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Mariä Himmelfahrt in Steinerskirchen

Christen sind bald Minderheit

HOHENWART – Sind die Christen in Deutschland dafür gerüstet, nicht mehr einer Mehrheitsgesellschaft anzugehören, sondern in der Minderheit zu sein? Mit dieser Frage stimmte Thomas Frings die mehr als 800 Teilnehmer der Marienfeier mit Lichterprozession in der Oase Steinerskirchen in Hohenwart (Kreis Pfaffenhofen/Ilm) nachdenklich. Seine Antwort lautete: „Wir müssen es lernen, zu erklären, warum wir Christen sind.“

Der Priester aus Köln, der 2016 seine Arbeit als Gemeindepfarrer in Münster (Westfalen) aufgab und ins Kloster ging, mittlerweile aber als Pfarrvikar in Köln wieder in der Seelsorge ist, war Festprediger zu Mariä Himmelfahrt in der Oase Steinerskirchen. „Als ich Kind war, gab es drei Möglichkeiten: Entweder war man katholisch oder evangelisch oder komisch“, sagte Frings. Die einst selbstverständliche christliche Gesellschaft seiner Kinderzeit gebe es nicht mehr. Im „heiligen Köln“ gebe es mittlerweile weniger als 50 Prozent Katholiken. „Wenn ihr einmal so alt seid wie ich heute“, sprach Frings gezielt die junge Generation an, „dann werdet ihr diejenigen sein, die komisch sind – sofern ihr dann noch Christen seid“. 

Drei große Grenzen

Gott setze da ein, wo die tiefe Sehnsucht nach Liebe beginne, die kein Mensch, auch kein Ehepartner, zu 100 Prozent erfüllen könne. Neben der Liebe gehörten auch der Tod und die Schuld beziehungsweise Sühne und Erlösungsbedürftigkeit zu den drei großen Grenzen. „Wo es sie nicht mehr gibt, da beginnt für mich der Himmel“, erklärte Frings. „Nichtglaubende haben uns nichts voraus, wenn es um die Fragen des Lebens geht“, gab er seinen Zuhörern mit auf die Lichterprozession rund um den Berg Steinerskirchen. 

Als die Gläubigen singend und betend wieder oben angekommen waren, wurden weitere Lieder gesungen. Pater Norbert Becker, der mit der Karlskroner Gemeindereferentin Kerstin Kass sowie den Hohenwarter Musebuam die Festmesse musikalisch gestaltet hatte, dankte allen Helfern sowie dem Festprediger für seine ermunternden, aber auch kritischen Worte sowie sein klares Glaubensbekenntnis. 

Zur Stärkung wurden Wallfahrtslaiberl, gebacken aus dem von Bruder Martin selbsterzeugtem Biogetreide, an die Wallfahrer verkauft. Die Kollekte war für ein Schulprojekt in Brasilien bestimmt, das Superior Walter Licklederer vor vielen Jahren mit aufgebaut hat und heute noch unterstützt.

Andrea Hammerl