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Neues Haus des St. Vinzenz-Hospizes ist fertiggestellt

Für die letzte Lebensphase

AUGSBURG – „Sterben ist eine Lebensphase. Diese Zeit erlebbar zu machen, ist unser Hauptanliegen“, sagte Domkapitular Armin Zürn beim Rundgang durch das neue Gebäude des St. Vinzenz-Hospizes in der Zirbelstraße 23 in Augsburg. Der Umzug von der Nebelhornstraße in Hochzoll nach Oberhausen fand Ende Oktober statt.

Gleichzeitig machte Zürn, der auch Vorstandsvorsitzender des Vereins St. Vinzenz-Hospiz Augsburg ist, deutlich, dass es im Hospiz keine aktive Sterbehilfe gebe, aber auch keine lebensverlängernden Maßnahmen. Es gehe vielmehr darum, für Schwerstkranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige in der letzten Lebensphase bestmögliche Versorgung und ganzheitliche Begleitung zu leisten.

Der Verein wurde 1992 gegründet. 1997 eröffnete er das erste stationäre Hospiz in Bayern mit zunächst sechs, dann neun Betten. Noch immer ist es das einzige seiner Art in der Region. Der Einzugsbereich reicht von Günzburg bis München und von Donauwörth bis Landsberg. Doch aufgrund der begrenzten Kapazitäten konnten in jedem Jahr rund 150 Menschen nicht aufgenommen werden.

Da eine Erweiterung im angemieteten Haus in Hochzoll nicht möglich war, suchte der Verein nach einer anderen Lösung. Die Pfarrei St. Martin stellte auf Erbpacht ein Grundstück neben der Kirche zur Verfügung. Die Kosten für den Abriss des alten Pfarrheims im Frühjahr 2017 übernahm die Diözese Augsburg. Außerdem beteiligte sie sich mit 2,6 Millionen an den Baukosten, die rund 6,5 Millionen Euro betragen. 

Weitere Zuschüsse kamen von der Fernsehlotterie, der Deutschen Krebshilfe, von Stiftungen, aus Zuwendungen, Erbschaften, kleinen und größeren Spenden und dem Nachlass einer Augsburgerin in Höhe von 600 000 Euro. „Das Engagement so vieler Wohltäterinnen und Wohltäter hilft uns sehr“, erklärte Zürn. Auch die laufenden Kosten werden zum Teil über Spenden finanziert. Der Tagessatz im Hospiz liegt bei 421 Euro. Für die Angehörigen entstehen keine Kosten.

Das moderne Haus hat 16 Einzelzimmer mit rund 25 Quadratmetern. Jedes trägt den Namen einer oder eines Heiligen, hat eine eigene Nasszelle und einen barrierefreien Zugang zum Garten in der Mitte der Anlage. Weil Sterben „zuweilen auf nur zwei Quadratmetern stattfindet“, so Zürn, sind die Betten nicht nur optimal für die Pflege, sondern werden auch liebevoll gestaltet. Über den Betten befinden sich auswechselbare Folienbilder, die in unterschiedlichen Farben beleuchtet werden können.

Weil derzeit nur für 14 Betten ein Versorgungsvertrag mit den Krankenkassen besteht, können die beiden anderen Zimmer vorerst für Abschiedstage genutzt werden, während wieder Neuaufnahmen erfolgen. Angehörige, die von weiter her kommen, haben die Möglichkeit, in einem eigenen Zimmer zu übernachten. Außerdem gibt es Rückzugsräume, eine Bibliothek sowie Kinderspielbereiche innen und außen.

Neben dem erweiterten stationären Hospiz bietet das Gebäude Raum für die ambulante Hospizbegleitung und Palliativberatung, für Trauerbegleitung, Verwaltung und Hauswirtschaft. Die Planung der modernen, großzügigen Küche, in der das Essen frisch zubereitet wird, haben die Mitarbeiterinnen selbst vorgenommen. „Es gibt jeden Tag Vorschläge, und die Gäste werden gefragt, was sie essen wollen“, erklärte Geschäftsführerin Christine Sieberth. 

Für Haus und Garten hat der Künstler Martin Knöferl mehrere Objekte, Hoffnungszeichen, wie er sie nennt, geschaffen. Vor einem großen Glasfenster steht eine Stele mit einer orangefarbenen Sonne und den Worten „Mit dem Abend beginnt der neue Tag“. An einem deckenhohen Brett, das aus einem Baumstamm geschnitten wurde und dabei ein herzförmiges Loch freigab, werden die Namen der Verstorbenen bekanntgegeben.

Roswitha Mitulla

31.10.2018 - Bistum Augsburg