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Eiserne Kunst

Mal kräftig, mal filigran

SEEHAUSEN – Peter Vögele sitzt am Küchentisch und studiert Skizzen für sein neues Projekt. Vögele ist Kunstschmied und steht in einer langer Familientradition. Seine Vorfahren waren seit Jahrhunderten Schmiede, zuerst in Eichstätt, dann in Seehausen am Staffelsee, wo sein Großvater die Dorfschmiede übernommen hatte. Von seinen Vorfahren hat er die Liebe zum Eisen geerbt, von seinem Vater kam noch die Begeisterung für die Kunst hinzu.

Gemeinsam mit dem kürzlich und allzu früh verstorbenen Pfarrer Robert Walter von der Staffelseegemeinschaft hat sich Peter Vögele sein neuestes Projekt ausgedacht. Der Seelsorger, begeisterter Motorradfahrer, war jedes Mal tief bewegt und erschüttert, wenn er die zahlreichen Kreuze sehen musste, die an die Verkehrsopfer auf der vielbefahrenen B2 zwischen Weilheim und Garmisch-Partenkirchen erinnerten. 

Deshalb wollte Walter in seinem Seelsorgegebiet nahe Spatzenhausen ein Mahn- und Denkmal errichten lassen. Ein großer Findling sollte es sein, gekrönt von einem Kreuz an seiner Spitze und  mit einer Tafel zum Gedenken an die vielen Toten. Diesen Wunsch des Seelsorgers wird Peter Vögele in seiner ihm eigenen Kunst- und Bildsprache gestalten. Zudem wird das Denkmal eine weitere Tafel aufnehmen, auf der an den beliebten Pfarrer Walter erinnert wird.

Sechs Jahre hat der heute 72-Jährige an der Münchner Akademie Bildhauerei studiert. Noch als Student gewann er, für ihn völlig überraschend, den ersten Preis für das Bergbau-Denkmal in Penzberg. Zwischen zwei Steinblöcken steckt dort eine originale Seilscheibe aus einem längst abgerissenen Förderturm der einstigen Bergbaustadt im Voralpenland. Die Seilscheibe gleicht einem niedergelegten Kranz, erinnernd an die Zeit, als in Penzberg noch Kohle gefördert wurde. 

Bald darauf folgte der nächste große Auftrag für den jungen Künstler aus Seehausen: der Brunnen vor dem Kurgästehaus in Murnau. Ein Schwarm Vögel, aus Eisen geschmiedet, erhebt sich leicht und beschwingt in die Lüfte, dem Himmel und der Freiheit entgegen. Überhaupt sind Vögel eines von Peter Vögeles Lieblingsmotive. Ob dies wohl mit seinem Namen zusammenhängt? 

Die Natur ist es, die der  Künstler  stets aufs Neue inspiriert: Wolken, Wasser und immer wieder Tiere. Altes Werkzeug regt ihn zu phantasievollen Skulpturen an. Oft setzt der Künstler auch andere Materialien, etwa Holz, in Verbindung mit Eisen. So weist im Werk „Kathedrale“ ein alter Balken vom Dachstuhl der Kirche St. Michael in Seehausen spitz zulaufend in den Himmel, während Eisenstäbe zeitlos schön das Kirchenschiff auf Erden nachbilden.

Die Liebe zum Eisen ist ihm in all den Jahrzehnten geblieben, das Arbeiten an Esse und Amboss mit Schmiedehammer und Schmiedezange ist Vögeles Leidenschaft. „Eisen ist ein warmes, zeitloses Material“, sinniert der Künstler, „und im Zusammenspiel mit Architektur, Natur und Komposition, wo durchaus auch die Musik eine Rolle spielen kann, bildet es eine vollkommene Harmonie.“ Trotz der Schwere des Materials wirke es nach dem Bearbeiten beweglich, klar und sensibel, mal kräftig, mal filigran. „Bei 1400 Grad Hitze muss das Eisen mit dem Lufthammer bearbeitet werden, dann ist es formbar“, erklärt Vögele. „Es kühlt aber schnell wieder ab. In dieser kurzen Zeit heißt es sprichwörtlich: Schmiede das Eisen, solange es heiß ist.“

An vielen öffentlichen Wettbewerben hat der Künstler teilgenommen, dabei etliche Preise gewonnen und großes Ansehen in ganz Deutschland erworben. Und nicht nur in der Diözese Augsburg sind seine Arbeiten im öffentlichen Bereich sichtbar und präsent, sondern auch in Nürnberg, Köln oder Hamburg. Oft stößt man auf Arbeiten des Seehausers in Kirchen, Kapellen und auf Friedhöfen. Dort zeigt sich an den Grabkreuzen wie an den Gittern bei Fenstern und Türen Vögeles Gespür für Harmonie und Ästhetik. Wichtig ist ihm, dass sich seine Werke in das Ensemble von Natur und Architektur im Wechselspiel von Bestehendem und Neuem einfügen. 

Ans Aufhören denkt Vögele nicht. Die Freude an seinem alten Schmiede-Handwerk und am künstlerischen Gestalten von Eisen ist ihm seit seinen bildhauerischen Anfängen geblieben. Außerdem, verrät der Künstler, „schmiedet er noch viele Pläne und hat auch noch viele Eisen im Feuer“ Ingrid Paulus

11.06.2021 - Bistum Augsburg , Kunst