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Großer Gebetstag in Marienfried

„Die geistige Mutter aller“

MARIENFRIED – „Pfaffenhofen zeigt uns, dass ein mächtiger Gott lenkt, der auch auf krummen Wegen gerade gehen kann.“ Professor Manfred Hauke erinnerte in seiner Festpredigt zum Großen Gebetstag in Marienfried mehr als 2000 Gläubige daran, wie der Ort Pfaffenhofen ohne Schaden aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen ist und die kleine Gemeinde im Tal der Roth dann ihr Versprechen einlöste und der Gottesmutter Maria eine Kapelle errichtete. 

Der bedeutende Mariologe Hauke, der an der Universität in Lugano lehrt, widmete seine Predigt am Marienfrieder Freialtar der „Mutter der Kirche, Maria“. Augsburg habe im jüngsten Krieg Schäden erlitten, sagte Hauke, das nahe gelegene Ulm sei fast vollständig zerstört worden. Pfaffenhofen aber, wo doch ein großes Tanklager eingerichtet war, sei verschont geblieben. 

Die zahlreichen Gläubigen, die weit verstreut auf der Festwiese von Marienfried und im schützenden Schatten der umliegenden Waldränder den Gottesdienst mitfeierten, konnten darin das Wirken der „dreimal wunderbaren Mutter, der Mittlerin der Gnaden, Maria, der Mutter der Kirche“ erkennen. Bedrohungen wie vor 75 Jahren sah der Prediger gegenwärtig zwar nicht, nannte aber „andere Faktoren, die zerstörerischer wirken als Bomben“. Dazu rechnete er den Geburtenrückgang, die Forderung nach der Ehe für alle und den Verlust an Kirchenbesuchern. „Wir stehen da wie Don Quichotte in seinem Kampf gegen die Windmühlen.“ Da mache Pfaffenhofen und die Entwicklung der Gebetsstätte in den vergangenen Jahrzehnten Hoffnung. 

Der 63-jährige Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät von Lugano und führende Mariologe berief sich auch auf Augustinus, der in Maria nicht nur die Mutter der Kirche gesehen habe, sondern auch ihrer Glieder. „Sie ist die geistige Mutter aller, die der Kirche verbunden sind.“ Sie habe unter dem Kreuz an der Erlösung mitgewirkt. Auch das Wunder von Kana sei erst auf ihre Fürbitte hin geschehen. Wie schon frühere Redner an der Gebetsstätte Marienfried berief sich auch Hauke auf die Begegnung Jesu mit Maria von Bethanien und ihrer Schwester Martha. „Wir brauchen beide Schwestern, die arbeitende und die zuhörende; aber vorrangig ist das Beten.“

Der Verlauf des vom Fatima-Welt-
apostolat für Marienfried entwickelten Großen Gebetstags blieb auch heuer unverändert. Allerdings wirkte nach zweijähriger Pause wieder eine Blaskapelle im Gottesdienst mit. Der Musikverein Krumbach begleitete sowohl den Festzug zum Freialtar als auch die gesamte Messfeier mit exakt gesetzten Melodien.

Im Herzen Schwabens 

Wohltuend wirkte auch diesmal, dass die gut zwei Dutzend Informations- und Verkaufsstände fehlten, die einst das Bild des Gebetstags beeinträchtigt hatten und seit zwei Jahren nicht mehr aufgestellt werden dürfen. Grußworte sprach der im vergangenen Oktober neu eingesetzte Marienfried-Rektor Georg Alois Oblinger. Seit 30 Jahren „Stammgast“ beim Gebetstag, begrüßte Pfaffenhofens Bürgermeister Josef Walz auch diesmal die Besucher der „Gebetsstätte im Herzen Schwabens“. Zugleich verabschiedete er sich. Denn zur Kommunalwahl im kommenden Jahr tritt er nicht mehr an. 

Eröffnet hatte den Gebetstag Pfarrer Rainer Hoverath vom Fatima-Weltapostolat am Vorabend mit einer Messe am Freialtar. Es folgte die Lichterprozession auf dem Gebetspfad und eine Mitternachtsmesse im außerordentlichen Ritus. Der Gebetstag klang mit dem nachmittäglichen Rosenkranz und einer von Rektor Oblinger gehaltenen Marienfeier in der Marienfried-Kirche aus.

Gerrit-R. Ranft