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St. Martin in Unterknöringen gilt als eine der ältesten Kirchen der Region

Alter Bau mit neuem Anstrich

UNTERKNÖRINGEN – Die Außenrenovierung der Pfarrkirche St. Martin im Burgauer Stadtteil Unterknöringen (Kreis Günzburg) ist abgeschlossen. Unter anderem ein Storchennest auf dem Kirchturm hatte dafür gesorgt, dass die Arbeiten mit drei Jahren relativ lange dauerten.  

Die Schäden, die die Renovierung nötig machten, wurden zuerst am Turm bemerkt. Dessen Putz verfärbte sich grau, und Dachziegel fielen auf die Straße. Daraufhin begutachtete ein Gremium der Diözese den Turm, unter anderem mithilfe eines Krans. Dabei wurde festgestellt, dass am Gebälk des Dachstuhls unter anderem die Mauerlatte auszubessern war, also der Bereich, wo das Gebälk auf der Mauer aufsitzt. 

Außerdem wurde das Dach neu eingedeckt, Turm und Langhaus bekamen einen neuen Anstrich. Von Grund auf erneuert wurde auch  die Kirchturmuhr. Das Schlagwerk und die Zifferblätter sind jetzt aus Edelstahl, die Ziffern nicht mehr römisch, sondern gotisch. Damit folgte man einem historischen Vorbild: „Auf dem Dachboden haben wir Reste alter Zifferblätter mit gotischen Zahlen gefunden“, erzählt Irmgard Feistle von der Kirchenverwaltung. 

Für die Arbeiten war ein Außengerüst erforderlich, aber auch im Innenraum wurde phasenweise ein Gerüst benötigt. Dadurch konnte die Weihnachtskrippe nicht aufgebaut werden. Dennoch fanden während der Bauphase Gottesdienste statt.

Umfangreicher als geplant

Die Renovierung dauerte drei Jahre, also relativ lange. Die Verzögerungen waren teils auf das Storchennest auf dem Kirchturm, teils auf die übervollen Auftragsbücher der beteiligten Firmen zurückzuführen. Außerdem gestalteten sich die Arbeiten umfangreicher als anfangs gedacht. Dadurch erhöhten sich auch die Kosten. 

„Ursprünglich hatten wir mit 840 000 Euro kalkuliert, dann war die Ausschreibungssumme 930 000, schließlich über 1 Million“, berichtet Kirchenpfleger Herbert Blaschke. 60 Prozent davon zahlt das Bistum Augsburg, 10 Prozent die Stadt Burgau. Zuschüsse kamen vom Bezirk Schwaben, dem Landkreis Günzburg, der Bayerischen Landesstiftung, der Viermetz-Stiftung und vom Landesamt für Denkmalpflege. Außerdem konnte die Pfarrgemeinde Unterknöringen auf Eigenmittel und Spenden zurückgreifen. 

Spenden kamen aus dem Kirchgeld sowie aus einem Frühschoppen nach dem Skapulierfest 2019. Auch die Einnahmen aus dem diesjährigen Skapulierfest, bei dem gleichzeitig der Abschluss der Arbeiten gefeiert wird, werden für die Deckung der Renovierungskosten verwendet. Dafür legen die örtlichen Vereine mit Hand an.

St. Martin Unterknöringen ist eine der ältesten Kirchen im Landkreis Günzburg. Der Bau in seiner heutigen Gestalt wurde 1481 errichtet, urkundlich ist aber schon ein mittelalterlicher Vorgängerbau belegt. Als die gotischen Seitenaltäre aufgelöst wurden, verkaufte man deren Bilder an den Augsburger Dom.  Bis 1725 war die heutige Stadt Burgau eine Filiale von Unterknöringen. Baugeschichtlich interessant sind Grabplatten der Freiherren von Freyberg. 

Die Unterknöringer Skapulierbruderschaft, gegründet 1667, widmet sich der Spiritualität, die mit der Maria vom Berge Karmel verbunden ist. Ein solches Bild aus dem 17. Jahrhundert hängt in der Pfarrkirche. Der jährliche Festtag ist der Sonntag nach dem Fest „Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel“. Dieses Jahr am 17. Juli – nach zwei Jahren Corona-Pause – gab es ausnahmsweise keine Prozession mit dem Skapulierbild. Kirchenchor und Musikkapelle gestalteten das Fest mit.

Martin Gah

08.08.2022 - Bistum Augsburg