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Ulrichsschrein auf Reisen (Mittwoch, 11. Juli 2018 10:29:00)

Ulrichsschrein auf Reisen

Starkes Glaubensfest im Ries

NÖRDLINGEN – Sehr festlich sahen sie in ihrer katholischen Tracht aus. Mit Hirschlederhose, Hemd, Weste und Hut sind Erhard Gartenschläger, Anton Reiter, Ulrich Seefried und Christian Zuber für eine ganz besondere Aufgabe nach Nördlingen gekommen: Die vier Männer des Trachtenvereins Oettingen trugen den Ulrichsschrein mit den Gebeinen des Bistumsheiligen in die Salvator-Kirche.

Zum vierten Mal waren die Gebeine des heiligen Ulrich im Rahmen der Ulrichswoche auf Reisen gegangen. Bischof Konrad Zdarsa freute sich, dass nach Ottobeuren, Benediktbeuern und Kempten nun Nördlingen das Ziel war. Denn gerade diese Region in der Diözese visitiert der Bischof derzeit. Ein „starkes Glaubensfest im Ries“ sollte der Tag werden, hatte sich Bischof Konrad gewünscht. Und das zeigte sich nicht nur am immensen Besucherzuspruch beim Pontifikalamt. Über den ganzen Tag wurden Andachten von den umliegenden Pfarreiengemeinschaften vorbereitet. 

Der Kirchenchor von St. Salvator in Nördlingen gestaltete mit Klaus Ortler an der Orgel den Hauptgottesdienst, bei der Vesper war der Kirchenchor aus Maihingen aktiv. Veranstaltungspunkte für Kinder, Kindergärten, aber auch für Senioren und für Kranke machten klar: Hier sollen mit einem besonderen Wallfahrtstag möglichst viele Menschen erreicht werden.

Zwei links, zwei rechts: Die Männer vom Oettinger Trachtenverein stellten sich neben dem goldenen Schrein auf und zogen sich weiße Handschuhe über. Es war ein historischer Moment. In die Stadt, deren Anfänge auf das Jahr 898 datiert werden, kommt der heilige Ulrich, der 890 geboren wurde. Zusammen mit ihrem Fahnenträger Armin Seiler und den Frauen in der Festtagstracht wurde der Schrein im Zug zum großen Portal der Kirche getragen. Pfarrer Benjamin Beck, Dekan Jürgen Eichler aus Wallerstein, Prodekan Ulrich Manz aus Oettingen und viele Geistliche aus dem Umkreis reihen sich in den Festzug ein. Mit dabei waren gut 60 Ministranten aus Nördlingen und den Nachbar-Gemeinden. Die Kinder und Jugendlichen hatten für diesen besonderen Festtag schulfrei bekommen. 

Vor der Kirche begrüßte Stadtpfarrer Benjamin Beck die Besucher in Nördlingen und wies auf eine historische Besonderheit hin. Als Bischof Ulrich 973 in Augsburg starb, war einer der ersten Menschen, die sich nach Augsburg aufmachten, der heilige Bischof Wolfgang. Er kam damals von Regensburg über Nördlingen nach Augsburg, um den Verstorbenen zu ehren. Bei der Altarweihe von St. Salvator in Nördlingen wurde, so Pfarrer Beck, eine Reliquie des heiligen Wolfgang in den Altar eingebettet. „Heute kommen die beiden also wieder zusammen“, sagte der Stadtpfarrer. Sehr herzlich begrüßte er Bischof Konrad Zdarsa in Nördlingen, dessen Sekretär er 2011 bis 2014 gewesen war.

Der Bischof erinnerte in seiner Begrüßung an die großen Taten des heiligen Ulrich, der ein Mann des Gebetes und Friedensstifter gewesen sei. Bei der Schlacht auf dem Lechfeld habe er nur mit Kreuz und Bibel die Soldaten angeführt und zum Sieg über die Ungarn maßgeblich beigetragen. Ziel dieser Wallfahrt und der Ulrichswoche sei es, Menschen auf die Fürbitten des Heiligen in eine tiefere Beziehung zu Gott zu bringen, sagte Bischof Konrad, bevor der beeindruckende Zug durch den Mittelgang der Kirche einzog. „Streiter in Not, Helfer bei Gott, du Bischof und Held, von Gott auserwählt“, sangen Hunderte Gläubige in der übervollen Kirche St. Salvator.

„Blick zum Himmel“

In seiner Predigt beschäftigte sich Bischof Konrad mit der Heiligenverehrung. „Alle Heiligen aller Zeiten sind bei Gott Vollendete und lenken unseren Blick zum Himmel“, erläuterte er. Auch heute noch sei die Verehrung der Heiligen zeitgemäß. Jeder könne das Vorbild der Heiligen in den Alltag, „ins Irdische“, übernehmen, sagte der Bischof: „Ahmt ihren Glauben nach!“ Gerade die Biografie des heiligen Ulrich biete eine Fülle an Anregungen. Vor allem sei bekannt, dass Ulrich ein tatkräftiger Mann gewesen sei. Das Reiterstandbild vor dem Augsburger Dom zeige ihn als großen Mann auf dem Pferd, ein beliebter Hintergrund für Selfies. Nicht vergessen dürfe man aber auch seine geistliche Motivation, sagte Bischof Konrad.

So wie Bischof Ulrich sei jeder Christ gefordert, sagen zu können, „was uns beseelt“, erklärte der Bischof in seiner Predigt weiter. „Haben wir denn den Willen und die Kraft, Menschen Auskunft über unseren Glauben zu geben?“, fragte er. Man müsse keine gehobene Sprache beherrschen. Jeder sollte in der Lage sein, über den Glauben und die Hoffnung, die ihn beseelt, zu sprechen. Auch Ulrich war zu Lebzeiten auf die Probe gestellt worden. Es gab Leute, die ihm Böses wollten. Bischof Zdarsa verwies auf die Legende, in der Fleisch zum Fisch verwandelt wurde, so dass Ulrich nicht gegen das Fleischverbot am Freitag verstieß. Jesus, so der Bischof, mache die Liebe zum Gebot. Sie sei nicht Stimmung und Gefühl. Jeder solle sich fragen, wie er vorangekommen sei, um ans Ziel seiner ewigen Bestimmung zu gelangen.

Der Bischof feiert die Heilige Messe mit Domdekan Bertram Meier, Stadtpfarrer Benjamin Beck und weiteren Geistlichen. Nach dem Pontifikalamt bildeten sich lange Schlangen im Mittelgang der Kirche. Bischof Zdarsa spendete den persönlichen Ulrichssegen mit der Ulrichsreliquie, die in Gold gefasst ist. 

Auch Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein, der Patronatsherr der Pfarrgemeinde Wallerstein, und seine Gattin Lioba waren unter den Gläubigen, die sich unter den Schutz des heiligen Ulrich stellten. Für die vielen Gläubigen aus Nördlingen, Oettingen und dem gesamten Dekanat war es ein besonderer Moment, diesen Segen im Ries zu empfangen.

Die Pfarreiengemeinschaften Oettingen, Nördlingen, Wallerstein und Fremdingen gestalteten um die Mittagszeit Andachten mit Gebets­impulsen. Den ganzen Tag über gab es Gelegenheit zur Beichte. Der Fremdinger Pfarrer Michael Kammerlander hielt einen gut besuchten Krankensegnungsgottesdienst. Im Anschluss füllte sich die große Kirche mit vielen Kindern. Unter dem Motto „Ulrich ganz nah“ hatten sich Kindergartengruppen mit dem Diözesanheiligen beschäftigt, der Kinderchor unter der Leitung von Klaus Ortler sang.

Besonders schön wurde das Motto „Ulrich ganz nah“ umgesetzt, als die Kinder verschiedener Tagesstätten lange Bänder vom Portal durch den Mittelgang der Kirche bis zum Schrein und um den Ulrichsschrein herum legten. „Hand in Hand an einem Band“, sangen die Kinder mit ihren Eltern und Erzieherinnen. In einem Schauspiel zeigten Kinder der Pfarreiengemeinschaft Szenen aus dem Leben des heiligen Ulrich. Gemeindereferentin Anja Konrad-Müller und ihr Team hatten sich mit Kostümen und Texten viel Mühe gegeben. „Wir können mit Gott ein Band knüpfen“, erklärte sie. Auch für die Kinder könne Ulrich ein Vorbild sein.

Mit einer Vesper ging ein denkwürdiger Tag in Nördlingen zu Ende. Auch die Stadt Nördlingen unterstützte das kirchliche Fest: Die Knabenkapelle als Botschafterin der Kommune spielte auf, als der Schrein wieder nach Augsburg verabschiedet wurde. 

Christina Zuber