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Sanierungsprojekt Bischofshaus

Ein angeschlagener Patient

AUGSBURG – Das Bischofshaus gegenüber dem Dom ist ziemlich marode, das weiß man schon länger. Jetzt wird es renoviert, wie jeder Passant an der inzwischen eingerüsteten Fassade sehen kann. Die grundlegende Sanierung wird über zwei Jahre in Anspruch nehmen. Los ging es bereits im vergangenen Oktober.

Bischof Bertram kann der schwierigen Situation auch positive Seiten abgewinnen. Er empfindet es als „Fügung des Heiligen Geistes“, dass die Diözese einen Oberhirten bekommen hat, der dort nicht nur geboren ist, sondern hier auch lange Jahre gewirkt hat. In dem Haus, das er seit 17 Jahren bewohnt, und das in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bischofshaus liegt, fühlt er sich sehr wohl und hat nicht vor umzuziehen. So kann man die Sanierung mit Bedacht angehen. Wäre ein Bischof von außerhalb gekommen, wäre das Bistum bei der Sanierung unter Druck gestanden, weil man bald eine Wohnung gebraucht hätte. 

Da die Diözese bis 2030 klimaneutral werden will, strebt sie sogar eine Nachhaltigkeitszertifizierung nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) an. Ein Prüfzeichen dieser Gesellschaft für ein unter Denkmalschutz stehendes Haus wäre etwas Besonderes. „Für ein denkmalgeschütztes Gebäude gibt es das in ganz Deutschland bisher noch nicht“, erläutert Max Meixner von der gleichnamigen Firma für Projektentwicklung und -steuerung. Angestrebt sei eine Plakette in Silber, denn Gold oder Platin könnten nur bei Neubauten erzielt werden. 

Zwar hat Bischof Bertram kein persönliches Interesse an einer Wohnung im Bischofshaus, das Gebäude als offiziellen Amtssitz möchte er aber unbedingt erhalten. Zudem will er es einem Nachfolger ermöglichen, dass dieser irgendwann einmal wieder im Bischofshaus wohnen kann und dafür nur wenige Umbauten erforderlich sein werden. „Den Gebäudeteil, in dem meine Vorgänger wohnten,  wollen wir für Büros nutzen“, informiert Bischof Bertram. Ins Auge gefasst sind Verwaltungsräume, die der Augsburger Oberhirte als Weltkirchenbeauftragter der Bischofskonferenz benötigt. 

Damit „in ein paar Jahren nicht gleich wieder die Bagger auffahren müssen“, erklärt der Bischof, habe man in das Sanierungspaket auch die neoromanische Hauskapelle zur Heiligsten Dreifaltigkeit und die Tiefgarage aufgenommen. Der Bischof wünscht sich, dass das Gebäude Ende 2023 zum Doppeljubiläumsjahr des heiligen Ulrich fertig ist. Denn dann jährt sich am 4. Juli  2023 die 1050. Wiederkehr des Todestages und am 26. Dezember der 1100. Jahrestag der Bischofsweihe.

„Weil wir genügend Zeit hatten, konnten wir das Gebäude wie einen Patienten gründlich untersuchen“, berichtet Diözesanbaudirektor Johannes Kerschensteiner. Man sei sehr daran interessiert, „die historische Schichtenfolge zu dokumentieren, denn die Architektur ist steingewordene Geschichte“. Kerschensteiner erinnert daran, dass die Fürstbischofe einst in dem Palais residierten, in dem heute die Regierung von Schwaben ihren Sitz hat. Erst nach der Säkularisation sei dann die Domkustodie, also die Verwaltung des Personal- und Sachetats des Doms, zum Bischofssitz geworden.

Die Fachleute sprechen von einer dreiflügeligen Anlage. Am besten stellt man sich den Komplex als großes L vor, an dessen Längsseite ein kleines Anhängsel mit der Bischofswohnung und der Hauskapelle den dritten Flügel bilden. Die Längsseite wurde 1984 neu errichtet.  Der untere Teil des L geht auf Vorgängerbauten aus dem 16. und 18. Jahrhundert zurück. Diesen Teil sieht man, wenn man von der Domseite auf das Gebäude blickt. Dort wurden laut Diözesanbaumeister gravierende Fäulnisschäden an der statischen Tragwerkskonstruktionen entdeckt. Deshalb hat sich der Erker zum Kustosgässchen abgesenkt. Große Teile der Dachkonstruktion sind zudem mit hochgiftigem PCB belastet. 

Architekt Rainer Heuberger weist darauf hin, dass alle Installationen veraltet und brandschutztechnisch überholt seien. Wärme und Wasserversorgung müssten in langen Leitungen aus anderen Gebäuden mit hohen Energieverlusten zugeführt werden. „Unsere Planungsvorgabe ist: Wir machen nur das, was nötig ist. Es gibt keine Extra-Ausstattung.“ So würden zum Beispiel bestehende Leuchten nicht ersetzt, sondern nur mit LED umgerüstet. Auf besonderen Wunsch des Bischofs werde aber der Zugang zum Amtssitz barrierefrei gemacht. 

Die Kosten für das ganze Sanierungspaket von 10,1 Millionen Euro, sagt Stefan Klaiber, stellvertretender Finanzdirektor der Diözese, trägt der Bischöfliche Stuhl. Das ist eine kirchliche Stiftung öffentlichen Rechts, „deren Vermögen durch Erbschaften vermehrt worden ist“.Klaiber legt Wert darauf, dass keine Kirchensteuermittel eingesetzt werden. Projektenwickler Meixner verspricht: „Ich bin überzeugt, dass wir diesen Kostenrahmen trotz widriger Umstände wie Pandemie und Lieferengpässe einhalten werden.“ 

Gerhard Buck

28.01.2022 - Architektur