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Missions-Benediktinerinnen verkauften Klostergebäude

Der Geldsorgen entledigt

BERNRIED – Große Zufriedenheit hat sich im Bernrieder Kloster seit einiger Zeit der dort lebenden zwölf Schwestern bemächtigt. Der Grund: Nach Jahren der Unsicherheit, was eines Tages aus dem mehr als 900 Jahre alten Klostergebäude der Missions-Benediktinerinnen werden könnte, hat die Gewissheit Einzug gehalten, „dass alles so weiter gehen wird wie bisher“, erklärt Schwester Mechthild Hommel, die den Nonnen vorsteht. 

Möglich wird diese positive Entwicklung, weil sich nach zahlreichen Verhandlungen die politische Gemeinde unter Bürgermeister Georg Malterer bereit erklärte, das gesamte Anwesen für die 2300 Einwohner zählende Gemeinde zu erwerben. Die Schwestern bleiben aber im Kloster. 

Dieser Schritt befreit die Ordensgemeinschaft von nagenden Geldsorgen. „Bereits 2017 hatten wir mit umfangreichen Arbeiten für notwendig gewordene Brandschutzmaßnahmen begonnen“, erinnert sich Schwester Helga Gabriela Haack, die aus Berlin zu den Schwestern gestoßen ist. Nachdem das gesamte Objekt unter Denkmalschutz steht, war die Finanzierung besonders schwierig. „Es meldeten sich immer wieder Personen, die am 30 000 Quadratmeter großen Areal mit Blick auf den Starnberger See lebhaftes Interesse zeigten“, sagt Schwester Mechthild. „In die engere Wahl kamen sie allerdings nicht, da wir nicht unbedingt irgendeinen Scheich hier unsere Nachfolge antreten sehen wollten“, erzählt sie schmunzelnd. 

Zur gleichen Zeit wurde der ständig wachsenden Gemeinde Bernried klar, dass für kommunale Aufgaben wie Schulbau, Kindergarten und Versammlungsräume in nicht zu ferner Zukunft größere Flächen vonnöten sind. „Warum also nicht etwas Bestehendes übernehmen und auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden?“, fragte sich der Gemeinderat des mehrfach prämierten Klosterdorfs Bernried. Eine der Auflagen, den Klosterhof zu erhalten und auf den uneingeschränkten Blick vom See aufs Kloster Wert zu legen, lässt sich auf diese Weise ebenfalls verwirklichen. 

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Übernahme der zum Kloster gehörenden 35 Mitarbeiter und die Weiterführung des beliebten Bildungshauses St. Martin innerhalb der Klostermauern. „Hier geht es um 100 Betten in 84 Zimmern, die von Gästen bewohnt werden können, welche sich für eine gewisse Zeit mit der benediktinischen Spiritualität verbinden wollen“, erläutert Schwester Beate Grupp. Lebens- und Glaubensfragen mit Gleichgesinnten zu diskutieren sowie   beschwingte Freizeiten mit Jugendlichen und deren Familien in der malerischen Umgebung des Klosters zu verbringen, hat Konjunktur. 

Für den Betrieb des 1972 gegründeten, weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannten Bildungshauses St. Martin will man im Rathaus ein Kommunalunternehmen gründen. Vorstellen könne man sich langfristig sogar einen Gastbetrieb mit Biergarten, aus dessen Einnahmen Kurse und Seminare finanziert werden sollen. Für das leibliche Wohl lässt sich gewiss die Klosterküche gewinnen.

Renate Reitzig

14.02.2021 - Bistum Augsburg , Orden