Malteser-Ideale für Südafrika (Mittwoch, 22. Mai 2019 09:14:00) / Bistum Augsburg / Katholische Sonntagszeitung

Brotherhood of Blessed Gérard

Malteser-Ideale für Südafrika

Obwohl er Afrika seine Heimat nennt, ist an Pater Gerhard Lagleder nichts schwarz – nur der Habit. Der Missionsbenediktiner (64)gründete mit der „Brotherhood of Blessed Gérard“ die heute größte katholische Hilfsorganisation in Südafrika. Sie will die Einheimischen zur Selbsthilfe befähigen. Den Schwerpunkt legt sie auf die Krankenpflege und Fürsorge für die Kleinsten.

„Das kriegen wir schon hin!“: Pater Gerhards ganzes Wesen strahlt Zuversicht und Besonnenheit aus. Gerade dieser Wesenszug ließ ihn als jungen Mann, der gerade seine Berufung zum Priester entdeckt hatte, erst zweifeln, ob er sich zum Ordensleben wirklich eigne: „Als stellvertretender Landesgeschäftsführer bei den Maltesern war ich in Leitungsfunktionen tätig und dachte: Ins Kloster gehen, mit dem ganzen Gehorsam, das halte ich nie aus.“ Ein Missionsorden, „wo diese Talente gefragt sind“, schien dem gelernten Rettungssanitäter aus Regensburg am besten. Bei den Benediktinern in St. Ottilien war es „Liebe auf den ersten Blick“. 

1987 kam er in die Mission nach Südafrika. „Ein Land, „wo man als Vertreter der bösen Weißen verhasst ist?“, erschrak er. Doch er wurde liebevoll aufgenommen. Als Gemeindepfarrer in Mandeni, in der Provinz KwaZulu-Natal, erlebte er furchtbare Zustände. Kranke starben aus Vernachlässigung, weil Krankheiten laut Zulu-Glauben von bösen Geistern kommen. Einheimische trauen sich nicht, Patienten zu pflegen.  

Aus dem medizinischen Bereich kommend, konnte er nicht tatenlos zuschauen. „Wir müssen die Einheimischen begeistern, befähigen und begleiten, sich selber zu helfen“, erkannte er früh. 1992 gründete er die „Brotherhood of Blessed Gérard“ als „afrikanische Malteser“. Namens­geber war der selige Franzose Gerhard Sasso, der im zwölften Jahrhundert den Malteserorden ins Leben gerufen hatte. 

Nach anfangs kleinen Projekten ist die Bruderschaft heute mit mehr als 2500 Mitgliedern die größte katholische Hilfsorganisation Südafrikas. Sie unterhält das größte stationäre Hospiz des Landes, das sich seit der Aids-Welle in den 1990er Jahren auf die Behandlung von HIV-Infektionen fokussiert. Bedürftige Patienten werden kostenlos mit hochwirksamen Medikamenten versorgt.

Ein Schwerpunkt liegt zudem auf vier Kinderprojekten. Momentan leben 65 Kinder im Kinderheim. Viele wurden ausgesetzt, misshandelt oder gequält. Hier erhalten sie ein neues Zuhause, Liebe und Geborgenheit. Vorschul­erziehung bietet ein Kindergarten für derzeit rund 90 Mädchen und Buben. Zulu-Kinder haben oft keine geistige Anregung, erklärt Pater Gerhard: „Die müssen daheim Hühner und Ziegen hüten und die Mamas können meist selbst nicht lesen.“ 

Unterernährte Kinder und Säuglinge werden in einer Klinik durch Spezialnahrung wieder aufgepäppelt. Durch Fehlernährung leiden viele an der lebensbedrohlichen Mangelerkrankung Kwashiorkor.

Kinder als Zukunft

„Ganz wichtig“ ist Pater Gerhard der Stipendien-Fonds für begabte Kinder armer Eltern. Er finanziert eine Ausbildung oder ein Studium in den Bereichen Medizin, Pflege, Sozialarbeit und Pädagogik. „Wir müssen unseren eigenen Nachwuchs ausbilden lassen“, begründet der Benediktiner. 

Man merkt, wie sehr Pater Gerhard für seine Projekte brennt, auch wenn das Tagesgeschäft durch Einheimische geführt wird. Er weiß nicht nur sämtliche Zahlen auswendig – auch persönliche Bindungen zu Mitarbeitern und Patienten spürt man heraus. Für die „Brotherhood“ wünscht sich Pater Gerhard, dass sie irgendwann finanziell auf festen Beinen steht, besonders, wenn er nicht mehr so aktiv sein kann. 

Von schwindenden Kräften ist bei dem 64-Jährigen noch lange nichts zu spüren, wenn er als „Gast“ in Deutschland zweimal jährlich seine Projekte vorstellt und um Unterstützung bittet. Der südafrikanische Malteser wird hier Gesicht und Stimme der Armen: „Du weißt nicht, was ein Elendsviertel ist, wenn du nicht selber bis zu den Knöcheln in den Fäkalien gestanden und die leeren Gesichter der Leute gesehen hast, die völlig verzweifelt sind und keine Zukunft haben. Und gerade da zu helfen ist unsere Aufgabe.“

Lydia Schwab

Hinweis

Auf seiner Internetseite veröffentlicht Pater Gerhard unter anderem seine aktuellen Termine: www.lagleder.net/gerard.

22.05.2019 - Afrika , Deutschland , Hilfswerke