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Leonhardiritt in Inchenhofen

Heiligengeschichte auf Rädern

Mit festlichem Geläut hat am Sonntagnachmittag in Inchenhofen nicht nur der Leonhardiritt begonnen, sondern auch der Regen. Drei Mal zogen die Trachtengruppen, Musikkapellen und Festwägen mit den „lebenden Bildern“ um die Wallfahrtskirche. Mit dabei war Weihbischof Anton Losinger, der am Vormittag den Festgottesdienst zelebriert hatte.

4000 Besucher waren in diesem Jahr trotz des Regens ins altbayerische Leahad, wie Inchenhofen auch genannt wird, gekommen. Viele von ihnen ergriffen bereits nach der ersten Runde des Umritts die Flucht ins Trockene. Doch die Teilnehmer des Festzugs harrten aus: Trotz der durchnässten Gewänder fielen die 60 Statisten auf den Festwägen, die Szenen aus dem Leben des heiligen Leonhards und aus der Geschichte des Wallfahrtsorts darstellten, nicht aus ihrer Rolle – alles zu Ehren ihres Patrons.
Vor allem in Bayern wurde der heilige Leonhard über Jahrhunderte hinweg als großer Nothelfer verehrt. Er gilt nicht nur als Patron des Viehs – worauf die vielen Leonhardiritte zurückgehen –, sondern auch als Fürsprecher für Mütter und Gefangene.
Das Vorbild des heiligen Leonhards, genauer gesagt sein Einsatz für die Freiheit, sei auch heute ganz aktuell, sagte Weihbischof Losinger beim Pontifikalgottesdienst. Hierbei gehe es zum einen um die Freiheit des Glaubens, des Wortes Gottes: „Auch wenn es vielen heutzutage gar nicht bewusst ist: Die Christen sind weltweit die am meisten verfolgte Denomination“, erläuterte der Weihbischof. Doch auch viele freie Menschen würden heutzutage unter Ketten leben und seien gefangen in ihren Sorgen. Ein weiterer Punkt  sei die „Freiheit der  Schöpfung“. Die Ausbeutung müsse ein Ende haben und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Umwelt gewährleistet werden, forderte Losinger.

Ältester Ritt Bayerns

Der bereits vor mehr als 500 Jahren eingeführte Leonhardiritt in Inchenhofen gilt als der älteste in Bayern. Immer um den Todestag des heiligen Leonhards, dem 6. November, strömen tausende Besucher in den Wallfahrtsort, um dem Festzug beizuwohnen. Finanzminister Markus Söder hat den Traditionsritt im vergangenen Jahr mit dem „Heimatpreis Schwaben“ ausgezeichnet.
„Der ganze Ort ist beim Leonhardiritt im Einsatz“, erklärt Hans Schweizer. Der Vorsitzende des Leonhardikomitees ist für die Organisation des Festzugs verantwortlich. Vor allem in den zwei Wochen vor dem Umritt sei sehr viel vorzubereiten. Schweizer ist aber das ganze Jahr über damit beschäftigt, Kontakte zu knüpfen und Pferde für die Festwägen und Kutschen zu organisieren. „In diesem Jahr haben wir sogar ein Gespann aus Kempten und Nürnberg“, erläutert der Leahader. Für sein Engagement hat er erst kürzlich den Päpstlichen Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“ erhalten.
Nicht nur aus dem Wittelsbacher Land, sondern aus dem ganzen Bistum Augsburg und darüber hinaus waren die Besucher gekommen, so wie Rosmarie Karletshofer aus Roggenburg im Landkreis Neu-Ulm. „Seit unser Sohn vor einigen Jahren nach Inchenhofen gezogen ist, kommen wir jedes Jahr zum Leonhardiritt“, erklärt sie. Besonders fasziniert sei sie davon, „wie lange die Darsteller still und reglos in ihren Rollen bleiben“. Doch auch die kunstvollen Gewänder bestaunt die Roggenburgerin jedes Mal aufs Neue. Ihr Sohn, Ludolf Karletshofer, ist mittlerweile ein echter Leahader und gehört sogar dem Leonhardikomitee an. „Das ist für mich als Zugezogenem eine wirklich große Ehre“, freut sich Karletshofer. 

Romana Kröling