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Abschied von der Bayerischen Landesstiftung

Josef Miller: „Arbeit hat viel Freude gemacht“

Josef Miller war 27 Jahre Landtagsabgeordneter und zehn Jahre bayerischer Landwirtschaftsminister. Die Liste der Ämter, die er ausgefüllt hat, ist lang. Am Ende des Jahres übergibt er eine weitere wichtige Aufgabe: Die frühere Landtagspräsidentin Barbara Stamm übernimmt von ihm den Vorstandsvorsitz der Bayerischen Landesstiftung. Im Interview mit unserer Zeitung zieht der 72-Jährige Bilanz.

Herr Miller, nach rund fünf Jahren nehmen Sie Abschied von der Landesstiftung. Wie fällt Ihr Resümee aus?

Ich habe mein Amt für fünf Jahre ohne Verlängerung angetreten. Als Landtagsabgeordneter habe ich im Alter von 66 Jahren auf eine Wiederwahl verzichtet. Alles hat seine Zeit. Es waren fünf sehr schöne Jahre an der Spitze der Landesstiftung.

Die Stiftung ermöglicht es, viel Gutes zu bewirken. Durch die Gewährung von Finanzmitteln zur Restaurierung denkmalgeschützter Gebäude und für den Um- und Neubau von nichtstaatlichen Museen leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der kulturellen Reichtümer Bayerns und zur Weitergabe in einem guten Zustand an die nachfolgende Generation. 

Ich freue mich, dass viele historische Gebäude und Kirchen durch geglückte Renovierungen in neuem Glanz erstrahlen und nicht, wie in manch anderen Ländern, verfallen. Neukonzipierte und moderne Museen sind eine Attraktion und freuen sich zunehmender Beliebtheit. Die Förderung von besonders beispielhaften Sozialeinrichtungen trägt zudem zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bayern bei. Die Arbeit für die Stiftung hat mir viel Freude gemacht.

Welche Projekte lagen und liegen Ihnen besonders am Herzen?

Hier sind in erster Linie unsere zahlreichen schönen Kirchen zu nennen, die das Ortsbild prägen und ein Teil unserer Heimat sind. Der Filmemacher Joseph Vilsmaier, der die Welt kennen gelernt hat, hat einen Film über Bayern vom Flugzeug aus gedreht. Er kommt zu dem Ergebnis: „Was Bayern neben Österreich und Südtirol abhebt von den anderen Ländern ist die große Vielzahl und Schönheit der Kirchen mit ihren Türmen, die in den Himmel ragen. Dies ist einmalig.“ Aber ohne die finanzielle Unterstützung der Diözese aus Kirchensteuermitteln wären die Kirchengemeinden heute nicht mehr in der Lage, die Kirchen zu sanieren. Die Diözese Augsburg trägt mit einem Anteil von 60 bis 75 Prozent der Renovierungskosten in Höhe von jährlich nahezu 50 Millionen Euro dazu bei. Das sollten all diejenigen bedenken, die heute keine Kirchensteuer mehr bezahlen oder sie abschaffen wollen.

Warum ist die Hilfe der Landesstiftung so wichtig?

Wenn wir heute, bis auf wenige Ausnahmen, keine Kirchen mehr bauen, kann man von uns zu Recht erwarten, dass wir zumindest die bestehenden Gebäude erhalten und der nächsten Generation in gutem Zustand übergeben. Unsere Vorfahren haben unter weitaus schwierigeren Bedingungen als heute diese schönen Kirchen errichtet. Ich hoffe und wünsche, dass unsere Kirchen der Ort bleiben, an dem die Menschen dem Herrgott die Ehre erweisen.

Neben der Förderung der Diözese steht die der Landesstiftung meistens an zweiter Stelle. In den letzten fünf Jahren wurden von der Landesstiftung bayernweit 23,6 Millionen Euro für 920 Kirchen vergeben. Davon entfallen 5,7 Millionen auf 235 Kirchen in Schwaben. Die Stiftung will auch künftig den Fördersatz von neun Prozent Zuschuss zu den förderfähigen Kosten beibehalten. 

Besonders hervorheben möchte ich das große Engagement unserer Pfarrer, Kirchenpfleger und Kirchenstiftungsmitglieder. Für sie ist die Renovierung eine Herzensangelegenheit, so als ginge es um ihr eigenes Haus. Sie schweißt die Mitglieder der Ortskirche in dem gemeinsamen Ziel zusammen, die Kirche für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Sie sind für die Unterstützung der Landesstiftung sehr dankbar.

Mit der Aufgabe des Amtes treten Sie ein Stück kürzer, sind aber trotz Ihrer 72 Jahre weiter präsent in der Öffentlichkeit – auch in Bereichen, die nicht im Rampenlicht stehen. 

Mir ist es nie langweilig. Ich bin Mitglied in Kuratorien von zwei Universitäten und zwei Hochschulen, Mitglied im Diözesanrat und Vorsitzender von Fördervereinen. Derzeit kümmere ich mich um die Finanzierung des Klostermuseums in Ottobeuren. Ich werde vielfach um Rat und Unterstützung gebeten, wie im letzten Jahr, als ich als einer von vier Experten europaweit die Vorschläge der EU-Kommission zur Agrarpolitik vor dem Agrarausschuss des Europäischen Parlamentes bewertete.

Im Zuge der Kommunalwahl 2020 betreten viele junge Menschen erstmals politisches Terrain. Was raten Sie als „alter Hase“ diesen und worin sehen Sie die wichtigste Eigenschaft eines Politikers?

Die Zeit, in der wir leben, hätten sich Generationen von Menschen vor uns auch gewünscht. Unsere freiheitliche Gesellschaft, unsere Demokratie baut darauf, sich für politische Ämter zur Verfügung zu stellen und sich an den Wahlen zu beteiligen. Die Jugend ist hier besonders gefordert, denn es geht um ihre Zukunft, die nicht aus Gleichgültigkeit oder dem Glauben, dass es von selber gut weitergeht, verspielt werden darf. Das größte Kapital eines Politikers ist seine Glaubwürdigkeit. Daraus resultiert das Vertrauen der Mitbürger, das man sich erarbeiten muss.

Interview: Johannes Müller

20.12.2019 - Bayern