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Verfolgte Christen

Trauergottesdienste verboten

AUGSBURG – „Die weltweite Verfolgung von Christen hat einen Höchststand erreicht“, erklärt das Hilfswerk Kirche in Not. Eines der betroffenen Länder ist Eritrea. Es stand deshalb im Mittelpunkt des Tages der Solidarität mit verfolgten Christen am vergangenen Sonntag, dem Gedenktag der Sieben Schmerzen Mariens. 

Die Diözese Augsburg hatte gemeinsam mit Kirche in Not Deutschland zu einem Informationsnachmittag im Haus St. Ulrich in Augsburg und einem anschließenden ökumenischen Kreuzweg im Dom eingeladen. „Wer Jesu Spuren folgt, macht keinen Spaziergang, sondern muss mit dem Kreuzweg rechnen“, sagte Diözesanadministrator Prälat Bertram Meier in der Begrüßung. Die Christen in Eritrea sind der Willkür eines diktatorischen, atheistischen Systems ausgesetzt. Was das für die Menschen bedeutet und warum so viele fliehen wollen, erzählte der eritreisch-katholische Priester Mussie Zerai in einem Interview, das von Daniele Piccini auf der Bühne moderiert und aus dem Italienischen übersetzt wurde. 

Zerai ist 1975 in Eritrea geboren, wohnt seit 1992 in Italien und wurde 2016 vom Time-Magazine in die Top 100 der einflussreichsten Menschen der Welt aufgenommen. Er betreut von Rom aus die ganze eritreische Gemeinde in Europa. Die Ursache für die Flucht so vieler junger Menschen über das Meer sieht er darin, dass Eritrea seit Jahrzehnten von einer kommunistischen Diktatur geführt wird. Die Regierung zieht junge Frauen und Männer auf unbestimmte Zeit zum Militärdienst ein und raubt ihnen laut Zerai so die besten Jahre ihres Lebens. „Es gibt keine Menschenrechte, keine Verfassung, keine Opposition, aber Festnahmen, Haft und Folter. Der Einfluss der Kirchen wird seit Inkrafttreten eines 1995 verabschiedeten Gesetzes immer mehr beschnitten“,  berichtete er. Außerdem seien bereits katholische Krankenhäuser und Kirchen geschlossen und die Gebäude konfisziert worden. „Die Regierung sieht das soziale Engagement der Kirche nicht gern, weil dies allein die Aufgabe des Staates sei“, erläuterte  der Priester.

Die Religion dürfe innerhalb der Gotteshäuser ausgeübt werden. Allerdings habe man nach dem Tod von fast Tausend Flüchtlingen, die im Meer ertrunken sind, die Trauergottesdienste verboten und so in das Privatleben eingegriffen. „Der Mensch ist nur ein Rädchen im Getriebe der Regierung und hat keine Rechte“, erklärte Zerai. Auch gebe es keine Pressefreiheit, obwohl die katholischen Sender nur über religiöse Themen berichteten.

„In Eritrea leben 167 000 Katholiken. Die Menschen sind sehr gläubig, die Zahl der Katholiken wächst“, erläuterte Zerai. Deshalb appelliert er an die Politik, Druck auf die Regierung seines Landes auszuüben, das er gerne einmal wieder besuchen würde. Aber nach seinem letzten Aufenthalt 2003 wurde ihm der Reisepass entzogen. „Wir kämpfen um unsere Würde, die Kirche unterstützt uns dabei, trotz aller Schwierigkeiten hoffen wir weiter“, beteuerte Zerai.

Florian Ripka, Geschäftsführer von Kirche in Not Deutschland, berichtete von aktuellen Brennpunkten der Christenverfolgung. Er blickte auf Sri Lanka und den dortigen islamischen Terror, auf Nigeria, wo muslimische Fulani-Viehhirten ihre Gebiete verlassen und christliche Bauern überfallen, erinnerte an einen Terroranschlag auf den Philippinen und stellte konkrete Hilfsprojekte in Syrien vor.

Die liturgische Leitung des Kreuzweges im Dom hatte Diözesanadministrator Meier. In seiner Ansprache mit dem Titel „Der Kreuzweg Jesu geht weiter“, sagte er: „Leute willkommen zu heißen, die aus prekären Situationen in ihren Herkunftsländern und den Transitländern nach Deutschland gelangt sind, war und ist ein Dienst an den Menschen und ein Zeichen dafür, dass ihre Würde als Mitmenschen ernstgenommen wird, ein humanitärer Dienst und eine Christenpflicht“. 

Roswitha Mitulla