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ZdK-Präsident Thomas Sternberg

Laien müssen sich stärker in den Pfarreien einbringen

AUGSBURG – Die Zeit, in der Pfarreien auf Hauptamtliche setzen können, gehört angesichts des dramatischen Priestermangels der Vergangenheit an. Das hat Professor Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), erklärt. „Lieber sich zweimal selbst ermächtigen, als einmal demütig um Erlaubnis zu fragen“, riet er den Diözesanräten des Bistums beim Festakt anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Pfarrgemeinderäte. Der Titel seines Festvortrags: „Laien tragen Verantwortung“.

Galt noch bis in die 50-er Jahre, dass sich der Katholik nach der Weisung von Autoritätspersonen zu richten habe, zeigte Sternberg auf, wie sich während des Zweiten Vatikanischen Konzils „die Vorstellung einer brüderlichen Kirche“ entwickelte. „Die Konzilsväter legten Wert darauf, dass alle Getauften am Wirken der Kirche Anteil haben, weil sie selbst Kirche sind“, sagte der ZdK-Präsident. 

Die Befähigung der Laien ergebe sich aus der Teilhabe am mystischen Leib Christi. Durch Taufe und Firmung würden sie „zum heiligen Volk, zu einer königlichen Priesterschaft“. Das gelte für alle: Frauen und Männer, Junge und Alte, Familien und Singles, weshalb der Zentralrat der Katholiken auch den Zugang der Frauen zu kirchlichen Ämtern fordere.

Papst Franziskus habe deutlich gemacht, dass das Engagement der ehrenamtlichen Laien nicht bloß ein Hilfsdienst für die Hauptamtlichen sei, „sondern ein Dienst, der in sich einen Wert hat“, hob Sternberg hervor. „Die Orte werden mehr, wo Kirche nur durch Laien zum Salz der Erde werden kann.“ Als Beispiele nannte Sternberg Marktplätze, Börsensäle, Newsrooms oder Kindergärten. 

Der ZdK-Präsident erinnerte an die lange Rätetradition in der Diözese Augsburg: Schon 1929 wollte Bischof Josef Kumpfmüller, dass Pfarrausschüsse gebildet werden. 1947 wurden diese Ausschüsse für größere Pfarreien sogar vorgeschrieben. Bischof Josef Stimpfle legte 1968 eine Satzung für Laienräte in der Diözese vor. Da Pfarrgemeinderäte nur Beratungsgremien sind, forderte Sternberg unter dem Beifall der Diözesanräte „letztendlich Entscheidungskompetenz, sonst werden wir keine Menschen mehr gewinnen“.

Es gehe auch darum, die „Randständigen zu erreichen, diejenigen, die nur noch zu Weihnachten in die Kirche gehen“. Außerdem möchte der ZdK-Präsident „offen sein für die vielen, die nicht mehr mitmachen und die, die noch nicht dazugehören“. Beim Katholikentag in Leipzig, wo 80 Prozent der Bevölkerung sagen „Ich glaub’ nix, mir fehlt nix“, habe er die beglückende Erfahrung gemacht, dass man als Christ ernstgenommen werde, wenn man authentisch sei. 

Die aufgedeckten Missbrauchsfälle beklagte Sternberg als einen gewaltigen Vertrauenverlust. Als Laie dürfe man sich da nicht her­ausnehmen. Denn es werde nicht differenziert, der Vertrauenverlust beträfe alle Katholiken, ja alle Christen. 

Im Übrigen gebe es auch Missbrauch bei den Laien, was bis jetzt noch gar nicht ausreichend untersucht sei. Diese „gigantische Problem“ müsse so aufgearbeitet werden, dass später einmal andere gesellschaftliche Gruppen, die davon betroffen sind, sagen: Arbeiten wir den Missbrauch mit der gleichen Ernsthaftigkeit auf wie die katholische Kirche. Schließlich dankte der ZdK-Präsident den Laienräten der Diözese für ihre Arbeit in den vergangenen Jahrzehnten und wünschte Glück und Segen. Gerhard Buck