Mensch und Tier als Team: Therapiehunde der Malteser (Mittwoch, 09. Januar 2019 12:00:00) / Bistum Augsburg / Katholische Sonntagszeitung

Mensch und Tier als Team: Therapiehunde der Malteser

Strenges Training geht voraus

LANDSBERG – Bei den Landsberger Maltesern gibt es jetzt eine Therapiehundestaffel. Zehn Teams haben eine 18-monatige Ausbildung durchlaufen und beginnen mit Einsätzen. Initiatorin und Leiterin der Hundestaffel ist Elke Wittmann. 

Sie habe das Angebot bei den Maltesern in Bad Kreuznach kennengelernt und sei davon sehr begeistert gewesen, erklärt die
Staffelführerin. Deshalb habe sie alles darangesetzt, dass auch hier Teams ausgebildet werden können. An erster Stelle stehe beim Therapiehundeteam der Malteser-Leitspruch „Menschen helfen Menschen“. Der Hund sei unterstützend dabei. 

Ganz wichtig: „Ein Therapiehund ist nicht zu verwechseln mit einem  Besuchshund.“ Letzterer habe keine besonderen Aufgaben außer Freude zu einsamen, liebebedürftigen Menschen zu bringen. Natürlich sei auch der Therapiehund zum Schmusen und Kuscheln da. „Vor allem aber kommt er in besonderen Situationen zum Einsatz“, sagt Elke Wittmann, die mit ihrem Hund Mexx ein Team bildet. 

Brücke bauen

Der Hund soll genau dort helfen, eine Brücke bauen, Verbindung schaffen, wo Menschen an ihre Grenzen kommen. Das können verhaltensauffällige Kinder sein oder Menschen mit Behinderung. „Wir besuchen, wenn gewünscht, Wachkoma-Patienten und Menschen mit Demenz im schwersten Stadium“, erzählt Elke Wittmann.

 „Die Hunde legen sich zum Patienten ins Bett, vermitteln Wärme und schaffen möglicherweise Wohlgefühle.“ Dazu komme, dass die Tiere zu körperlicher Bewegung animieren. Wittmann nennt als Beispiel Schlaganfallpatienten, deren Hände mittels Training wieder beweglich gemacht werden sollen und die gern versuchen, ins warme, weiche Fell zu greifen. 

Die Hunde seien natürlich kein therapeutisches Allheilmittel. „Aber sie können seelische und körperliche Leiden mindern oder mildern. Solche Aufgaben können die Hunde nur in Zusammenarbeit mit ihrem menschlichen Begleiter optimal leisten“, erläutert Elke Wittmann. Ebenfalls sehr wichtig: Bei allen Besuchen muss ein Therapeut beziehungsweise der Betreuer des Patienten dabei sein. 

Für die Einsätze durchlaufen Hund und Besitzer eine zwingend erforderliche Ausbildung. Bevor es so weit ist und der Hund zum zertifizierten Therapiehund wird, muss der Vierbeiner einen Eignungstest bestehen. Dabei wird vor allem sein soziales Verhalten bei Kontakten mit fremden Menschen geprüft. Auch die psychische Stabilität gegenüber fremden Einflüssen wie Geräuschen oder Gerüchen, festgehalten werden  oder ungewohnten Bewegungen gehört zu diesem Test. Ist dieser bestanden, können Mensch und Tier an der Ausbildung in Theorie und Praxis teilnehmen. 

Weitere Voraussetzungen sind ein tierärztliches Gesundheitszeugnis, regelmäßige Impfungen und Entwurmungen und eine Hunde-Haftpflicht. Während der Ausbildung erfolgt zunächst die Grunderziehung. Danach lernt der Halter, mit seinem Hund zusammenzuarbeiten – und zwar auch, wenn es für das Tier interessante Ablenkungen gibt.

Rollenspiel 

Der Hundehalter wiederum wird im Umgang mit Heimbewohnern und Patienten sowie für die Interaktion Hund-Patient geschult. Bei einer Zwischenprüfung muss neben einem schriftlichen Test auch eine praktische Prüfung im Rollenspiel mit einer fremden Person gemeistert werden. Dafür wird ein Besuch gespielt. Haben Hund und Halter den Test bestanden, dürfen sie bereits geprüfte Teams im Einsatz begleiten und praktische Erfahrungen sammeln. Die praktische Abschlussprüfung besteht aus einer realen Situation im Seniorenheim. 

Vor wenigen Wochen war es für die erste Therapiehundestaffel der Landsberger Malteser so weit: Nach bestandenen Abschlussprüfungen dürfen die Teams ihr erworbenes Wissen und Können im praktischen Dienst anwenden. Dank der Förderung durch die Postcode-Lotterie und die Malteser kann Anfang 2019 eine zweite Staffel mit der Ausbildung unter der Leitung von Heike Panizza beginnen.

Romi Löbhard