Stefan Steinemann wird neuer Domkapellmeister (Donnerstag, 09. Mai 2019 11:13:00) / Bistum Augsburg / Katholische Sonntagszeitung

Stefan Steinemann wird neuer Domkapellmeister

Der Jüngste in Deutschland

Ein eindrucksvolles Bild boten die Augsburger Domsingknaben schon bisher, wenn der groß gewachsene Reinhard Kammler mit seinem dunklen Schnurrbart den Takt vorgab. Ein blonder junger Mann mit strahlendem Lächeln löst ihn demnächst ab: Stefan Steinemann, dann 27 Jahre jung, wird zum 1. Januar 2020 neuer Domkapellmeister. Nach den Recherchen unserer Zeitung ist er der zur Zeit jüngste Inhaber dieses Amtes in Deutschland, wenn nicht gar in Europa.

Völlig überraschend kommt die Personalentscheidung nicht, die zugleich einen Generationenwechsel bedeutet. Der 64-jährige Kammler hat gut vorgearbeitet, um seinen Wunsch-Nachfolger zu präsentieren. Steinemann ist trotz des jungen Alters schon mehrere Jahre sein Assistent und seit März 2019 stellvertretender Domkapellmeister.

Steinemanns Lehrer und Vorgänger wird von Bischof Konrad Zdarsa bescheinigt, er habe „eine kirchenmusikalische Ära“ geprägt. „Einen Großteil seines Lebens hat er sich unermüdlich für den musikalischen Lobpreis zur höheren Ehre Gottes eingesetzt.“ Kammlers Name werde immer mit der Dommusik und den Augsburger Domsingknaben verbunden sein. „Der Aufbau des weit über die Bistumsgrenzen hinaus bekannten Knabenchores ist sein Lebenswerk“, lobt der Bischof. 

Auftritt vor dem Papst

Wenn am 19. Mai wieder für Kinder und Eltern die Möglichkeit besteht, sich beim Tag der offenen Tür im Augsburger Haus St. Ambrosius über die Domsingknaben zu informieren, dann werden bei Stefan Steinemann Erinnerungen wach: Noch keine fünf Jahre alt lernte der Sohn einer Kirchenmusikerin und eines musikliebenden Geschäftsführers vor 22 Jahren den Chor kennen, den er demnächst leiten wird. Jenen Chor, mit dem er einst die einmalige Audienz bei Papst Johannes Paul II. erlebte, mit dem er nach China, in die USA und nach Südafrika reiste und der schießlich bei seiner Abschlussprüfung zum Chorleiter dabei war. 

Der Wunsch, Berufsmusiker zu werden, sei „sehr früh gereift“, erinnert sich Steinemann, der die gesamte Schulzeit in Augsburg-Inningen verbrachte und damit im Kreise der Familie und der Freunde. Im Gegensatz zu anderen Chören werden die Mitglieder der Domsingknaben nicht via Internat aus der vertrauten Umgebung herausgerissen.

Nach der Ausbildung bei den Domsingknaben sei es nur noch ein kleiner Schritt gewesen zum Studium der Kirchenmusik – ein Fach, das der junge Domkapellmeister wegen des „riesigen Spektrums“ sehr empfiehlt. Das Studium führte ihn an die Hochschule für Musik und Theater in München sowie die Schola Cantorum Basel, die weltweit als führendes Institut für historische Aufführungspraxis gilt.

Neben seinen Abschlüssen mit Auszeichnung darf die umfangreiche Konzerttätigkeit nicht unerwähnt bleiben, etwa bei den Festwochen Alter Musik in Innsbruck, dem MAFestival in Brügge, der Münchner Residenzwoche, den Audi Sommerkonzerten oder den Europäischen Festwochen, Passau.

„Ich bin sehr froh, dass mir jetzt dieses Vertrauen geschenkt wird“, sagt der jüngste Domkapellmeister Deutschlands. Die Domsingknaben seien ihm „eine Herzensangelegenheit“. Es gehe für ihn „ein Traum in Erfüllung“. Steinemann will auf Bewährtem aufbauen, Neues aber gerne hinzunehmen. Er denkt dabei an große, aber wohl noch zu wenig gewürdigte Augsburger Kirchenmusiker wie Jacobus de Kerle oder Johann Melchior Gletle.

Nicht nur die Musik ist ihm ein Anliegen. Die Domsingknaben böten auch die Chance, junge Menschen mit dem Glauben bekannt zu machen – und über die jungen Sänger vielleicht die ganze Familie.

Solist in hohen Tönen

Fraglich ist, ob der Domkapellmeister, der auch noch den gemischten Domchor unter seine Fittiche nehmen wird, künftig Zeit für seine Karriere als Solist findet: Hier konnte er sich als Altus – also in einer zumeist Frauen vorbehaltenen Stimmlage – bereits einen bekannten Namen machen. Unterhaltungen führt Steinemann aber keineswegs in den oberen Etagen der Tonleiter, sondern in geläufig männlichem Klang. „Das ist einfach ein anderes Register meiner musikalischen Veranlagung“, erklärt er.

Und wie erholt sich ein Domkapellmeister, wenn Proben und Auftritte, Gesangsunterricht und Stimmbildung vorbei sind? Steinemann lacht. „Indem er einfach mal was ganz anderes macht.“ Dabei denkt der junge Mann zum Beispiel an Fußball und Schafkopf-Spielen. Ein erheblicher Teil seiner Gedanken dürfte außerdem einer jungen Geigerin namens Nina gehören, mit der er seit kurzem verlobt ist.

jm/rk

09.05.2019 - Bistum Augsburg , Kirchenmusik