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„Ein gar schlechtes heiliges Grab“

Bei der ersten Besichtigung durch den Kaplan geschah ein tragischer Unfall

KIRCHHASLACH/WEISSENHORN – Kaplan Johann Baptist Pater erschien das Heilige Grab in der prächtigen Pfarr- und Wallfahrtskirche von Kirchhaslach allzu erbärmlich. So beginnt eine tragische Geschichte, die sich an einem Gründonnerstag Mitte des 18. Jahrhunderts ereignete.

Als Initiator des Auftrages für ein neues Heiliges Grab kann laut einem Schreiben des Fuggerschen Oberamtmanns Johann Anton Zwerger an den Grafen Franz Karl Fugger vom 22. Januar 1752 der damalige Primarius [der erste Kaplan] von Kirchhaslach, Johann Baptist Pater, gelten. Der Kaplan stammte aus dem hohenzollerischen Haigerloch im heutigen Zollernalbkreis. Dieser habe laut Zwerger geäußert, dass die Wallfahrtskirche „mit einem gahr schlechten Heyl: Grab versehen seye, und dahero eines neuen umb so mehrer benötiget werde, weilen zur selbigen Zeith die täglich nächtliche anbettung des Sanctissimi [Allerheiligsten] von dem gantzen Greuth [Umgebung] abgehalten werde.“ 

Darüber hinaus vermerkt der Oberamtmann, „daß der H. Primarius 75 Gulden [zu den Kosten] beizutragen, sich geäußert habe“. Nachdem Graf Fugger den Weißenhorner Maler Franz Martin Kuen bereits kurz vorher mit der Freskierung der Wallfahrtskirche Matzenhofen beauftragt hatte, lag es nahe, diesen Künstler auch für die Arbeit in Kirchhaslach zu verpflichten. Wie aus einem Brief Kuens hervorgeht, gingen diesbezügliche Verhandlungen zwar bereits auf Anfang des Jahres 1751 zurück, der Auftrag selbst wurde aber erst Ende Januar 1752 nicht zuletzt auf Initiative des Primarius an Kuen vergeben.

Als Schreiner bevorzugte Kuen dabei einen Handwerker aus Weißenhorn, da nach seiner Aussage „der allhiesige in dieser Arbeit erfahren und mehr als zwölf Gräber gemacht hatte“. Kuen hatte jedoch nichts dagegen, dass die Schlosserarbeiten in Babenhausen angefertigt würden. Die Gesamtkosten des Heiligen Grabes betrugen rund 176 Gulden, wobei 125 Gulden auf die Arbeit Kuens einschließlich der des Schreiners und des Spenglers entfielen.

Aus einigen Rechnungen kann geschlossen werden, dass die Kirche zur Zeit der Aufstellung des Heiligen Grabes verdunkelt war. Den Ausgaben standen Einnahmen von rund 160 Gulden gegenüber, die sich aus den Geldern des Herrn Primarius, der Rosenkranz-Bruderschaft der Filiale Olgishofen sowie Kollekten zusammensetzte. Den Restbetrag dürfte Graf Fugger als Patronatsherr beglichen haben.

„Yble Straßen“

Nachdem laut Kuen „das Modell seinen Beyfall gefunden bei seiner Exzellenz H. Grafen sowohl auch bei Ex. H. Dekan“ und er Ende Januar 1752 den Auftrag in der Tasche hatte, ging die Arbeit zügig voran. Kuen klagte allerding über die „yblen Straßen“, auf denen das Material transportiert werden musste. Wie vereinbart, war zwei Monate später das Heilige Grab rechtzeitig zur Karwoche Ende März fertiggestellt. 

Wie es ausgesehen hat, lässt sich heute leider nicht mehr genau sagen. Über den Verbleib von Kuens Modell ist heute nichts mehr bekannt. Auch der Standort des Grabes ist unbekannt, vermutlich hatte es seinen Platz im Chorraum. Es bestand aus einem „Holzgerüst, durch Klammern, Stifte, Bänder zusammengehalten“, bespannt mit „Leinwath“. Die Leinwand war der Träger der leider nicht mehr überlieferten Malereien Kuens aus der Leidensgeschichte Jesu. Die Figur des toten Christus war von 14 beleuchteten Glaskugeln umgeben. Weiter oben befand sich ein vierarmiger beweglicher Leuchter. Er diente vermutlich zur Beleuchtung der Monstranz, die der Priester nur über eine Treppe erreichen konnte. Und hier nahm wohl das tragische Geschehen seinen Lauf, über das wir aus den „Annalen aus Kirchhaslach“ von Franz Stury, einer Handschrift um 1841, die im Augsburger Bistumsarchiv aufbewahrt wird, folgendes erfahren:

Kaplan Johann Baptist Pater wollte das Heilige Grab in der Kirche begutachten. Allerdings hatten „die Schreiner die Stiege noch nicht genügsam befestiget, Herr Pater wollte selbe besteigen, sie wich, er fiel rückwärts Herunter, brach das Genicke, und blieb auf der Stelle tod, nachdem er nur einmal seines Werkes ansichtig geworden war“. Am Gründonnerstag, 30. März 1752, einen Tag nachdem Johann Baptist Pater vom Gerüst gestürzt war, verstarb er laut Eintrag im Matrikelbuch der Pfarrei Kirchhaslach.

Er wurde in der Kirche gegenüber dem linken Seitenaltar der 14 Nothelfer begraben. Unweit davon befindet sich an einem Pfeiler heute noch eine Erinnerungstafel, aus der hervorgeht, dass der Geistliche 52 Jahre alt war, im 20. Jahr seines Priestertums stand und zwei Jahre in Kirchhaslach gewirkt hatte.

Herbert Huber

08.04.2020 - Bistum Augsburg , Historisches