Motorrad-Pfarrer Robert Walter (Dienstag, 23. April 2019 10:32:00) / Bistum Augsburg / Katholische Sonntagszeitung

Motorrad-Pfarrer Robert Walter

Frohbotschaft für Bikerseelen

UFFING – Robert Walter ist mit Leib und Seele Pfarrer. Aber wann immer sich ein Zeitfenster auftut, dann tauscht er das Messgewand gegen Lederhose, Lederjacke und Helm und schwingt sich auf seine blank geputzte 1200 BMW GS.

Mit der 116 PS starken Maschine legt der Pfarrer und Dekan aus Uffing am Staffelsee mehrere 1000 Kilometer im Jahr zurück. Auf dem Motorrad zu sitzen, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen und dabei mit der Natur verschmelzen – für den Geistlichen ist dies ein willkommener Ausgleich zum Alltag.

Seine Leidenschaft für den Feuerstuhl bescherte ihm Kontakte zu gewissen Rockerkreisen, wie beispielsweise den Crazy Devils. Mit deren Unterstützung etablierte Walter 2005 eine Motorradsegnung, die seitdem einmal pro Jahr im benachbarten Fischerdorf Seehausen stattfindet und jedes Mal Hunderte Besucher anlockt.

Der Pfarrer, der 1964 in Lauingen an der Donau geboren ist, hält große Stücke auf seine Bikerfreunde: „Wenn man sie ruft, sind sie zur Stelle. Die Rocker sind absolut zuverlässig und haben untereinander einen enormen Zusammenhalt“, erzählt er. Ihm zufolge trägt diese außergewöhnliche Kooperation auch dazu bei, Menschen zu erreichen, die sich sonst nicht mit dem christlichen Glauben auseinandersetzen würden. Diese Gelegenheit nutzt der Uffinger, um an die anwesenden Biker zu appellieren. Walter wird nicht müde zu betonen, wie wichtig Schutzkleidung sowie ein verantwortungsvoller Fahrstil sind. Denn es steht nicht nur der eigene Spaß im Vordergrund, sondern die Auswirkungen des eigenen Verhaltens auf die Umwelt.

Die zentrale Aussage dahinter fasst er in klare Worte: „Mir ist es eine Herzensangelegenheit, Jesu Botschaft der Nächstenliebe zu vermitteln“, erläutert Walter, der seit 2004 als Pfarrer von Uffing wirkt und die Leitung der Pfarreiengemeinschaft Staffelsee innehat. 2015 wurde er zum Dekan des Dekanats Benediktbeuern ernannt. 

Den Motorrad-Führerschein mach­te er schon mit 18 Jahren. Lange hatte er aber kein passendes Fahrzeug.  „Einmal war ich als Diakon in Kempten eingeladen. Vor der Kirche standen zehn Motorräder und in einem steckte ein Schlüssel“, erinnert er sich. So kam eines zum anderen: Zur Überraschung der Anwesenden drehte Walter eine spontane Runde auf einem Gefährt. Man kam daraufhin ins Gespräch, und es stellte sich heraus, dass unter den Motorradbesitzern ehemalige Ministranten waren, die zu jenem Zeitpunkt eine Wallfahrt nach Assisi planten. Walter ließ sich nicht zweimal bitten. Um an der Pilgerfahrt teilzunehmen, kaufte er sich 1993 eine eigene Maschine, eine 500er Honda, mit der Walter insgesamt über 40 000 Kilometer zurückgelegt hat. Ein Jahr später wurde er zum Priester geweiht. 

Gefährliche Situation

Einmal verschlug es ihn damit ins Kriegsgebiet nach Bosnien. Walter war beruflich unterwegs, um Soldaten zu besuchen. Doch soweit sollte es nicht kommen. In vermintem Gebiet abseits jeglicher Zivilisation machte das Fahrzeug schlapp. Dennoch gelang es dem Geistlichen, seine Honda in kleinen Etappen zur nächsten Siedlung zu befördern. Das Erlebnis hat Walter nachhaltig geprägt: „In solch’ eine gefährliche Situation wollte ich nie wieder geraten, darum habe ich mir 1999 eine 1200 BMW GS zugelegt“, berichtet der Pfarrer. Seitdem ist er pannenfrei unterwegs.

Was die Zukunft betrifft, hat der Geistliche noch viel vor. Mit dem Ziel, jede Ecke seines Heimatlandes zu erkunden, hat er eine Deutschlandkarte in unterschiedliche Sektoren eingeteilt und fährt diese nun Stück für Stück ab.

Constanze Wilz