erben für das Fürstentum zu haben. 

Zum einen ging es um die große Politik, zum anderen auch um ganz private Punkte bei der Eheschließung: Was passiert, wenn die Frau Witwe wird? Welche Ansprüche hat sie und wovon soll sie leben? Diese Punkte wurden in der Vergangenheit in Eheverträgen geregelt. Ein eindrucksvoll großes Exemplar, über einen Meter breit, ist im Original zu bestaunen.

Im roten Salon ist ein Porträt von Reichsfürst Anton Ernst Joseph Ignaz (1712 bis 1768) und seiner Gattin zu sehen. Dass beide Personen als Paar abgebildet sind, ist ungewöhnlich. Zu jener Zeit waren Einzelporträts gängig. Vielleicht ist hier aus einer arrangierten Ehe eine Liebesbeziehung gewachsen.

Hochzeiten sind auch immer im Spiegel ihrer Zeit zu betrachten. Wenn bei Hofe geheiratet wurde, konnte es sein, dass die Prinzessin einen Trend setzte. Bei der Hochzeit von Fürst Emil und Bertha Esterhazy im Jahr 1878 war die Braut in ungarische Tracht gekleidet – so zeigt es das Hochzeitsbild. Außerdem trägt sie Schmuck aus Hirschzähnen. Weitere Paare sind auf Gemälden zu sehen, andere auf Fotografien. Mal sitzt der Bräutigam, mal sitzt die Braut – auch bei den Fotografen änderten sich die Motive.

Was immer gleich bleibt, ist die Sprache der Blumen. In einem witzigen Blumen-Rätsel erfahren die Besucher, ob die Rose wirklich für Liebe steht, und warum die Myrte oft bei Hochzeiten verwendet wurde. Aussteuerschränke und Toilettenartikel zeigen, dass die Aussteuer bis in die jüngere Vergangenheit ein großes Thema war.

Im Jahr 1843 heiratete Fürst Otto Karl seine Frau Georgine. In Oettingen gab es einen Empfang, Schulkinder aus Megesheim sagten ein Ständchen auf, einzelne Dörfer schickten Abgesandte, und die israelitische Gemeinde hatte einen Glückwunsch gedichtet.

Fast live dabei sind die Besucher beim abschließenden Raum: Ein Film zeigt dort den Auszug des Brautpaars Erbprinz Franz-Albrecht und Erbprinzessin Cleopatra aus der Jakobskirche, die gleich neben dem Residenzschloss liegt. Eine ökumenische Besonderheit: Das katholische Paar hat in der evangelischen Kirche geheiratet. Zum einen, weil das evangelische Gotteshaus näher am Schloss liegt, aber auch, weil es mehr Besucher fassen kann. 

Modische Kreationen

Im Speisesaal des Residenzschlosses sind die Kleider der Bräute ausgestellt. So trug Prinzessin Teresa ein Kleid des Designers Oscar de la Renta, abends eine Kreation von Katie Ermilio. Die Kleider der Brautjungfern sind ebenfalls zu sehen, genauso wie die persönlichen Einladungen, die Prinzessin Nora und ihr Gatte verschickten.

Bei einer Führung durch die Schau erfahren Besucher noch viele weitere Details und die Geschichte vom Schatz, der im märkischen Sand vergraben und nach Jahrzehnten wiedergefunden wurde. 

Christina Zuber

Info:

Führungen durch die Sonderausstellung finden bis 1. November jeden Sonn- und Feiertag um 14.30 Uhr statt. Treffpunkt ist am Eingang zum Schlosshof. Bitte beachten: Auch im Sommer kann es im Schloss kühl sein.  

30.05.2018 - Bistum Augsburg , Unterhaltung