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Unterwegs auf dem Glaubens- und Kirchenrundweg „Auf einer Spur“ in Oy-Mittelberg

Eine Wohltat für Körper und Seele

OY-MITTELBERG – Es riecht nach Frühling. Das Gelb des Löwenzahns spielt eine dominante Rolle auf den satten Bergwiesen. Die Luft ist angenehm frisch und die Sicht reicht an diesem klaren Tag bis weit in die Allgäuer Alpen. Schon von weitem sieht man den Turm eines Gotteshauses, das über dem wildromantischen Wertachtal liegt und gerne als die „schönste Dorfkirche des Allgäus“ bezeichnet wird.

Keine Frage, die Heilig­-Kreuz-Kirche in Maria Rain gehört zu den vielen Höhepunkten auf dem ökumenischen Glaubens- und Kirchenrundweg „Auf seiner Spur“ in Oy-Mittelberg. Er verbindet alle Ortschaften im Gemeindegebiet und führt zu sehenswerten Kirchenbauten aus unterschiedlichen Jahrhunderten mit nicht wenigen überregional bekannten Kunstwerken. Vor allem aber ist er ein Weg, der Körper und Seele gleichermaßen guttut.

Es geht durch stille Hochmoore, an Rottachsee und Grüntensee vorbei und zu kleinen Weihern, die zwischen den schmucken Ansiedlungen verstreut liegen. Auch der ein oder andere Höhenmeter ist zu überwinden, und man kann zwischendurch schon mal ein wenig außer Puste kommen. Ein Grund mehr, immer wieder innezuhalten, auf einer gemütlichen Bank Platz zu nehmen, sich eine Brotzeit zu gönnen – und sich an atemberaubenden Ausblicken und an Gottes wunderbarer Natur zu erfreuen.

Stolze 42 Kilometer umfasst der Glaubens- und Kirchenrundweg in seiner gesamten Länge. Aber keine Angst: Er muss nicht an einem Tag komplett gemeistert werden. Es gibt reichlich Abkürzungsmöglichkeiten und Wegvarianten. Schön auch, dass man an vielen Stationen mit Bus oder Bahn wieder bequem zurück zum Ausgangspunkt kommt. Und Radfahrer sind hier genauso an der richtigen Adresse wie Fußgänger. 

Begonnen hat der heutige Wandertag beim idyllischen Sticher Weiher. Das urchristliche Fischsymbol weist konsequent den Weg. Unterwegs trifft man auf insgesamt acht Stelen mit zentralen Jesus-Botschaften aus dem Johannesevangelium. „Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit und ich bin das Leben. Zum Vater kommt man nur durch mich“, ist auf der Stele an der Südostseite der Wallfahrtskirche in Maria Rain zu lesen. 

Ihre Geschichte reicht bis weit ins Mittelalter zurück. Überlieferungen zufolge wird bereits im elften Jahrhundert von einem Kirchenbau berichtet. Das jetzige Gotteshaus wurde Ende des 15. Jahrhunderts gebaut und ist heute geprägt durch Baustile von Spätgotik, Renaissance, Barock und Rokoko. Einzigartig ist der dreigliedrige Hochaltar. Er wurde bereits 1519 vollendet. 

Es geht weiter – steil bergab ins Wertachtal. Der weiche Waldboden entlang des Flussbettes ist angenehm. Auch die zahlreichen Vogelstimmen und das Plätschern des Wassers vertiefen die meditative Stimmung. Dann geht’s wieder kräftig bergauf und bald ist der Bahnhof Maria Rain erreicht. Mit aufwendig gearbeiteten Altären und schönen Stuckarbeiten beeindruckt die Kirche St. Wolfgang im Ortsteil Haslach, die 1744 erbaut wurde und das Leben des heiligen Wolfgang durch zahlreiche Bilder und Fresken anschaulich zum Ausdruck bringt. 

Inzwischen sind fast zehn Kilometer marschiert. Die Laune ist nach wie vor gut. Morgen ist auch noch ein Tag, denken sich die Wanderer und wählen eine Abkürzung über Guggemoos zurück zum Sticher Weier. Eine Einkehr und ein kühles Getränk in einer Gartenwirtschaft sind im Frühjahr 2021 leider noch nicht möglich. Ein Schluck heißen Kaffees aus der mitgebrachten Thermoskanne ist aber auch willkommen.

Ein Abstecher muss nach der Mittagspause aber dann doch noch sein. Auf 1036 Metern Höhe liegt St. Michael in Mittelberg. Das Gotteshaus ist eine der höchstgelegenen Pfarrkirchen in ganz Deutschland. Erbaut im Jahr 1453, gehen ihre Ursprünge bis ins achte Jahrhundert zurück. Herausragende Werke bildhauerischer Kunst sind die Kanzel und die Statuen am Hochaltar. Zeuge einer großen Vergangenheit ist auch die sagenumwobene Michaelsglocke von 1522. 

Ganz in der Nähe der Kirche ist ein kleiner Fußweg. Er ist nicht lang und führt – wie könnte es anders sein – noch einmal steil nach oben. Aber die Mühe lohnt sich. Eine gemütliche Wellnessbank lädt zum Verweilen ein. Noch einmal schweift der Blick in die phantastische Bergwelt. Man darf aber auch die Augen schließen und sich auf einen weiteren spirituellen Wandertag in Oy-Mittelberg freuen.

Brigitte Geiselhart