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Im Hüpf- und Seitschritt

In diesem Jahr tanzen die Murnauer Schäffler

MURNAU – Die Menschen am oberbayerischen Staffelsee halten die Tradition eines alten Zunfttanzes in Ehren. Seit dem Dreikönigstag ist nach siebenjähriger Pause in Murnau wieder Schäfflertanz-Saison. Bis zum Faschingsdienstag werden die Murnauer Burschen in ihren rot-schwarzen Monturen mit dem grünen Käppi zu rund 160 Auftritten an 15 Tagen marschieren. Dabei halten sie Buxbaumbögen in den Händen. Den schmissigen Rhythmus haben sie im Blut.

Elf Brauereien gab es früher in Murnau. Da wurden jede Menge Schäffler gebraucht, wie die Fassmacher in Oberbayern genannt werden. Ihr Handwerk lernten die meisten von ihnen in München. Deshalb nimmt Michael Huber – der Vorsitzende des Vereins zum Erhalt des Murnauer Schäfflertanzes an, dass eine Reihe von Murnauern bei den traditionellen Schäfflertänzen in der Landeshauptstadt mit dabei waren. 

Nach einem Großbrand, der 1857 große Teile der Marktgemeinde Murnau zerstörte, stellten die Bürger 1859 eine Mariensäule in die Ortsmitte. Wahrscheinlich gab es zu diesem Anlass ein großes Fest, bei dem alle Vereine und Zünfte mitmachten. Dabei wurde der erste Schäfflertanz in Murnau aufgeführt.

Der Heimatschriftsteller Paul-Ernst Rattelmüller fand heraus, dass das Aussehen der heutigen Schäfflertracht sowie die Choreografie der charakteristischen Hüpf- und Schreitschritte Mitte des 19. Jahrhunderts der Kreativität des königlich-bayerischen Hoftänzers Reithmeier zu verdanken ist. Den berühmten Schäffler-Ohrwurm „Aba heid is sapp’romantisch koid!“  komponierte der Unterhaltungskünstler und Volkssänger Johann Wilhelm Siebenkäs (1826 bis 1886).

Es ist eine gern gepflegte Übung, dass einer der erste Ehrentänze der Murnauer Schäffler ihrer katholischen Pfarrei St. Nikolaus gewidmet ist. Von einem in die Mitte der Tänzer getragenen Fass herab erzählte Reifenschwinger Christian Neuner Anekdoten aus dem Alltag der Pfarrei, danach ließ er mit einem Schnäps­chen Pfarrer Siegbert Schindele hochleben. Dem schloss sich Kasperl Josef Bierling an, der vom weißblauen Podest herab ein paar karikierende Verse vortrug. 

Zum Gefolge der Tänzer sowie des Jugend- und Blasorchesters Murnau gehören die Schäfflermutter, die Vortänzer und Tanzmeister, der Schnapswart, die Fähnriche, die Schäfflerkinder und vor allem die Kasperle mit ihren Saublodern.

Günter Bitala

Information

Die Auftrittstermine finden sich im Internet unter www.schaeffler-murnau.de.

14.01.2020 - Feiertage & Brauchtum