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Moritzkirche präsentiert Installation mit Zeichnungen von Georg Bernhard

Jeder wird zum Tanz geladen

AUGSBURG – Der Tod ist immer da, er kann Bedrohung, aber auch tröstend sein, er tanzt mit den Menschen, lockt sie oder wendet sich ihnen mitfühlend zu. So drückt es der Künstler Georg Bernhard in seinen Rohrfederzeichnungen aus, die er seit 2006 geschaffen hat. 25 grafische Arbeiten aus seinem Zyklus „Totentanz“ sind bis 25. November als Rauminstallation in der Augsburger Moritzkirche zu sehen.

Es ist eine Besonderheit, dass in diesem Jahr zwei Kunstausstellungen in der Moritzkirche gezeigt werden. „Die jetzige Installation ist als Hommage an Georg Bernhard zu verstehen“, erklärt Michael Grau, Referent für Kunst und Öffentlichkeitsarbeit in St. Moritz. 

Bernhard wurde 1929 in Augsburg geboren, hat hier die Kunstschule besucht und von 1948 bis 1954 die Akademie der Bildenden Künste in München. Später war er Lehrer an der Werkkunstschule Augsburg und Professor an der Hochschule im Fachbereich Gestaltung. 

Der Tod als tanzendes Gerippe hat seinen Ursprung in einem alten Volksglauben, demzufolge die Toten um Mitternacht aus ihren Gräbern steigen und um sie herumtanzen. Seit dem 14. Jahrhundert ist der Totentanz ein häufiges Motiv in Kunst, Literatur und Musik. Nach der Pest in Europa, an der schätzungsweise bis zu 30 Millionen Menschen starben, wollten die Künstler zeigen, dass niemand dem Tod entkommen kann, dass er immer gegenwärtig ist.

Zum Totentanz wird jeder eingeladen und an die Hand genommen. So vermittelt es Bernhard in seinen Zeichnungen. Sie erinnern an mittelalterliche Gemäldezyklen, sind jedoch nicht thematisch durchgängig, sondern Variationen von Todesbegegnungen. Der Tod ist immer ein Gerippe, einmal mit einer Sense, zweimal mit einem Stundenglas, Attributen, die ihm gerne zugeordnet werden. Von den Personen, denen er begegnet, sind ein Bischof, ein Mädchen und ein Kind am deutlichsten zu erkennen.

Bernhard zeigt den Tod als gnadenlos und das Leben fordernd, zeigt sein Spiel mit den Menschen, bei dem der Tod sich anbiedert. Es ist eine Einladung zum Tanz, der man sich nicht entziehen kann. Aber mit seinem meisterlich feinen Strich gelingt es dem Künstler, den Tod von Angst und Schrecken zu lösen. Er wirkt sogar liebenswürdig und sanft, wenn er zum gemeinsamen Tanz einlädt. „Bernhards Totentanz ist nie plakativ, nie brutal, er ist berührend, manchmal zärtlich, sogar tröstend, und beinahe lädt er ein, sich mit ihm anzufreunden“, erläutert Grau. Beim Betrachten der neun eng zusammenhängenden Originale wird man nicht abgeschreckt, sondern eingeladen, den Linien und Bewegungen zu folgen und den eigenen Gedanken über das Lebensende sowie den bereits gemachten Erfahrungen mit dem Sterben Raum zu geben.

Bei einem Mobile mit Zeichnungen von Bernhard tanzen die Blätter in der Kirche. Wer alle von vorne sehen will, muss sich darum herumbewegen und wird somit zu einem Teil des Tanzes.

In einem Video von Stefanie Sixt sind die Bilder anders zu sehen als die Originale: Die schwarzbraunen Linien der Federzeichnungen erscheinen in hellem Weiß auf dunklem Grund. „Diese Art der Präsentation ist der Versuch, die in den Blättern ablesbaren Durchdringungen des Lebens mit dem Tod auf eine zeitgemäße Art und Weise räumlich zum Ausdruck zu bringen“, heißt es im Informationsblatt zur Ausstellung.

Roswitha Mitulla

Info: Die Ausstellung „Totentanz“ in der Augsburger Kirche St. Moritz am Moritzplatz ist bis 25. November Montag bis Samstag von 8.30 bis 17.30 Uhr und Sonntag von 12 bis 17.30 Uhr zu sehen.

13.11.2022 - Bistum Augsburg , Kultur , Kunst