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Kinderzeche In Dinkelsbühl

Alle Menschen guten Willens können Brücken bauen

DINKELSBÜHL – Die Kinderlore mit ihrem Mut und Gottvertrauen ist eine Friedensbotschafterin. Deshalb ist die Dinkelsbühler Kinderzeche ein Friedensfest. Dies ging als Botschaft am Kinderzech-Montag vom Dinkelsbühler Münster St. Georg beim ökumenischen Gottesdienst aus.

Den traditionellen Gottesdienst hielten im Jubiläumsjahr der Kinderzeche – vor 125 Jahren war das Festspiel vom Münchner Hofrat Ludwig Stark geschrieben worden – Bischof Bertram Meier und Regio­nalbischöfin Gisela Bornowski mit Dekan Uland Spahlinger, assistiert von Diakon Franz Schindler und unter Mitwirkung von Gemeinde­referentin Monika Gröner. 

Mit der Stadtspitze um Oberbürgermeister Christoph Hammer und den Festspielakteuren zogen die Zelebranten ein. Die Herzen derer erreichen, die Leid in die Welt bringen – dieses Gebet der Kinderlore stellte der katholische Diakon Franz Schindler an den Beginn, und dies ist heute noch brennend aktuell. Die Gesellschaft atme nach zweijähriger Pandemie auf, und er spüre Dankbarkeit, stellte der evangelische Dekan Spahlinger fest. Er wünsche sich einen Geist des Friedens, des Miteinanders und der Toleranz. 

Sensibel abgestimmt pendelte das Predigtgespräch zwischen der Regio­nalbischöfin und dem Augsburger Oberhirten. Sie wählten die Erzählung „Die Kinderbrücke“ von Max Bollinger, in der zwei zerstrittene Familien an einem gegenüberliegenden Fluss­ufer erst durch die spielenden Kinder wieder zueinander kamen. Wie Jesus ein Brückenbauer ist, können alle Menschen guten Willens Brücken bauen, hieß es. 

Ein Aufeinander-Zugehen wünschte Bischof Bertram augenzwinkernd den Städten Dinkelsbühl und Feuchtwangen wegen ihrer historischen Rivalität. Er schlug ein Friedenscafé vor dem Münster vor. „Das wäre doch der Hammer, lieber Oberbürgermeister Dr. Hammer“, erklärte der Augsburger Bischof launisch. Der Gottesdienst, der vom evangelischen Posaunenchor unter Leitung von Oliver Panzer und Organist Volker Oertel begleitetet wurde, schloss mit Gebet und Segen. 

Die Regionalbischöfin und Bischof Bertram genossen im Schrannensaal das historische Festspiel, bei dem sich der Rat der Stadt nach heftigen Auseinandersetzungen für die Übergabe der Stadt an die schwedischen Belagerer entschied. Nur „Engel“ könnten ein Wunder bewirken, hieß es vom schwedischen Abgesandten, der vom plötzlichen Tod des Kindes von Heerführer Claus-Dietrich von Sperreuth berichtete. 

Die Kinderlore zog mit den „Engeln“ der Stadt dem Heerführer entgegen. Ein Kind erinnerte von Sperreuth an seinen Jungen, und die Stadt wurde wegen der Kinder verschont. Zur Freude der Dinkelsbühler soll ein Kinderfest ausgetragen werden, vielleicht der Ursprung der Kinderzeche um das Jahr der schwedischen Belagerung 1632.

Beim Empfang im kleinen Schrannensaal dankte Oberbürgermeister Hammer den beiden Würdenträgern, die miteinander im Gleichklang, gleicher Blickrichtung und gleicher Sprache ein beeindruckendes Predigtgespräch gehalten hätten. Er gab nach Rücksprache mit Bischof Bertram bekannt, dass in zwei Jahren die Europäische Bischofskonferenz in Dinkelsbühl geplant sei. Dinkelsbühl wird dann zur Bischofsstadt, freute sich der Oberbürgermeister. Peter Tippl

23.07.2022 - Feiertage & Brauchtum