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Datenbank für Familienforscher

Sterbebilder wollen etwas erzählen

AUTENZELL – Sterbebilder sind nicht nur gute Tradition, die interessante Sammelobjekte hervorbringt, sondern sie verraten auch wichtige Daten, die Familienforscher weiterbringen können. „Bitte keine Sterbebilder wegwerfen“, appelliert daher Anna Probst, Projektleiterin des 2012 gestarteten Sterbebildprojektes des Bayerischen Landesverein für Familienkunde (BLF).

Damals bildete die Sammlung des BLF mit 50 000 Sterbebildern den Grundstock. Mittlerweile sind es insgesamt 850  000 Sterbebilder, die von Ehrenamtlichen gescannt und erfasst wurden. Eine gigantische Zahl – Doppel sind hier nicht mehr enthalten – wenn von Sterbebildern abgesehen wird, die von vorneherein in verschiedenen Ausführungen angelegt wurden, also zum Beispiel unterschiedliche Fotos enthalten. So gibt es von Päpsten mehrere Sterbebilder, aber auch von einfachen Leuten. 

Die riesige Datenbank ist öffentlich zugänglich und wird vor allem von Familienforschern für ihre Recherchen genutzt. Als Gast kann sich jeder anmelden. Sichtbar sind für Gäste nur die Daten, nicht aber das Sterbebild selbst. Dafür ist eine Mitgliedschaft im BLF erforderlich, der Jahresbeitrag beläuft sich auf 22 Euro (25 ohne Einzugsermächtigung). Aber auch die aktuell 1385 BLF-Mitglieder bekommen aus Urheberrechtsgründen nur die Sterbebilder angezeigt, die mindestens 70 Jahre alt sind. 

Gescannt werden immer Vor- und Rückseite. Gelegenheit, Sterbebilder zu scannen, gibt es beispielsweise auf den Treffen der Heimat- und Familienforscher oder über direkten Kontakt zu Projektbetreuern.

Richtige Schätze

Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf bayerischen Sterbebildern. Aber auch auch aus dem Nachbarland Österreich gibt es Bilder. „Wir sammeln alles“, sagt Projektleiterin Anna Probst. „Es gibt richtige Schätze unter den Sterbebildern“. Zum Beispiel das der Missionsschwester Maria Johanna Mall, geboren am 16. Juni 1872 in Weikertshofen, gestorben am 29. Oktober 1899 mit nur 27 Jahren in Graaf Reinet, einer Stadt in Südafrika, wo sie im Einsatz war. Nur wenige Sterbebilder aus der frühen Zeit zeigen Fotos der Verstorbenen, von weniger als 2000 Sterbebildern von Frauen sind es gerade mal 25, darunter Kaiserin Elisabeth von Österreich, genannt Sisi. 

Zu den frühen Schätzen gehört auch das Sterbebild von Fanny de Crignis, einer Privatiersgattin, die am 27. Juli 1839 in Pöttmes geboren wurde und am 24. Juni 1904 in Neuburg starb. Eine Besonderheit ist hier, dass das Foto nicht gedruckt, sondern nachträglich auf das Sterbebild aufgeklebt wurde. „Das gab es öfter zu jener Zeit“, sagt Probst. Interessant auch das Sterbebild der Kühbacher Pfarrhaushälterin Walburga Stegmeier, geboren im September 1872 in Pöttmes, gestorben am 9. November 1918. Auch die jung verstorbene Ökonomensgattin Leni Hecht aus Karlshuld (25. März 1881 bis 10. März 1917) erhielt ein Sterbebild mit eigenem Foto. 

Allen gemeinsam ist auch, dass relativ viele Informationen mitgeteilt werden, im Gegensatz zu modernen Sterbebildern. Gerade diese Informationen zu Geburts- und Sterbeort und -datum, zu Berufen oder Ehestand, sind es, die sie zu wertvollen Dokumenten für Familienforscher machen. Aber auch schon damals gab es, wenn auch selten, Ausrutscher. So teilt das Sterbebild für Alois Bauer, Hofbesitzerssohn von Kirchroth, nur mit, dass er im Alter von 15 Jahren an einer Krankheit starb, aber weder Geburtstag noch Sterbetag sind angegeben. 

Geburtsort und Sterbeort sind insofern wichtig, weil die Betreffenden dort im Standesamt verzeichnet werden, also beispielsweise dort, wo sie im Krankenhaus verstarben, nicht jedoch, wie man annehmen könnte, am Wohnort. „Wenn das falsch ist, findet man denjenigen nie mehr“, sagt Probst, die beim Erfassen von Sterbebildern nur Daten aufnimmt, die entweder auf dem Sterbebild verzeichnet oder von Angehörigen bestätigt werden. „Es wäre wichtig für zukünftige Familienforscher, dass wieder mehr Informationen auf die heutigen Sterbebilder kämen“, wünscht sie sich, zumindest der Geburts- und Sterbeort, wenn möglich Beruf und Geburtsname.

Ausführlich berichten häufig Sterbebilder aus dem Ersten Weltkrieg, oft mit genauer Schilderung der tödlichen Verletzung, teils sogar mit Todesstunde und Angabe des Regiments und natürlich des Soldaten- oder Offiziersranges.

Andrea Hammerl

Information

Für die Suche im Internet müssen die Namensdaten der Sterbebilder von Ehrenamtlichen erfasst werden. Wer Sterbebilder scannen lassen will, kann sich an Anna Probst, Telefon 0 82 52/60 43 wenden. Auskunft auch unter www.blf-online.de/projekt/bayerisches-ster
bebilderprojekt.

27.10.2020 - Bayern , Familie , Historisches