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Erwachsenentaufe in der Osternacht

Sich vom Glauben tragen lassen

WEILHEIM – Sein Weg zum Christsein hat lange gedauert. Dann ging es Schlag auf Schlag: Philipp Hoferichter (35) aus dem oberbayerischen Weilheim hat sich binnen eines Jahres den Zugang zum christlichen Alltag erschlossen und sich mit dem katholischen Bekenntnis angefreundet. Bischof Bertram Meier hat ihn am Sonntag, 6. März, im Dom zu Augsburg zum Empfang der Sakramente zugelassen. 

In dieser Osternacht ist es jetzt so weit: Philipp Hoferichter wird getauft. „Ich bin schon sehr neugierig, aber auch aufgeregt, wie ich das Osterfest 2022 erlebe. Und ich freue mich darauf.“ Der junge Informatiker und „späte“ Täufling sitzt mit seiner schwarzen Gitarre vor seiner Fotowand, die eine Dünenlandschaft im Norden Deutschlands zeigt, und fasst zusammen, wie sich sein Leben gegenwärtig neu gestaltet: „Wo es letztlich hinführt, kann ich nicht konkret sagen. Sicher ist, dass ich mich vom christlichen Glauben, von Spiritualität und ethischen Werten tragen lasse.“

Philipp Hoferichter ist in Görlitz geboren und erlebte dort seine ersten vier Lebensjahre. 1991 zog er mit seiner Familie nach Oberbayern. Er wurde Fachinformatiker und setzte noch das Studium der Wirtschaftsinformatik drauf. Inzwischen arbeitet er bei einem großen deutschen Autoproduzenten, ursprünglich im Linux-Spezialbereich, heute jedoch als Cloud-Experte. „Ich bin nicht sozialistisch geprägt“, erzählt er über seine Kindheit, aber zu dem klassisch oberbayerischen, meist traditionell kirchlichen Leben habe er auch keine Beziehung gehabt. 

Kirchenarchitektur und sakrale Kunst hätten ihn aber schon angezogen. „Dabei interessierte es mich, was dahintersteht.“ Deshalb habe er in Schule und Studium immer auch den Ethik-Unterricht belegt und als wichtig erachtet. „Es ging mir um Zwischenmenschlichkeit“, grundsätzlich um humanitäre Lebensformen, die er auch seinen Söhnen, 10 und 14 Jahre alt, vermittelt.

„Jetzt wollen Sie wissen, warum ich auf einmal erwachsener Taufbewerber geworden bin? Darauf suche ich auch eine Antwort“, schmunzelt Philipp. Die könne er gegenwärtig noch nicht geben. „Ich bin eines Morgens aufgewacht und wusste, es müsse noch mehr und anderes geben im Leben neben Informatik und sich ständig in Bewegung findenden technischen Entwicklungen“, erzählt er. Auch die vielen Kirchenaustritte hielten ihn nicht ab, nach dem „Dahinter“ intensiv weiterzuforschen.

Es sei ihm erst vor gut einem Jahr klargeworden, wie reich das Leben an Impulsen ist, die es lohne aufzunehmen und deren Lebendigkeit zu erfahren sei. Dazu zählten für ihn Menschlichkeit, Kraft und Energie, mit anderen Menschen in Austausch und Gemeinsamkeit zu treten, die neben dem technologischen Berufsbild auch emotionale und erlebnisreiche Ziele in Aussicht stellen.

Anfangs war ihm die Richtung nicht klar, „deshalb suchte ich Kontakt zu den großen Religionen wie auch zu kleinen Glaubensgemeinschaften“. Nach reiflicher Information und Abwägung habe ihn der christliche Glaube überzeugt. „Dass ich heute, nach den ersten zwölf Monaten der Glaubenssuche bei der katholischen Kirche angekommen bin liegt an Pfarrer Engelbert Birkle.“ Die Gespräche mit dem Seelsorger, der seit 2014 als Stadtpfarrer von Weilheim wirkt, seien für ihn so inhaltsreich gewesen, „dass ich mich für ein katholisch geprägtes Leben entschieden habe.“

Philipp erzählt vom Wohlgefühl in seiner Gesprächsrunde, die sich meistens alle zwei Wochen trifft. „Da fühle ich mich wohl.“ Diese Gruppe von Frauen und Männern hat Pfarrer Birkle mitaufgebaut. Sie begleitet den Täufling an seinem großen Tag. Als Taufpate steht ein langjähriger Freund an seiner Seite. „Ich kann heute nicht sagen, wie sich alles weiterentwickelt. Ich gebe mir auch Zeit“, sagt er. „Und ich genieße es, mit neuen Gedanken und Ideen auszubrechen aus der rasant schnellen Zeit. Hin zu mehr Humanität, Zusammenhalt mit Gleichgesinnten und das Zulassen innerer Impulse, die meine Neuorientierung in Bewegung gebracht haben.“ Beate Bentele

15.04.2022 - Glaubensleben , Ostern